Saturday 2. July 2022

KRANKHEIT, STERBEN UND TOD IM ISLAM

Die Fortbildung "Krankheit, Sterben und Tod im Islam" hat in Präsenz mit Frau Arzu Prethaler (Dolmetscherin in der Donauklinik) am Stephansplatz  am Donnerstag, den 10.März von 16:00-18:00 Uhr stattgefunden. 

Rückmeldungen der Teilnehmenden:

 

  • "Bevor Fr. Prethaler auf das eigentliche Thema einging, gab sie uns kurze und bündige Informationen zum Islam: zur Verbreitung, zu den verschiedenen Büchern und zu den 5 Grundsäulen. Danach beschrieb sie uns das Menschenbild: so wie der Mensch von Gott geschaffen wurde, ist er perfekt und es ist eine Gotteslästerung sich über behinderte oder minderintelligente Menschen lustig zu machen. Jeder Mensch ist beseelt und mit Würde bedacht. Unser Körper ist von Gott geliehen und wir sind aufgefordert ihn gut zu behandeln. Krankheit versteht sich als Leiden, das passiert. Sie ist u.a. eine Schule der Geduld, eine Schule der Gottesbeziehung, denn wer krank ist, denkt mehr an Gott. Auch als Geschenk, weil gleichzeitig eine Reinigung passiert. Kranke Menschen zu besuchen und zu pflegen ist ein hoher Verdienst, denn wer ins Paradies kommen will, muss im irdischen Leben viel gute Taten (auch Absichten) vollbringen. Der Tod ist das Tor zum Jenseits, er entbindet den Menschen von den Pflichten dieses Lebens. Am Tag der Auferstehung erfolgt dann die Auflistung der Taten und es entscheidet sich, ob der verstorbene Mensch direkt über eine Brücke ins Paradies kommt oder ob er vorher eine Läuterung in der Feuersbrunst (Fegefeuer) braucht.

    Dienst am Sterbenden ist eine kollektive Pflicht, d.h. jeder Muslim wird einem Sterbenden beistehen, auch wenn die Person Nichtmuslim ist. Besonders erwähnenswert ist das Halal (türkisch Helal) Wort. Diese Worte sollen, wenn möglich, eine Woche vor dem Tod ausgesprochen werden. Es sind klärende und reinigende Worte. Bereinigt von Schuld, zu verstehen als Versöhnungsgeste.Fr. Prethaler ging dann noch auf die Begräbnisfeier ein, auch wie ein Toter zu bestatten ist: vom Sarg entnommen wird die verstorbene Person in ein Totentuch gehüllt und mit der rechten Seite in das nach Mekka ausgerichtete Grab gelegt. In Österreich sind nur Sargbeerdigungen erlaubt. Auch eine Urnenbestattung ist vom Glauben her nicht erlaubt, da die verstorbene Person mit „Leib und Seele“ vor dem Jüngsten Gericht erscheinen muss. Fr. Prethaler hat ihre Ausführungen immer wieder durch Beispiele aus dem Krankenhausalltag illustriert, wodurch der dichte Vortrag gut aufgelockert wurde und eine Praxisbezogenheit gegeben war."

 

  • "In unserer seelsorgerischen Tätigkeit begegnen uns immer wieder auch Menschen islamischen Glaubens. Gerade in Zeiten in denen die Besuchsmöglichkeiten eingeschränkt sind, ist es wichtig, auch diesen eine gewisse Stütze in einer für sie schwierigen Lebenssituation bieten zu können. Dafür ist es essenziell ihren Glauben, ihre Wertvorstellungen und was sie im Leben trägt zu erahnen. Frau Arzu Prethaler hat uns in sehr einfühlsamer Weise in die wesentlichen Lebensbereiche des Islams eingeführt und Verständnis für ihren Glauben, ihre Anschauungen und ihre Bedürfnisse geweckt. Vielen Dank für den sehr interessanten und lehrreichen Vortrag!! Er wird uns ein gutes Stück Hilfe sein in der positiven Begegnung mit Muslimen im Krankenhaus oder Pflegeheim."

 

  • "Gerade in der Krankenhausseelsorge begegnen einem immer wieder Menschen muslimischen Glaubens. Für mich als katholische Seelsorgerin ist das kein Grund, an ihnen einfach nur vorüberzugehen. Genauso wie mit christlichen oder auch mit nicht gläubigen PatientInnen, ergeben sich auch mit Muslim_innen oft interessante Gespräche, bei denen die Themen "Krankheit, Sterben und Tod" angesprochen werden.

    Ich hatte das Glück, dass in meinem Seelsorge-Ausbildungskurs auch eine muslimische Gasthörerin war, von der wir alle sehr profitierten. Das Wichtigste war meiner Ansicht nach, dass sie uns die Unsicherheit bzw. Berührungsängste genommen hat, mit muslimischen Patient_innen überhaupt ins Gespräch zu kommen.

    Ich habe mich zu der Fortbildung "Krankheit, Sterben und Tod im Islam" angemeldet, da ich einerseits mein Wissen über diese Aspekte vertiefen und andererseits erfahren wollte, was und ob wir katholische Seelsorger_innen einer muslimischen Patientin bzw. einem muslimischen Patienten im Anlassfall "Gutes" tun können ohne dabei zielsicher ins nächste Fettnäpfchen zu treten. Wie alle Patient_innen sind schließlich auch muslimische Patient_innen in erster Linie eines: kranke Menschen im Krankenhaus.

    Durch dieses Seminar habe ich einiges Neues erfahren, z.B. über die Verabschiedungsrituale. Interessant fand ich dabei, dass es durchaus einzelne Parallelen zum Judentum und zum Christentum gibt. Das Gehörte wird mir künftig in meiner Seelsorge-Praxis im Umgang mit muslimischen Patient_innen sicher sehr nützlich sein.

    Vielen Dank an Frau Arzu Prethaler für den interessanten Vortrag!"

 

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Seelsorge in Krankenhäusern und Pflegeheimen in Wien
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