Sunday 14. July 2024
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Alpha-Trainingstag
Kleingruppen

Kleine Gruppe – große Wirkung: Kleingruppen im Pfarrverband Retz

In einem Werkstattbericht beschreibt Theresa Lechner aus dem Pfarrverband Retz über die Entwicklung der Kleingruppen im Pfarrverband.

Schwangerschaft und Geburt

Der Pfarrverband Retz bietet jede Fastenzeit sogenannte Exerzitien im Alltag an. 2021 – wir befinden uns noch mitten in der Coronapandemie – durfte ich fünf wöchentliche Vorträge vorbereiten  und drei Austauschgruppen begleiten, die sich mit Fragen und Aufgaben zu den Themen beschäftigten. Nach fünf Wochen feierten wir Ostern, aber die Sehnsucht war bei vielen Teilnehmenden geboren, sich weiterhin in den kleinen Gruppen zu treffen. Gemeinsam überlegten wir eine Vorgehensweise: Zwei online-Gruppen bildeten sich mit je einer Leitungsperson und das Baby „Kleingruppe“ war geboren.


Vom Baby zum Kind

Als Pastoralassistentin begann ich mich intensiv mit diesem Thema (Hauskirche, Hauskreise, Kleingruppe usw.) in der Literatur zu beschäftigen. Von Beginn an war klar, wir haben eine Sehnsucht der Menschen, sich in kleinen überschaubaren Gruppen zu treffen und es braucht dazu eine uns dienende Struktur. Es fühlte sich an wie ein Versuch mit ungewissem Ausgang. Aus heutiger Sicht vergleiche ich mein Tun mit dem einer Geburtshelferin. Viel Gebet und zahlreiche Gespräche mit den unterschiedlichsten Personen begleiteten diese erste Phase. Von Mai bis September 2021 trafen sich zwei Gruppen aus den Teilnehmenden der Exerzitien 14tägig, teilweise online, teilweise in Präsenz, wie es eben möglich war. Jede Gruppe sammelte für sich Themen, mit denen sie sich beschäftigen wollten (z. B. Gebet, Gottes Stimme im Alltag, Heiliger Geist, Beichte usw.). Im September 2021 legten wir alle Erfahrungen zusammen und beschlossen, diese Idee mit den Kleingruppen dem gesamten Pfarrverband an einem Infoabend vorzustellen.Die Resonanz war wirklich gut. Nach diesem Abend wurden drei Kleingruppen gebildet, die sich an unterschiedlichen Wochentagen jeweils mit einer Leitungsperson für die nächsten vier Monate in Abständen von 14 Tagen trafen, um gemeinsam zu beten und „ihre“ Lebens- bzw. Glaubensthemen zu teilen.

 

In der Zwischenzeit gab es schon erprobte Rahmenbedingungen:

  • Verbindliche Anmeldungen, die ganze Periode an den Treffen teilzunehmen.
  • Treffen gerne zu Hause, in den privaten Räumen, aber auch der Pfarrhof steht offen.
  • Dauer: max. 90 Minuten, Intervall: 14tägig, die Periode endet im Jänner 2022
  • Leitung ist verantwortlich für Organisation, Atmosphäre und Themenfindung
  • Die Treffen rahmt eine Gebetszeit, dazwischen können Themen frei gewählt werden
  • Eine WhatsApp-Gruppe erleichtert die Kommunikation

Im Jänner 2022 organisierte ich ein Treffen mit allen Leitungspersonen und wir reflektierten die Erfahrungen auf unterschiedlichen Ebenen:

  • Was wurde wahrgenommen an Entwicklung in sozialer, inhaltlicher, geistlicher und missionarischer Sicht?
  • Was brauchen die Leitungspersonen, um gut in diesem Dienst wachsen zu können?
  • Wie setzen wir die nächsten Schritte?

