Freitag 5. Juni 2026

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Alexander Bassis
05.06.2026

Große Fronleichnamsfeier der neuen Pfarre „Selige Schwester Restituta“ in Mödling

Bei strahlendem Sonnenschein feierten hunderte Menschen gemeinsam eine Festmesse beim Gymnasium in der Bachgasse. Zuvor haben die Teilgemeinden Wiener Neudorf, Herz-Jesu und St. Othmar eine Sternenprozession gemacht.

Bischofsvikar Richard Kager rief in seiner Predigt dazu auf, auf das Gemeinsame zu schauen, das alle Gläubigen verbindet: auf Christus. Die Frage sei nicht: ob der Weg als neue Pfarre gegangen werde, sondern wie. „Heute tragen wir Christus nicht nur durch unsere Straßen. Heute zeigt uns Christus auch, in welche Richtung wir gehen sollen. Er ruft uns zusammen. Er formt uns zu einer Gemeinschaft. Er verbindet, was bisher nebeneinander gewachsen ist,“ so Kager.

 

Die Predigt von Bischofsvikar Richard Kager

Heute sind wir aus verschiedenen Richtungen und Teilgemeinden gekommen: aus Wiener Neudorf, aus Mödling Herz-Jesu, aus Mödling St. Othmar. Sternförmig haben wir uns auf den Weg gemacht. Von verschiedenen Orten aus. Auf unterschiedlichen Straßen. Mit verschiedenen Erfahrungen im Gepäck.

Und genau darin steckt schon die erste Predigt dieses Fronleichnamstages. Denn Kirche beginnt nicht dort, wo alle gleich sind. Kirche beginnt dort, wo Menschen mit ihren Verschiedenheiten, eben so, wie sie sind, mit Christus unterwegs sind.

Ist das nicht ein wunderbares Bild für eure neue Pfarre „Selige Schwester Restituta“? Ihr kommt aus unterschiedlichen Gemeinden. Jede Gemeinde hat ihre Geschichte. Jede hat ihre Traditionen. Jede hat Menschen, die mit Herzblut Kirche aufgebaut und gestaltet haben. Jede hat ihre Erinnerungen und ihre Eigenheiten. Und manchmal bleiben wir dabei stehen, dass wir ganz stark auf das schauen, was uns ausmacht und von den anderen unterscheidet. Heute aber lädt uns Christus ein, auf das zu schauen, was uns verbindet: auf IHN.

 

Der Apostel Paulus hat es beim zweiten Altar auf den Punkt gebracht: „Ein Brot ist es. Darum sind wir viele ein Leib.“ Nicht viele Brote, sondern ein Brot. Nicht viele Leiber, sondern ein Leib.

Die Eucharistie ist deshalb weit mehr als persönliche Frömmigkeit. Sie ist das große Geheimnis der Einheit. Wer zur Kommunion geht, empfängt nicht nur Christus für sich selbst. Er wird zugleich mit allen verbunden, die von diesem einen Brot leben.

Und genau hier berührt uns das heutige Evangelium ganz konkret in unserer eigenen Situation. Die Entscheidung für die neue Pfarre „Selige Schwester Restituta“ ist schon lange und definitiv gefallen. Dieser Weg liegt nicht mehr vor uns als Frage, sondern als gemeinsame Aufgabe. Die Frage lautet daher nicht mehr, ob wir diesen Weg gehen, sondern wie wir ihn gehen.

 

Wir sind dabei versucht, auf das zu schauen, was wir verlieren könnten. Wir sind versucht, uns an Gewohntes zu klammern und die Veränderungen nur mit Sorge zu betrachten. Ich denke da vor allem an die Kirche in Herz-Jesu. Auch hier ist schon vor langer Zeit die Entscheidung definitiv gefallen.

