
Sie dient als liturgischer Sitz während der Eucharistiefeier und symbolisiert den Ort seines Lehramtes. Die feierliche Inbesitznahme der Diözese wird durch die Zeremonie betont, in der der neue Bischof zur Kathedra geführt wird und dort Platz nimmt. Die Kathedra des Erzbischofs im Wiener Stephansdom wurde im Jahr 2005 auf Wunsch von Kardinal Schönborn erneuert. Anlass hierfür war das Anliegen des Erzbischofs, dass sein Sitz – in der Achse zwischen Volksaltar und historischem Hochaltar gelegen – den Blick auf die Reliquie des hl. Stephanus unterhalb des Hochaltars nicht verstellen dürfe.
Um diesem Anliegen gerecht zu werden und dennoch einen dem Bischofsamt entsprechend würdigen Stuhl zu schaffen, entwarf Dombaumeister DI Wolfgang Zehetner eine neue Kathedra. Diese setzt sich aus einem freistehenden, massiven Sitz aus demselben rotgrauen Marmor wie Altar und Ambo, sowie Armlehnen aus Stein, in die die Wahlsprüche der früheren Erzbischofe von Wien eingraviert sind, zusammen. Ein zentrales Gestaltungselement ist die ergonomische Rückenlehne aus Glas mit dem eingravierten Wappen des amtierenden Erzbischofs. Im Zusammenhang mit der Bedeutung dieses Wappens für den Lehrstuhl wird ein spezielles zeremonielles Prozedere beachtet: Mit dem Eintritt der Sedisvakanz – der Vakanz des Erzbischofsstuhls – wird die Lehne aus Glas mit dem Wappen des Erzbischofs entfernt. Dieser symbolische Akt unterstreicht die temporäre Unterbrechung der Amtsgewalt.
Anlässlich der feierlichen Amtseinführung eines neuen Erzbischofs wird sie durch eine neue Lehne, die das Wappen des neuen Oberhirten trägt, ersetzt. Dadurch wird der Übergang der Amtsgewalt und die Wiederbesetzung des Stuhles zeremoniell manifestiert.