Saturday 4. April 2020
Beispiele aus dem Leben

Über Stolpersteine zum Familientreffen

von Doris & Tibor

 

                               Doris: Als Tibor mir begeistert erzählte, dass seine Familie ein großes Treffen im Schwarzwald plant, wurde mir etwas mulmig. Nicht, dass ich seine Verwandten nicht mögen würde, eigentlich habe ich sie wirklich ins Herz geschlossen. Und das, obwohl wir uns wegen der weiten Entfernung zwischen unseren Heimatorten Wien und Deutschland selten sehen. Tibors Verwandtschaft erscheint mir riesengroß, vermutlich würden 30 Personen anreisen. Die Familie wollte ein kleines Haus mit Mehrbettzimmern und zwei Doppelzimmern für vier Tage mitten im Wald mieten. Es war klar, dass er teilnehmen wollte. Ich äußerte Bedenken wegen der langen Zugfahrt. Mein mangelnder Enthusiasmus störte Tibor und schließlich war sein Entschluss gefasst, mit oder ohne mich zu fahren.

 

Tibor: In meiner Kindheit gab es regelmäßig große Familientreffen. Diese waren immer ein Highlight. Ich sehe in meinen Onkels große Vorbilder und diese Treffen bereicherten mein Leben. Als jetzt meine Cousine nach fast 20 Jahren wieder solch ein Treffen organisierte, kamen in mir die Gefühle von damals hoch. Als ich Doris von dem Treffen erzählte, war ich enttäuscht, dass sie nicht nur meine Vorfreude nicht teilte, sondern durch ihre ablehnende Haltung meine Freude trübte. Mir war das Treffen wichtig und ich gab Doris zu verstehen, dass ich auch alleine fahren würde.

 


Meine Gefühle bewusst wahrnehmen

 

Doris: Es hat etwas gedauert bis ich genau sagen konnte, warum dieses Treffen mich unruhig machte. Ich glaube meist, ich kenne meine Gefühle. Dann aber merke ich, dass ich zwar z.B. Unruhe wahrnehme, aber die dahinterstehenden Gefühle wie Sorge und Angst erst bewusst beobachten muss.

 

Diesmal erschreckte mich die Vorstellung vier Tage durchgehend mit so vielen Menschen zusammen zu sein. Ich hatte Angst überfordert zu sein und keinen Ort zum Zurückziehen zu finden. Durch meinen leichten Schlaf brauche ich etwas bis ich mich an eine neue Schlafumgebung gewöhnt habe. Ungewohnte Zimmergenossen führten schon oft zu Schlaflosigkeit und energielosen, schlechtgelaunten Tagen. Ich hatte Sorge davor, von Tibors Familie als nicht ansprechbar und unausgeglichen wahrgenommen zu werden.

Die Unstimmigkeit belastete unsere Beziehung. Ich begann Tibor einen Brief über meine Gefühle zu schreiben, wobei auch mir meine Hauptsorgen bewusster wurden.

 


Der ehrliche Austausch half uns, einander besser zu verstehen

 

Tibor: Als ich den Brief las konnte ich mich gut auf ihre Worte einlassen und mir wurden ihre Sorgen und Ängste ganz klar. Ich konnte plötzlich ihr Verhalten viel besser einordnen und ihre Gefühle besser verstehen. Dadurch wurde mir deutlich, dass Doris nicht meine Freude auf die Feier trübte, sondern schlicht selbst Sorge vor vielen Dingen hatte. Im Gespräch konnte Doris mir deutlich sagen, dass sie ein Doppelzimmer für uns haben wollte. Mich stellte dieser Wunsch zunächst vor eine Herausforderung. Ich hatte Sorge, dass Doris und ich als egoistisch bei meinen Verwandten dastehen. Durch Doris' Erklärungen konnte ich nachvollziehen, dass ein Doppelzimmer eine Rückzugsmöglichkeit bietet – mir selbst wurde bewusst, dass meine Angst vor egoistischem Verhalten mich hinderte auf Doris einzugehen. Mit diesen Erkenntnissen, war die Lösung ganz einfach: Ich sprach mit meiner Cousine. Es stellte sich als unproblematisch heraus und für meine Verwandten war es nie ein Thema, dass Doris und ich egoistisch seien.

 

Doris und Tibor: Der ehrliche Austausch über unsere Sorgen und Ängste half uns, uns besser zu verstehen, zu akzeptieren und schaffte mehr Nähe zueinander. Außerdem verhalf er uns durch diese einfache Lösung, ein schönes und entspanntes Familientreffen zu erleben.

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