
Ökonomie im theologischen Sinn beschreibt das ordnende, heilende und führende Handeln Gottes in der Geschichte.
In der Antike stand oikonomía für die Organisation eines Haushalts – das Verwalten von Gütern, Personal und Aufgaben. Theologisch wurde dieser Begriff früh übernommen, um das Wirken Gottes darzustellen: Gottes Führung der Welt gleicht einer guten, weisen Haushaltsführung. Autoren wie Giorgio Agamben zeigen, dass oikonomía bereits in der frühen Christenheit als Begriff für Gottes „Verwaltung“ und „Führung“ verwendet wurde.
So wird deutlich: Ökonomie bedeutet im theologischen Kontext nicht „Markt“ oder „Finanzen“, sondern göttliches Handeln, das die Welt in Ordnung hält und Heil ermöglicht.
Im Zentrum der theologischen Bedeutung steht die Heilsökonomie Gottes. Damit bezeichnet man das gesamte Offenbarungs- und Heilshandeln Gottes – von der Schöpfung über das Wirken Jesu Christi bis hin zur Gabe des Heiligen Geistes. Die Theologie unterscheidet dabei zwischen zwei Sichtweisen:
Walter Simonis betont, dass die Heilsökonomie Gottes im dreifaltigen Leben selbst gründet und sichtbar macht, wie Gott „für uns“ handelt. Ohne diese Unterscheidung wäre nicht klar erkennbar, wie Gott sich in der Geschichte zuwendet und zugleich in sich selbst unveränderlich bleibt.Die Ökonomie Gottes meint damit ein geordnetes, freies und liebevolles Handeln, das den Menschen Heil schenkt.
Neben der göttlichen Perspektive hat der Begriff auch eine anthropologische Dimension. In der Bibel wird der Mensch als wirtschaftendes, verwaltendes Wesen verstanden: Er soll die Schöpfung bebauen, bewahren und verantwortlich nutzen (Gen 2,15; 3,19). Dies entspricht der ursprünglichen Bedeutung der Ökonomie als „Hausverwaltung“. Der Mensch ist damit Teilhaber an Gottes ordnendem Wirken und trägt Verantwortung für die gerechte Nutzung der Güter der Welt.
Moderne ökumenische Reflexionen sprechen von der „Ökonomie des Lebens“. Der Ökumenische Rat der Kirchen beschreibt sie als ein umfassendes Beziehungsnetz zwischen Menschen, Gemeinschaften und der gesamten Schöpfung. Diese göttliche Ökonomie ist geprägt von Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Frieden, fairen Arbeitsbedingungen und einem würdevollen Leben für alle Geschöpfe. Damit wird deutlich: In Gottes Ökonomie geht es nicht nur um spirituelle Heilsgeschichte, sondern auch um konkrete soziale, ökologische und wirtschaftliche Verantwortung.
Die theologische Reflexion des ökonomischen Handelns wird heute zunehmend relevant. Theologen wie Hans G. Ulrich stellen heraus, dass Gottes Ökonomie ein normatives Gegenbild zu rein utilitaristischen Wirtschaftslogiken bildet. Sie lädt dazu ein, Wirtschaftsethik als Teil eines umfassenden Glaubensverständnisses zu begreifen.
Der theologische Begriff der Ökonomie beschreibt Gottes Weise, die Welt zu führen und das Heil zu schenken. Er verbindet die Offenbarung Gottes, den Auftrag an den Menschen und eine umfassende Vision von Gerechtigkeit und Frieden. Dadurch wird Ökonomie in der Theologie zu einem zentralen Begriff, der Gottes Handeln, menschliche Verantwortung und gesellschaftliche Ethik miteinander verknüpft.