Saturday 11. July 2020

Family Matters!

Familienbilder in der Kunst im Dom Museum Wien

Das 2017 neu eröffnete Dom Museum Wien versteht sich als Plattform zur Verhandlung existentieller und gesellschaftsrelevanter Themen, die schon immer im Zentrum des Christentums standen. Die laufende Ausstellung „Family Matters" (bis 30. August 2020) präsentiert Familie als Schauplatz einer Vielfalt von Emotionen, und zeigt, wie eng Familienbilder mit historischen und sozialen Entwicklungen verknüpft sind.

 

Familie kann alles sein: ein Ort der Liebe, der Geborgenheit und der Solidarität. Genauso ein Ort der Gewalt, der Machtausübung und des Missbrauchs. Die Ausstellung „Family Matters“ im Dom Museum Wien führt durch kontrastreiche Gegenüberstellungen von Werken des Mittelalters bis zur Gegenwart verschiedenste Familienmodelle vor Augen: Von der traditionellen Kernfamilie über Ein­Eltern­Familien, Patchworkfamilien, Regenbogenfamilien bis zu Sippenverbänden und „gewählten“ Familien.

 

„Angesichts der historischen Dimension und der ungebrochenen Aktualität des Themas erschien mir die Familienthematik wie geschaffen: Sie lässt niemanden kalt und ist sowohl aus künstlerischer und theologischer als auch aus gesellschaftspolitischer Perspektive in hohem Maße relevant“, so Museumsdirektorin Johanna Schwanberg.

 

Die Ausstellung fragt anhand von Gemälden, Fotografien, Skulpturen, Zeichnungen und Videos nach den offensichtlichen oder verborgenen Gefühlen in familiären Konstellationen. Hochkarätige nationale und internationale Leihgaben ergänzen die Werke aus den breit gefächerten Beständen des Dom Museum Wien - von den historischen Schätzen der Erzdiözese Wien zur Sammlung Otto Mauer Contemporary.

 

Rundgang durch die Ausstellung

Eine Fülle von Familienbildnissen vermittelt einen Eindruck von den unterschiedlichen Funktionen, die Familienbildnissen im Lauf der Geschichte zukamen. Als Auftakt zur Ausstellung werden Darstellungen der Heiligen Familie, dynastische und bürgerliche Familienporträts großformatigen Fotoarbeiten von Katharina Mayer gegenübergestellt, die die Vielfalt heutiger Familienkonstellationen aufzeigen.

 

Darstellungen inniger Zärtlichkeit zwischen Mutter bzw. Vater und Kind oder zwischen Geschwistern treffen in einem weiteren Ausstellungsbereich auf Arbeiten, die Konflikt und Gewalt thematisieren, wie Maria Lassnigs „Obsorge“ oder eine Zeichnung von Nina Kovacheva, die einen sein verängstigtes Kind anbrüllenden Vater darstellt.

 

Greifbar in der Ausstellung wird auch, dass Familienleben im privaten und öffentlichen Raum stattfindet. Die Widrigkeiten des Alltags kommen zur Sprache, vor allem wenn es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht. Der Schwerpunkt liegt hier neben der Präsentation von Biedermeierbildern, die den Familienalltag idealisieren, auf Werken zeitgenössischer Künstlerinnen, die sich mit genderspezifischen Asymmetrien der Geschlechterrollen befassen.

 

Der Rundgang schließt mit einem Bereich, in dem Künstlerinnen und Künstler auf traumhaft-surreale Weise ihre Kindheit verarbeiten, wie Neo Rauch den Tod seines tragisch verunglückten Vaters. Eine Fotoarbeit Veronikas Gęsickas ziert das Ausstellungsplakat. Die Köpfe der Kleinfamilie vor dem Eingang eines Einfamilienhauses sind in ihrer Kleidung verschwunden. Die versteckten Gesichter sind für alle möglichen Varianten von Familienmodellen offen: Die Arbeit steht für das Prinzip der Ausstellung, reflektiert sie doch, wie sich durch feine Verschiebungen neue Blicke auf tradierte Bilder und Vorstellungen ergeben.

