Das Bedürfnis, etwas aufzuschreiben, ist nicht verschwunden. Manches muss aus dem Kopf heraus. Manches wird klarer, wenn es auf Papier steht. Sorgen, Dank, Hoffnungen, Bitten, Namen, Fragen. Was einen wirklich beschäftigt, braucht manchmal mehr als einen Gedanken zwischen Tür und Angel. Darum geht es bei „Mein Brief an Gott“.
Die Idee ist ganz einfach: Wer möchte, schreibt einen persönlichen Brief an Gott. Nicht, weil Gott sonst nicht hören würde. Gott hört immer. Im Gebet, im Schweigen, im Seufzen, auch dort, wo einem die Worte fehlen.
Aber ein Brief kann helfen. Weil Schreiben verlangsamt. Weil man genauer hinschaut. Weil man sich selbst beim Schreiben oft erst versteht. Und weil Stift und Papier manchmal ehrlicher sind als der schnelle Satz im Vorübergehen.
Ein Brief an Gott muss nicht schön sein. Er muss nicht besonders fromm klingen. Er muss auch nicht lang sein. Man kann Gott schreiben, was gerade da ist: eine Sorge, einen Dank, eine Bitte, einen Namen, eine Entscheidung, eine Wunde, eine Hoffnung. Auch das, was man kaum auszusprechen wagt.
„Mein Brief an Gott“ knüpft an etwas sehr Altes an. Menschen haben ihre Anliegen immer schon vor Gott gebracht: in Gebeten, in Fürbitten, in Gebetsbüchern, durch Kerzen, bei Wallfahrten, an stillen Orten in Kirchen. Neu ist daran nicht der Gedanke, Gott etwas anzuvertrauen. Neu ist eher die Form: der Brief. Eine einfache, greifbare Form für Menschen von heute.
Und vielleicht passt das gerade jetzt. Wir schreiben ständig Mails, Nachrichten, kurze Antworten. Warum also nicht einmal einen Brief an Gott? Nicht an den Chef. Nicht an eine Behörde. Nicht an jemanden, der sofort reagieren muss. Sondern an Gott selbst.
Auch die Bibel kennt dieses Bild. Der Apostel Paulus schreibt an die Gemeinde in Korinth: „Unser Brief seid ihr.“ Christen sind für ihn so etwas wie ein Brief Christi – nicht mit Tinte geschrieben, sondern mit dem Geist Gottes in die Herzen. Das ist ein schönes starkes Bild: Gott schreibt nicht nur auf Papier. Gott schreibt auch in Menschenleben.
Wer möchte, nimmt sich Zeit und schreibt einen Brief an Gott. Zu Hause, in der Kirche, allein, vielleicht auch mit Kindern oder in einer Gruppe. Es gibt keine Vorlage, die man richtig ausfüllen müsste. Es geht um das, was einen bewegt.
In teilnehmenden Kirchen steht eine eigene Box für „Mein Brief an Gott“. Dort kann der Brief eingeworfen werden.
Die Briefe bleiben vertraulich. Sie werden nicht vorgelesen. Niemand muss erklären, was er geschrieben hat. In einer Eucharistiefeier können die gesammelten Anliegen im Gebet mitgetragen werden. Etwa indem die Box vor den Altar gestellt wird oder in den Fürbitten allgemein für alle gebetet wird, die Gott ihre Sorgen, Bitten und Hoffnungen anvertraut haben. So wird sichtbar: Die Kirche trägt mit. Nicht neugierig. Nicht öffentlich. Sondern betend.
Die Anliegen werden gesammelt und anonym an ein kontemplatives Kloster weitergegeben. Dort werden sie im stillen Gebet weitergetragen. Das ist vielleicht einer der schönsten Gedanken an der ganzen Sache: Jemand schreibt einen Brief. Eine Gemeinde nimmt das Anliegen mit ins Gebet. Und Schwestern oder Brüder in einem Kloster beten weiter dafür, ohne die Menschen zu kennen, die geschrieben haben.
So entsteht ein kleines geistliches Netzwerk: Menschen, die schreiben. Gemeinden, die mittragen. Klöster, die im Verborgenen beten.
„Mein Brief an Gott“ ist für alle gedacht. Für Menschen, die oft beten. Für Menschen, die lange nicht gebetet haben. Für Erwachsene, Jugendliche, Familien und Kinder. Für Menschen, die Gott danken wollen. Für Menschen, die etwas nicht mehr allein tragen möchten. Für Menschen, die keine großen Worte finden. Vielleicht ist gerade das Gute daran: Man muss nichts leisten. Man muss nichts beweisen. Man muss nicht wissen, wie „richtiges Beten“ geht. Man kann einfach schreiben.
Wer einen Brief auf Papier schreiben möchte, findet in teilnehmenden Kirchen die entsprechenden Faltblätter und die Box zum Einwerfen. Wer sein Anliegen lieber online anvertrauen möchte, kann es über ein Formular tun oder per E-Mail senden an: anliegen@edw.or.at Auch diese Anliegen werden ins Gebet mitgenommen und an ein kontemplatives Kloster weitergegeben.
Pfarren und Kirchgemeinden, die „Mein Brief an Gott“ anbieten möchten, erhalten die Materialien über die Materialstelle der Erzdiözese Wien: Faltblätter und Boxen zum Aufstellen in der Kirche. Die Materialien sind kostenlos. Wenn sie nicht persönlich abgeholt werden, ist nur das Porto zu übernehmen.
Ein Brief an Gott ist nicht notwendig. Aber er kann gut tun.
Weil manches ausgesprochen werden muss. Weil manches aufgeschrieben werden will. Und weil es gut ist, zu wissen: Was ich Gott anvertraue, geht nicht verloren.
Dieser Brief kommt an.