Monday 30. May 2016

Gewaltfrei Leben - 16 Tage gegen Gewalt an Frauen

Die derzeit laufende Kampagne "Gewaltfrei Leben" thematisiert die Problematik der Gewalt im öffentlichen, wie im privaten Raum. Die Leiterin der Stabsstelle für Missbrauchs-und Gewaltprävention, Kinder- und Jugendschutz der Erzdiözese Wien, Martina Greiner-Lebenbauer erläutert gegenüber erzdiözese-wien.at die Hintergründe.

 


Was bezweckt die Kampagne "Gewaltfrei Leben"?
Greiner-Lebenbauer: Die Kampagne setzt die Ziele der „Istanbuler Konvention“ um: Gewalt an Frauen und Kindern zu beenden. In Österreich wurden die „Autonomen Frauenhäuser“ mit der Umsetzung beauftragt. Die Kampagne „Gewaltfrei Leben“ steht auf mehreren Säulen. Darunter das Bekanntmachen der Hotline für gewaltbetroffene Frauen. Die Nummer der Hotline lautet: 0800 222 555.

 

Die zweite Säule umfasst Präventionsprojekte in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen, wie Schulung des Personals im Gesundheitsbereich, Workshops für Kinder und Jugendliche, Leitfaden für Berichterstattung in Medien, Selbststärkungsworkshops für Migrantinnen und Migranten, der Schutz von hochgefährdeten Person durch multinstitutionelle Zusammenarbeit um Femizid und schwere Gewalt zu verhindern. Und die dritte Säule stellt die Zusammenarbeit mit möglichst vielen Kooperationspartnern in den Mittelpunkt.

 

 

Was sind die Probleme, die im  Zusammenhang mit der Kampagne öffentlich gemacht werden?

 

Greiner-Lebenbauer: Trotz vielfacher Aufklärungsarbeit wird das Thema Gewalt an Frauen und Kindern aus der öffentlichen Diskussion verdrängt und verharmlost. So fällt es Betroffenen schwer, sich Hilfe zu holen. Schuldgefühle oder Scham sind hier die Haupthindernisse um sich Hilfe zu holen. Nach wie vor werden in Österreich bis zu 300.000 Frauen pro Jahr von ihren Partnern oder Ex-Partnern misshandelt. Jede fünfte Frau wird also mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von Gewalt in der Beziehung. Nach wie vor sind die Hilfseinrichtungen und Beratungsstellen zu wenig bekannt. Zudem wird von Frauen ab dem 40. Lebensjahr die Hotline immer weniger genützt, Frauen über 60 Jahren rufen so gut wie gar nicht an. Hier müssen Maßnahmen getroffen werden um zu helfen.  Ebenso zeigt sich, dass psychische Gewalt die häufigste Form von Gewalt an Frauen ist, zugleich auch die Form, die schwer nachzuweisen ist. Hier haben es Betroffene nach wie vor sehr schwer, dass ihre subjektive Gewalterfahrung Gehör und Beachtung findet.

 

 

Wie bringt sich die Stabsstelle für Missbrauchs-und Gewaltprävention, Kinder- und Jugendschutz der Erzdiözese Wien für dabei ein?

 

Greiner-Lebenbauer: Wir haben heuer in der „Langen Nacht der Kirchen“ mit der Ausstellung „Silent Witnesses“ („Stumme Zeuginnen“) teilgenommen. Im Erzbischöflichen Palais waren zehn rote, lebensgroße Frauenfiguren ausgestellt, die jeweils mit einer kurzen Biographie an - die von ihren (Ex-) Partnern, (Ex-)Ehemännern  - ermordeten Frauen erinnerten. Außerdem nehmen wir an der Aktion „Gewaltfrei leben“ teil und veröffentlichen Statements von kirchlichen Persönlichkeiten im aktionszeitraum vom 25.11. (Tag der Gewalt an Frauen) bis zum 10. Dezember (Tag der Menschenrechte) auf unserer Facebook-Seite, auf der Homepage der kfb  und unserer Homepage www.hinsehen.at.

 

Am 3. Dezember 2015 findet weiters im Afro Asiatischen Institut ein Theaterstück zum Thema „Sexueller Missbrauch“ statt. Mittels Forumtheater können die Zuschauer/innen in den Spielverlauf gestaltend eingreifen.