 

Kunstvermittlung im Dom Museum Wien

Zur Ausstellung wurden Kunstvermittlungsprogramme für unterschiedliche Altersstufen entwickelt. Einer spielerischen Museumserkundung folgt jeweils ein Kreativteil im Dom Atelier. Als Beispiel für unseren pädagogischen Ansatz präsentieren wir hier den Workshop für Kinder im Grundschulalter und stellen Movi auch die Anleitung fürs Gestalten von Familienfiguren zur Verfügung. Auf diesem Weg kann ein Ausstellungsbesuch in der Gruppenstunde kreativ nachbereitet und mit Gesprächen zu Familienvorstellungen vertieft werden.

 

Workshop „Alle in einem Boot“

Eine Familie hat viele Facetten. Manchmal hat man viel Spaß miteinander, aber manchmal gibt es auch Streit.

Die Personen, die zusammenwohnen, sind eine Familie. Wer gehört noch aller dazu? Gemeinsam geht es mit einem kleinen Ausflugsboot auf eine Reise durch das Museum. Wir begegnen einer mittelalterlichen Madonna mit ihrem Baby und sogar einer Teddybärenfamilie. Im Anschluss werden im Dom Atelier fantasievolle Familienfiguren gestaltet. Wohin wird sie ihre Reise wohl führen?

Ausgangspunkt für die Ausstellungserkundung ist eine riesige Buntstiftzeichnung von Uli Maier. Sie zeigt ein kleines Mädchen, das ein Boot durch das Gewirr ihrer Familie steuert. Der Sammlung von Beobachtungen auf der Bildebene folgen Gespräche zu den jeweiligen Grundthemen der Kunstwerke. z.B.: Was ist für dich Geborgenheit? Gehört Streit zur „Familie“? Was macht man eher nur mit der Familie, was mit Freunden?  Wie viele Personen gehören zu einer Familie (Kernfamilie/erweiterte Familie)? Familie früher? Kinderrechte?

 

Anleitung für Familienfiguren in Upcycling-Technik

Alter: 6-10 Jahre

Dauer: 90 min

Aufwand: mittel-hoch

Material: Pet-Flaschen in verschiedenen Größen; weiße Plaka-Farbe zum Grundieren; Zeitungspapier;

Tesakrepp; Heißkleber und Holzleim; Bunte Pfeifenputzer 50 cm lang; Diverses Material zum Gestalten der Flaschen

 

Vorab Plastikflaschen grundieren und trocknen lassen.

Flaschen halbvoll mit Wasser füllen.

Aus Zeitungspapier und Tesakrepp eine Kugel für den Kopf formen.

Mit Heißkleber am Flaschenhals befestigen. Gesicht aufmalen. Haare aus Wolle oder geschreddertem Papier aufkleben.

Verschiedene Materialien wie Zeitungspapier, Geschenkpapierreste, Glitzerkram, etc. aufkleben und so eine kunterbunte Figur gestalten.

Pfeifenputzer als Arme um den Flaschenhals wickeln.

 

Tipp:

Für Jugendliche ab 12 Jahren wurde in Zusammenarbeit mit einer Schulklasse der AHS Kenyongasse die digitale Quiztour „Family Reloaded“ entwickelt. Die Dom Museum Wien App ist als Gratis-Download zur Vor- und Nachbereitung des Museumsbesuchs sowie vor Ort mit Leihgeräten verfügbar. Für Gruppen bieten wir zur Quiztour auch einen Workshop in Begleitung einer Kunstvermittlerin an.

Nähere Infos und Buchung von Workshops: tours@dommuseum.at bzw. 01 51552 5307

www.dommuseum.at

 

Katja Brandes ist Kunsthistorikerin und leitet die Kunstvermittlung im Dom Museum Wien.

 

Das Dom Museum Wien kann ab 3. Juni wieder zu den regulären Öffnungszeiten besucht werden (Maske natürlich nicht vergessen!)

Termine für Führungen durch diese Ausstellung findet ihr im Veranstaltungskalender des Dom Museum Wien.

 

 


Fotocredit: DomMuseumWien_Gesicka-#41.jpg

"Untitled #41" from the “Traces“ series, Weronika Gesicka, 2015 - 2017, © JEDNOSTKA Gallery.

Foto: Weronika Gesicka / JEDNOSTKA Gallery

Events
Tue., 21. July 2020 09:00
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*ABGESAGT* Jungschar Grundkurs
Sat., 01. August 2020 09:00
*ABGESAGT* Wild Days of Cinema 2020

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