Seit zehn Jahren gibt es mit dem Institut Österreichischer Orden (IÖO) eine Einrichtung, die sich bemüht, die Zukunft von Ordenswerken nachhaltig abzusichern, wenn die Orden aus eigener Kraft dazu nicht mehr in der Lage sind. Am vergangenen Freitag wurde das Jubiläum mit einem Dankesfest im Wiener Schottenstift begangen. Am Rande der Feier erläuterten IÖO-Vorstandsvorsitzender Rudolf Luftensteiner und Geschäftsführer Anton Süss im Interview mit Kathpress die Arbeitsweise des Instituts, das zumindest europaweit, wenn nicht gar weltweit, einzigartig sein dürfte.
Das Institut Österreichischer Orden ist eine Stiftung kirchlichen Rechts. Ordensvermögen - darunter Liegenschaften, Unternehmensanteile, Finanzanlagen und Kulturgüter - wird an das IÖO übertragen, das die Aufgabe hat, dieses Vermögen nachhaltig zu verwalten und weiterzuentwickeln. Damit kann das Vermögen auch weiterhin der Sendung der Orden langfristig dienen. Das ist etwa im Fall von bisher von Orden geführten Schulen oder sozialen Einrichtungen der Fall. Die Aufgabe des IÖO beinhaltet mitunter aber auch, zugleich mit der Übernahm der Werke die Versorgung der alternden Ordensgemeinschaften sicherzustellen.
Bis zur Gründung des IÖO habe es so mancher Überzeugungsarbeit bedurft, in Österreich wie auch im Vatikan, so Luftensteiner. Inzwischen habe sich das Institut zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt, freilich seien den Möglichkeiten auch Grenzen gesetzt, räumten Luftensteiner und Süss ein.
Die Ordensgemeinschaften würden sich mit ihren Wünschen bzw. Überlegungen an das Institut wenden, erläuterte Süss die Vorgangs- bzw. Arbeitsweise. Vonseiten des Instituts werde dann geprüft, ob man diesen Vorstellungen auch tatsächlich entsprechen kann. Jeder Prozess sei individuell und einzigartig und es brauche eine wertschätzende Kommunikation, um gemeinsame Lösungen zu finden.
Ein positives Beispiel sind die Karmelitinnen in Gmunden. Die Schwestern konnten ihr Kloster aus Altersgründen nicht mehr länger bewohnen und führen. Die Ordensfrauen überließen die Liegenschaft dem Institut, woraufhin ein Transformationsprozess gestartet wurde, der das Kloster als Ort der Begegnung erhalten bzw. weiterentwickeln soll. "Dass das Kloster nicht Teil eines Hotelprojekts wird, war für uns von Anfang an klar", so Luftensteiner. Die Karmelitinnen verabschiedeten sich im März 2023 aus dem Kloster und übersiedelten ins Mutterhaus der Marienschwestern vom Karmel nach Bad Mühllacken. Das IÖO übernahm freilich nicht nur die Klosterimmobilie, sondern zugleich auch die Verantwortung für die (finanzielle) Versorgung der Schwestern.
Nicht immer könne das Institut den Wünschen von Orden auch nachkommen. Im Falle des oberösterreichischen Stifts Engelszell sei dies etwa nicht möglich gewesen, so Süss. Zu weit seien die Vorstellungen des Trappistenordens und die Möglichkeiten des Instituts auseinandergelegen. Aber auch in solchen Fällen begleite man dann die Orden nach Möglichkeit auf der Suche nach anderen Lösungen. Und dies sei in Engelszell in Kooperation mit der Diözese Linz gelungen.
Wie Süss sagte, sei das IÖO nicht auf Gewinnmaximierung ausgerichtet, "aber wir müssen natürlich mit den Liegenschaften Erträge erwirtschaften". Zuschüsse von externer Seite gebe es nicht. Bei den Finanzveranlagungen halte man sich beim IÖO zu 100 Prozent an die Vorgaben der Österreichischen Bischofskonferenz. Die ethischen Richtlinien der Bischofskonferenz für die Geldanlagen der katholischen Kirche (FinAnKo/Finanzanlagen als Kooperation) wurden zuletzt 2024 in einer überarbeiteten Fassung verabschiedet.
In den vergangen zehn Jahren hat das IÖO zahlreiche Werke bzw. Liegenschaften übernommen. Man sei bis auf Kärnten in ganz Österreich präsent, so Luftensteiner: "Wir sind keine Keiler, wir sehen unseren Dienst als ein Angebot an die Orden. Das hat auch sehr viel mit Vertrauen zu tun. Wir wollen helfen, beraten, unterstützen." Oft würden sich im Gespräch gemeinsame Wege finden, "die man gehen kann". Für die Ordensgemeinschaften sei dieser Prozess verständlicherweise höchst emotional. Das Schließen eines Werkes oder gar einer ganzen Gemeinschaft sei ein zutiefst schmerzvoller Prozess. Manche Orden würden sich auch in Etappen an das Institut wenden, berichtete Luftensteiner.
Für die Zukunft würde sich der Vorstandsvorsitzende wünschen, dass noch mehr Ordensgemeinschaften erkennen würden, "dass das vorhandene Vermögen genutzt werden kann, um den Ordenswerken Zukunft zu verschaffen, auch wenn sich der Orden in einer schwierigen Situation befindet". Letztlich sei das IÖO eine Institution, "um die uns andere Ordenskonferenzen in Europa beneiden und die vom Dikasterium im Vatikan regelmäßig lobend erwähnt wird".
Zum Dankesfest in der Romanischen Kapelle des Wiener Schottenstifts konnten Luftensteiner und Süss zahlreiche Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter sowie Pionierinnen und Pioniere der ersten Stunde begrüßen, die maßgeblich an der Gründung des Instituts beteiligt waren, sowie aktuelle Vorstands- und Kuratoriumsmitglieder des IÖO.
In seinen Dankesworten erinnerte Luftensteiner besonders an jene Verantwortlichen der österreichischen Ordensgemeinschaften, die den Mut hatten, neue Wege zu gehen. Für den Vorstandsvorsitzenden zeigt die Geschichte des Instituts exemplarisch eine besondere Stärke der Ordensgemeinschaften, die gerade in Zeiten des Umbruchs sichtbar werde: "Orden haben gelernt loszulassen - dieses Loslassen jedoch so zu gestalten, dass daraus kein Fallenlassen wird."
"Was wir heute tun dürfen, baut auf dem auf, was andere vor uns mit großem Glauben, Mut und Weitblick geschaffen haben", sagte auch Geschäftsführer Süss in seinen Begrüßungsworten.
Erzabt em. Korbinian Birnbacher stand einem Dankgottesdienst vor und würdigte in seiner Predigt den Mut und den Weitblick der Gründer. Er erinnerte sich an einen Termin in Rom, bei dem er viel Anerkennung für die Arbeit des Instituts erfahren habe. Zugleich ermutigte er dazu, sich angesichts der Herausforderungen der Gegenwart nicht entmutigen zu lassen, sondern den Blick zuversichtlich nach vorne zu richten. "Was andere geschaffen haben, dürfen wir in die Zukunft führen", gab er den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Instituts sowie den Ordensgemeinschaften, die vor Veränderungen und Umbrüchen stehen, mit auf den Weg.
Birnbachers Appell: "Lasst uns Mutmacherinnen und Mutmacher sein - für das Gemeinsame und für jene, die Mut brauchen und von ihm profitieren dürfen."
Quelle: kathpress