Dienstag 23. Januar 2018
Erneuerungsbewegungen

Bedeutung der Bewegungen für die Kirche

Zusammen mit dem Papst feierte 2017 die „Charismatische Erneuerung“ zu Pfingsten ihr 50-jähriges Bestehen am Petersplatz. Papst Franziskus stellte die Frage, was vor 50 Jahren begonnen hat: „Eine Institution? Nein. Eine Organisation? Nein. Ein Strom der Gnade des Heiligen Geistes!“ Denn es gibt weder einen Gründer noch Statuten noch Leitungsorgane, jedoch vielfältige Ausdrucksformen, die zwar menschliche Werke sind, aber vom Geist inspiriert, mit unterschiedlichen Begabungen und Charismen und alle im Herzen der Kirche. Die Charismatische Erneuerung zählt, wie etwa auch die Fokolarbewegung, Schönstattbewegung, Emmanuel, Sant‘ Egidio oder Cursillo, zu den bekanntesten „neuen geistlichen Gemeinschaften“.  Sehr viele von ihnen gehen im Unterschied zur Charismatischen Erneuerung auf inspirierende Gründerpersönlichkeiten zurück, wie Chiara Lubich (Fokolare), P. Kentenich (Schönstatt) oder Andrea Riccardi (Sant‘Egidio). Eine Bewegung, die in Österreich beständig wächst, ist die Loretto-Gemeinschaft (gegründet 1987 von Georg Mayr-Melnhof in Wien).

 

Wie das 50-Jahr-Jubiläum zeigt, sind die „Erneuerungsbewegungen“ gar nicht mehr so neu und haben auch schon so manche Anfangsschwierigkeiten und Einseitigkeiten hinter sich gelassen. Viele sind schon gut in den Diözesen integriert. Mitglieder von Bewegungen arbeiten an Diözesanstellen, sind Pfarrer oder werden zu Bischöfen geweiht (wie in Innsbruck Hermann Glettler, der der Gemeinschaft Emmanuel angehört). Trotzdem gibt es immer noch da und dort ein gespanntes Verhältnis zwischen Pfarren und Bewegungen.

 

Die Bewegungen stehen in der Reihe vieler anderer Neuaufbrüche in der Kirchengeschichte. Denn die Kirche musste sich von Beginn an ständig erneuern, da sie das Evangelium zu den Menschen zu bringen hat – in immer neue Verhältnisse und Situationen. So gab es auch im 20. Jahrhundert einen neuen Aufbruch, verbunden mit einer spezifischen Laienspiritualität und mit einer besonderen Aufmerksamkeit auf das Wirken des Heiligen Geistes: die Erneuerungsbewegungen. Zu ihnen können zwar auch Priester und Ordensleute gehören, aber sie sind geprägt von Laien und ihren Erfahrungen in Beruf und Familie.

 

Diese Impulse wurden durch das Zweite Vatikanische Konzil noch verstärkt: durch seine Rede vom gemeinsamen Priestertum aller Getauften, durch seine Wertschätzung der Charismen zur Erneuerung und zum Aufbau der Kirche, durch seine Betonung des Hl. Geistes als Lebens- und Einheitsprinzip der Kirche.

 

Was wirkt in den Bewegungen für viele Menschen anziehend? Da ist zunächst einmal das Erleben von Gemeinschaft. Da es in unserer Gesellschaft nicht mehr „normal“ ist, entschieden als Christ/in zu leben, fühlen sich viele Gläubige (vor allem Jugendliche) vereinzelt und sind auf der Suche nach Menschen, denen es ernst ist mit Gott und mit denen sie sich gemeinsam auf geistliche Spurensuche machen können. Bewegungen bieten oft eine große Bandbreite an Intensität und Verbindlichkeit. Im „Kern“ gibt es meist die Möglichkeit zu ganz intensiven Formen des Gebets und des Apostolats. Offene „Ränder“ sollen Menschen, die interessiert sind und eine vielleicht noch unklare geistliche Sehnsucht spüren, die Möglichkeit geben, sich vorsichtig anzunähern und unverbindlich das eine oder andere auszuprobieren.

 

Dazu kommt eine authentische spirituelle Atmosphäre. Wenn Menschen leben, was sie glauben, begeistert davon Zeugnis geben können und so feiern, dass man spürt, hier strecken Menschen sich nach Gott aus und werden von ihm berührt – das wirkt ansteckend.

 

Die meisten Bewegungen sind ganz explizit missionarisch und wollen aktiv das Evangelium zu den Menschen bringen. Diese missionarische Dimension rückt erst langsam ins Bewusstsein der Großkirche. Hier können die Erfahrungen der Bewegungen befruchtend sein. Das gilt auch für die verschiedenen Weisen, die sich in Bewegungen entwickelt haben, aus der persönlichen Beziehung zu Christus heraus zu leben. Diese könnten Inspiration sein. Nicht zuletzt ist die internationale Vernetzung vieler Bewegungen, die weltweit aktiv sind, für Menschen in einer globalisierten Welt attraktiv.

 

Dr. Beate Mayerhofer-Schöpf

Leiterin des Referats für Spiritualität, Erzdiözese Wien

 

(veröffentlicht: in der slowenischen Kirchenzeitung Nedelja, Diözese Gurk-Klagenfurt, Okt. 2017, in slowenischer Übersetzung)

 

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