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Die Choleraprozession in Waidendorf
Josef Antoci / Die Choleraprozession in Waidendorf
26.06.2026

Die Choleraprozession in Waidendorf: Ein Gelöbnis, das Generationen verbindet

Wenn in Waidendorf die Choleraprozession stattfindet, wird Geschichte lebendig: Ein jahrhundertealtes Gelöbnis erinnert an eine Zeit großer Not – und zeigt bis heute, wie Glaube, Dankbarkeit und Gemeinschaft einen Ort prägen können.

Die Cholera-Prozession in Waidendorf ist ein altes religiöses Gelöbnis, das auf eine Cholera-Epidemie im Jahr 1849 zurückgeht. Damals starben innerhalb weniger Wochen 40 Menschen im Ort.

 

Die Pfarrgemeinde hielt am 20. Juni 1849 eine Segenmesse und eine Betstunde zur Beendigung der Seuche ab und beschloss, diesen Tag jedes Jahr zu begehen.

 

Aus diesem Gelöbnis entstand die jährliche Prozession zur Cholerakapelle. Nach der Heiligen Messe ziehen die Gläubigen betend zur Kapelle, wo für die Lebenden und Verstorbenen sowie um Schutz, Gesundheit und eine gute Ernte gebetet wird. Die Prozession wird bis heute als Ausdruck des Dankes und der Erinnerung an die überstandene Cholera-Zeit gepflegt.

 

Erinnerung an eine Zeit großer Not

Im 19. Jahrhundert zählte die Cholera zu den gefürchtetsten Krankheiten Europas. Mehrere Epidemiewellen forderten hunderttausende Menschenleben. Die medizinischen Möglichkeiten waren begrenzt, und vielerorts lebten die Menschen in Angst vor Ansteckung und Tod. Auch in Niederösterreich verfolgte man die Ausbreitung der Krankheit mit großer Sorge.

 

In dieser schwierigen Zeit vertrauten die Menschen nicht nur auf menschliche Hilfe, sondern suchten auch Trost und Schutz im Glauben. Die Bewohner von Waidendorf legten ein Gelöbnis ab: Sollte ihr Ort vor der Cholera bewahrt bleiben, würden sie jedes Jahr eine feierliche Prozession zu Ehren Gottes veranstalten. Als die Gemeinde tatsächlich von einer verheerenden Epidemie verschont blieb, wurde dieses Versprechen eingelöst – und bis heute nicht vergessen.

 

Eine Tradition mit tiefer Bedeutung

Seit Generationen zieht die Prozession durch die Straßen und Fluren des Ortes. Sie erinnert an die Dankbarkeit der Vorfahren und an deren festen Glauben in Zeiten großer Unsicherheit. Gleichzeitig ist sie ein sichtbares Zeichen dafür, wie stark eine Gemeinschaft sein kann, wenn sie zusammensteht.

 

Die Choleraprozession vereint Menschen unterschiedlicher Generationen. Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren gehen gemeinsam den Weg ihrer Vorfahren. Begleitet von Gebeten, kirchlichen Liedern und den Fahnen der Vereine wird die Geschichte des Ortes Jahr für Jahr neu erzählt.

 

Gemeinschaft im Mittelpunkt

Die Feier wird von vielen engagierten Menschen getragen. Die Pfarre, die örtlichen Vereine, die Freiwillige Feuerwehr, die Ministranten sowie zahlreiche Helferinnen und Helfer tragen dazu bei, dass die Tradition lebendig bleibt. Ihr Einsatz zeigt, dass die Choleraprozession nicht nur ein religiöses Ereignis, sondern auch ein wichtiges Gemeinschaftsfest ist.

Besonders in einer Zeit, in der viele Menschen nach Orientierung und Zusammenhalt suchen, gewinnt die Botschaft der Prozession neue Aktualität. Sie erinnert daran, wie wichtig gegenseitige Unterstützung, Dankbarkeit und das Bewusstsein für die eigenen Wurzeln sind.

 

Ein wertvolles Erbe für die Zukunft

CholerakapelleDie Choleraprozession von Waidendorf ist weit mehr als eine historische Erinnerung. Sie ist ein lebendiges Kulturgut, das die Vergangenheit mit der Gegenwart verbindet. Durch die Pflege dieser Tradition bewahrt die Gemeinde nicht nur ihre Geschichte, sondern gibt auch kommenden Generationen ein wichtiges Zeichen mit auf den Weg: Gemeinsamkeit, Glaube und Hoffnung können Menschen selbst durch schwierige Zeiten tragen.

 

So bleibt die jährliche Prozession ein besonderer Tag im Leben des Ortes – ein Tag des Gedenkens, des Dankes und der Gemeinschaft. Waidendorf zeigt damit eindrucksvoll, wie ein Versprechen aus längst vergangenen Zeiten auch heute noch Menschen zusammenführen und inspirieren kann.

 

Quelle: Pfarrer Josef Antoci