Maximilian Heim wird am 14. September nach mehr als 15 Jahren als Abt des Zisterzienserstifts Heiligenkreuz zurücktreten. Der 65-Jährige hatte angekündigt, die Leitung des Klosters „in jüngere Hände“ legen zu wollen. Als wesentlichen Grund nannte er eine Herzerkrankung im vergangenen Jahr. Nach seinem Rücktritt will Heim weiterhin als Seelsorger und Theologe im Stift tätig sein.
Das deutsche Portal katholisch.de berichtet, der bevorstehende Leitungswechsel könne auch im Zusammenhang mit der Apostolischen Visitation stehen, die im vergangenen Jahr in Heiligenkreuz stattfand. Das Stift bestätigt diesen Zusammenhang nicht. Nach Angaben von katholisch.de aus nicht namentlich genannten Kreisen der Abtei waren gesundheitliche Gründe für Heims Entscheidung ausschlaggebend. Der Autor des Berichts hält es zugleich für möglich, dass die Entwicklungen im Zusammenhang mit der Visitation den Übergang zusätzlich beeinflusst haben könnten. Diese Einschätzung wird im Bericht nicht durch eine offizielle Stellungnahme des Stifts belegt.
Das vatikanische Ordensdikasterium hatte die Visitation im Juni 2025 angeordnet. Mit ihrer Durchführung wurden der Benediktiner-Abtprimas Jeremias Schröder und die damalige Generalsekretärin der Österreichischen Ordenskonferenz, Christine Rod, beauftragt. Nach Angaben des Stifts sollten sie unter anderem den Leitungsstil, den Umgang mit Kritik und Konflikten sowie die Aufnahme und Ausbildung von Kandidaten prüfen.
Nach Abschluss der Visitation wurden im Juni mehrere Arbeitsfelder genannt. Dazu zählen die interne und externe Kommunikation, strategische Prioritäten, die Klärung von Identität und Selbstverständnis des Stifts sowie Fragen der theologischen und spirituellen Ausrichtung. Auch die Heranführung junger Menschen an das Ordensleben wurde als Thema genannt.
Katholisch.de berichtet außerdem von Kritik aus Teilen der österreichischen Ordenslandschaft. Diese betreffe insbesondere die Aufnahme und Begleitung des gewachsenen Nachwuchses sowie interne Kommunikations- und Leitungsstrukturen. Das Stift hat den Vorwurf zurückgewiesen, Kandidaten nicht ausreichend sorgfältig aufzunehmen.
Der Wiener Kirchenhistoriker Rupert Klieber erklärte nach Bekanntwerden der Ergebnisse, die zunächst positiv formulierten Aussagen ließen aus seiner Sicht auch Kritikpunkte erkennen. Diese Einordnung ist eine Bewertung Kliebers und keine offizielle Zusammenfassung des Visitationsberichts. Nach Darstellung von katholisch.de herrscht zudem bei einigen Mitgliedern des Konvents Unzufriedenheit über die Information zum Ablauf und zu den Ergebnissen der Visitation. Das Portal beruft sich dabei auf nicht namentlich genannte Quellen aus dem Umfeld des Stifts.
Nach Angaben des Stifts soll Mitte September zunächst kein neuer Abt gewählt werden. Stattdessen will der Konvent nach Rücksprache mit dem vatikanischen Ordensdikasterium einen Administrator für drei Jahre bestimmen. Das Stift begründet diesen Schritt damit, dass mehr als ein Drittel der mehr als 80 wahlberechtigten Mönche bislang noch an keiner Abtwahl teilgenommen habe.
Für Heiligenkreuz beginnt damit eine Übergangsphase. Nach Angaben des Stifts leben dort mehr als 100 Mönche. Das Kloster zählt damit zu den größeren Zisterziensergemeinschaften weltweit. Welche konkreten Maßnahmen aus der Visitation umgesetzt werden und welche Auswirkungen der Administrator auf die weitere Entwicklung des Stifts haben wird, ist derzeit nicht bekannt.