 

Für die Angestellten der Erzdiözese Wien wird im Frühjahr ein Workshop zum Thema „Dabeisein heißt beteiligt sein“ stattfinden. Hier lernen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen wie sie sicher Zivilcourage zeigen können, ohne sich selbst zu gefährden, wenn sie Gewalt an Frauen oder Männern oder Kinder im öffentlichen Raum erleben.

 

 

Sind Sie auch diesbezüglich Ansprechpartnerin?

 

Greiner-Lebenbauer: Ich stehe gerne bei Fragen zur Verfügung  und kann zu Beratungsstellen vermitteln. Die kompetente Ansprechstelle, die rund um die Uhr erreichbar ist, ist der Frauennotruf unter: 0800  222 555

 

 

Ist das Thema "Gewaltfrei Leben" gesellschaftlich ein Tabu, bzw. wird es nicht angesprochen?

 

Greiner-Lebenbauer: Aus den Rückmeldungen unserer Aktion wird deutlich, dass die Menschen sehr wohl darum wissen, was es für sie bedeutet, gewaltfrei zu leben und zugleich die Erfahrung machen, dass sie auch immer wieder Gewalt erleben oder auch ausüben. Ich denke, dass Bewusstsein ist vorhanden, dass wir täglich Grenzverletzungen erleben und auch ausüben. Mein Eindruck ist, dass viele sich nicht vorstellen können, dass schwere Gewalt in der nächsten Nachbarschaft vorkommen kann.

 

Ein sehr komplexes und schwieriges Thema ist nach wie vor Gewalt in Institutionen. Psychische Gewalt etwa. Es wird am Arbeitsplatz viel Druck und Zwang ausgeübt und erlebt. Aus Angst vor dem Arbeitsplatzverlust oder vor Mobbing trauen sich viele nichts zu sagen.  

 

 

Was wünschen Sie sich in diesem Zusammenhang.

 

Greiner-Lebenbauer: Offenheit und Ehrlichkeit: Es gibt überall häusliche Gewalt an Frauen, nicht nur in der sogenannten „Unterschicht“ oder in „Migrationsfamilien“. Auch hier bei uns, in unseren Pfarren und kirchlichen Einrichtungen haben wir mit Frauen und Kindern – aber auch mit Männern – Kontakt, die häusliche Gewalt erleben. Ich wünsche mir Seelsorger und Seelsorgerinnen, die für das Thema sensibel sind und so zu kompetenten AnsprechpartnerInnen werden können. Es ist nicht leicht, aus einer Gewaltbeziehung auszusteigen, oft spielen finanzielle Abhängigkeit, psychischer Druck, Scham, die Verantwortung für gemeinsame Kinder usw. eine große Rolle. Seelsorger und Seelsorgerinnen brauchen da viel Geduld in der Begleitung und zugleich die Klarheit, dass Gewalt nie zu tolerieren ist. Daher ist es auch wichtig, Beratungsstellen und Hilfseinrichtungen zu kennen und dorthin zu begleiten oder bei Anrufen zu unterstützen.

erstellt von: Stefan Hauser
29.11.2015

Jede fünfte in Österreich lebende Frau ist körperlicher und/oder sexueller Gewalt ausgesetzt.  Die Kampagne "Gewaltfrei Leben"steht für die Umsetzung zahlreicher Projekte und Aktivitäten, die Sensibilisierung, Prävention und Aufzeigen von Unterstützungsmöglichkeiten zum Ziel haben, um Gewalt an Frauen und Kindern wirksam verhindern zu können.

Weitere Informationen:

Stabsstelle für Missbrauchs- und Gewaltprävention, Kinder- und Jugendschutz

www.hinsehen.at

 

Kampagne "Gewaltfrei Leben"
www.gewaltfreileben.at

 

"Gewaltinfo.at"
www.gewaltinfo.at

 

Hotline für gewaltbetroffene Frauen: 0800 222 555

 

Telefonseelsorge: 142

 

Rat auf Draht: 147

 

Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie:
www.interventionsstelle-wien.at

 

 

Männerberatung für gewaltbereite Männer:
www.maenner.at

 

 

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