Eines war klar, es braucht eine Fortsetzung und kluge Überlegungen. Und der Zeitraum für die Treffen mit vier Monaten war einfach zu kurz. Wir erhöhten für die nächste Periode auf sechs Monate. Da die Fastenzeit vor der Türe stand und es für diesen Zeitraum wieder ein Angebot für wöchentliche Treffen gab, diesmal zum Thema Schöpfung, beschlossen wir, erst nach Ostern die Phase der neuen Gruppenbildung zu starten. Und das war gut so.

 

Begegnungsabend für alle Teilnehmende der Kleingruppen

Am 6. Mai 2022 luden wir alle Interessierten zu einem „Abend der Begegnung“ ein. Es wurde gemeinsam gegessen, gelacht und viel Informatives und Spannendes zu den Kleingruppen weitergegeben. Es bildeten sich vier Kleingruppen, die sich von Mai bis September 2022 – trotz Sommer und Urlaub – an vier verschiedenen Wochentagen in 14tägigen Abständen trafen.
Im Oktober 2022 luden wir wieder zu einem Begegnungsabend, weitere Personen kamen hinzu und die Gruppen wurden wieder neu gebildet: Geweihte Menschen, Ausgetretene und jede Altersschicht war vertreten. Keine Gruppe bestand länger als im Vorhinein ausgemacht. Dieser Grundsatz war von Anfang an klar. Damit wollten wir verhindern, dass sich Gruppen abkapseln. Vielmehr fand sich jeder einzelne am Beginn einer Kleingruppenphase stets in einer unbekannten Gruppenkonstellation wieder. Somit wurde es neuen Mitgliedern leichter gemacht, anzudocken, denn niemand musste das Gefühl haben, in eine bestehende Gruppe als „Neuling“ aufgenommen werden zu müssen. Im Glauben sind wir alle Schwestern und Brüder. Das ist das Verbindende. In der Entwicklung der Kleingruppenidee begann das Baby zu wachsen und lernte zu gehen.

 

 

Wir waren alle selbst überrascht, welche wertvollen Erfahrungen Menschen in diesen Gruppen machten: die kleinen Gemeinschaften entwickelten sich zu geistgeführten Orten, wo Menschen im Glauben Stärkung erfuhren und das gewachsene Vertrauen die Verbundenheit untereinander stärkte. Den Rahmen jedes Treffen bildet das Gebet: Die Gemeinschaft ist gegründet und ausgerichtet auf den Herrn. Die Themen sind sehr vielfältig und unterschiedlich: alles darf thematisiert werden, wenn es dem Leben und dem Glauben dient. Jede Frage darf gestellt werden und wenn es eine Gruppe braucht, dann stehe ich, eine andere Person oder Literatur mit Rat und Tat zur Seite. Oft geht es um Wissen, das erfragt wird, aber mehr und mehr geht es um Erfahrungen, die wir aus dem Glauben erleben. Diese in Worte zu bringen und sich gegenseitig mitzuteilen, das kann in diesen kleinen Gruppen auf natürliche Art und Weise wachsen.

 

Die Rolle der leitenden Person rückte in dieser Phase in den Vordergrund.

Daher übernahm ich als Pastoralassistentin nach dieser Etappe ab Jänner 2023 die Leitung des gesamten Projekts Kleingruppe, insbesondere die Schulung und Begleitung der leitenden Personen. Es entstand ein Thesenpapier, welches folgende Fragen beantwortete: Was braucht jemand, um gut eine Gruppe leiten zu können? Und: Welche Aufgabe hat eine Leitungsperson während eines Treffens? Da eine Kleingruppe aus der Verbindung zur größeren Gemeinschaft, der Pfarre bzw. dem Pfarrverband agiert, wurde auch dieser Aspekt betrachtet. In der Zwischenzeit gab es pfarrlich die Weiterführung einen Entwicklungsprozess, wo wir unserer Vision: „Wir sind füreinander da, wie Jesus uns gelehrt hat, und gehen geistgeführt hinaus zu allen Menschen, um sie in Liebe zu Christus zu führen.“ auf fünf Aufträge herunterbrachen. Mehr dazu auf unserer neuen Website, die ab Ostern 2024 ein neues Aussehen erhält, das sich an diesen Aufträgen orientiert.