Und es werden schon bald Pläne für die Adaptierung des Theresiensaals vorliegen, um dort zukünftig Gottesdienste zu feiern. Ich bitte daher alle, die krampfhaft versuchen, am Bisherigen unverändert festzuhalten, ihre Kräfte und Bemühungen fortan dahingehend einzusetzen, dass sich die Pfarre in ihrer neuen Form gut entwickeln und mit Leben erfüllt werden kann.

Denn Kirche lebt nicht davon, dass alles bleibt, wie es immer war. Kirche lebt davon, dass Menschen sich vom Heiligen Geist in Bewegung setzen lassen.

 

Die neue Pfarre wird nicht durch Dekrete, Pläne oder Strukturen lebendig werden. Sie wird lebendig durch Menschen, die bereit sind mitzubauen. Durch Menschen, die ihre Begabungen einbringen. Durch Menschen, die Verantwortung übernehmen. Durch Menschen, die Brücken schlagen, statt Grenzen zu ziehen.

Gerade deshalb ist Fronleichnam ein so passender Tag. Heute tragen wir Christus nicht nur durch unsere Straßen. Heute zeigt uns Christus auch, in welche Richtung wir gehen sollen. Er ruft uns zusammen. Er formt uns zu einer Gemeinschaft.

 

Er verbindet, was bisher nebeneinander gewachsen ist.

Die neue Pfarre braucht deshalb nicht kritische Beobachter, sondern Mitgestalter. Sie braucht Menschen, die sagen: Das ist auch meine Pfarre. Das ist auch meine Aufgabe. Das ist auch mein Beitrag zum Reich Gottes in Mödling und Wiener Neudorf.

Nicht zufällig sagt Jesus im heutigen Evangelium: „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist.“ Brot wird geteilt und verbindet Menschen. Genau das tut Christus in der Eucharistie. Er sammelt uns um sich und macht aus vielen Einzelnen ein Wir.

 

 

Doch Jesus spricht heute noch von mehr. Er sagt: „Wer von diesem Brot isst, wird leben in Ewigkeit.“ Christus schenkt nicht nur Gemeinschaft für heute. Er schenkt Zukunft. Er schenkt Leben, das stärker ist als Schuld, Leid, Vergänglichkeit und sogar stärker als der Tod. Das ewige Leben beginnt nicht erst irgendwann nach unserem Sterben. Es beginnt dort, wo Christus unser Leben berührt, wo Menschen aus seinem Geist leben und aus seiner Liebe handeln.

 

Wer Christus empfängt, empfängt daher nicht nur eine Gabe, sondern einen Auftrag: Kirche nicht nebeneinander, oder gar gegeneinander, sondern miteinander zu leben. Die selige Schwester Restituta hat uns das vorgelebt. Sie schöpfte ihre Kraft aus der Verbundenheit mit Christus und hatte den Mut, ihren Glauben sichtbar werden zu lassen. So konnte sie Hoffnung schenken, wo andere resignierten.

Aus derselben Quelle leben auch wir. Darum feiern wir heute Fronleichnam: nicht als Erinnerung an Vergangenes, sondern als Bekenntnis, dass Christus jetzt gegenwärtig ist. Christus ist mitten unter uns. Er geht mit euch durch die Straßen eurer neuen Pfarre und durch die Veränderungen unserer Kirche.

 

Heute sind wir aus verschiedenen Richtungen gekommen. Nach dieser Festmesse und dem anschließenden Feiern gehen wir wieder in verschiedene Richtungen auseinander. Aber wir gehen nicht getrennt. Wir gehen als Menschen, die das eine Brot empfangen haben und zu dem einen Leib Christi gehören.

Möge Christus euch immer tiefer miteinander verbinden, damit aus den drei Teilgemeinden Wiener Neudorf, Mödling Herz-Jesu und Mödling St. Othmar eine lebendige Pfarre Selige Schwester Restituta wächst. Damit aus vielen Stimmen ein gemeinsames Zeugnis erklingt. Und damit die Menschen in Mödling und Wiener Neudorf durch euch weiterhin von dieser Liebe Gottes erfahren, die durch Christus sichtbar und greifbar geworden ist. Amen.