 

Wachstum in die Tiefe und in die Breite

Von Mai bis Oktober 2023 formierten sich wieder vier Kleingruppen. Es kamen in dieser Periode auch einige junge Erwachsene und Jugendliche hinzu, die mit diesem Format ebenfalls Feuer gefangen haben. Oder weniger mit dem Format als mit den damit verbundenen Erfahrungen. Immer wieder tauchte während der Zeit der Kleingruppen auch der Wunsch nach einem Alpha-Kurs auf. Den hatten wir als Pfarrverband schon in früheren Jahren angeboten, doch irgendwann war der Bedarf gedeckt. Daher besuchten einige Jugendliche in Wien einen Alpha-Kurs und schlugen vor, die Kleingruppen mit einer Jüngerschaftsschulung zu verknüpfen. Im Oktober 2023 setzten wir diese Idee in die Tat um und aktuell laufen fünf Kleingruppen: drei als Jüngerschaftsschule (Angebot der Loretto-Gemeinschaft) und zwei im herkömmlichen Kleingruppenformat. In dieser Phase befinden wir uns derzeit (Jänner 2024) und ein zwischenzeitliches Treffen mit den Kleingruppenleitungspersonen vergangene Woche hat ans Licht geführt, welcher geistliche Gewinn in den Kleingruppen steckt, und welches Wachstum gedeihen kann: Menschen beginnen im Gebet zu wachsen. Sie werden mutiger, über ihre Glaubenserfahrungen zu sprechen. Sie unterstützen sich gegenseitig, auch außerhalb der Treffen.

 

Das Kind wächst

Das Gemeinschaftsnetz der Pfarre wird durch diese Gruppierungen feinmaschiger. Menschen lernen sich neu kennen, weil sie sich auch über geistliche Prozesse austauschen. Das, was wir ermöglichen, darf aber nicht dem Selbstzweck dienen. Jede Entwicklung der Gruppe und des einzelnen steht im Dienst an der Gemeinschaft der Kirche: der Pfarre, dem Pfarrverband und den größeren Einheiten. Daher sind wir angehalten, darauf achtzugeben, dass wir nicht müde werden, Leute einzuladen und die Begeisterung weiterhin nach außen zu tragen. Der Pfarrverband Retz hat ca. 4000 Personen und ist doch ländlich strukturiert. Ein natürliches Wachstum in der Quantität hat somit auch Grenzen, aber in der Qualität, da sehen wir keine Grenzen, ebenso nicht in der Vorbildfunktion. Gerade die Themen der Jüngerschaftsschule sind derzeit die große Bereicherung in diesem Prozess. Sie nehmen uns alle mit und lassen uns in die Schule Jesu gehen, wo wir unendlich viel lernen dürfen: nicht nur in der Vermehrung des Wissens, sondern und v. a. in der Bildung unserer Herzen. Beide Bereiche ergänzen sich und wollen genährt werden.

Mit den Kleingruppen erlebt der Pfarrverband eine große Bereicherung mit teilweise sichtbaren, aber auch verborgenen „Erfolgen“. Es kommt etwas in Bewegung. Gemeinsam entwickeln wir die Idee weiter. Wir sehen uns als Beschenkte und als Lernende. Wir glauben und haben erfahren dürfen, dass Gott mittendrin ist, wenn zwei oder drei sich in seinem Namen versammeln. Er wirkt und wir bleiben in dankbarer Haltung dran an dieser Entwicklung. Gleichzeitig wollen wir ermutigen, ebenfalls in dieser oder einer anderen Form Menschen einen Raum zu eröffnen, wo sie Stärkung und Ermutigung im Glauben erfahren können.

 

Gerne stehe ich für Fragen oder weitere Informationen zur Verfügung:
Theresa Lechner, Pfarrverband Retz, 0664/610 12 98, theresa.lechner@katholischekirche.at

Diözesaner Entwicklungsprozess APG2.1
Stephansplatz 6/1/5/501
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