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30.08.2018

„Gott braucht unsere Kirche…“

Interview mit Markus Beranek, dem neuen Pastoralamtsleiter

 

Ich möchte mit meiner langjährigen Erfahrung aus der Praxis, die ich als Pfarrer gesammelt habe, dazu beitragen, dass unsere Pfarren zukunftsfit werden“, erklärt Markus Beranek gleich zu Beginn unseres Interviews: „Ich möchte motivieren, dass wir gemeinsam daran arbeiten, dass Kirche am Ende spannend und reizvoll ist und eine Zukunftsperspektive hat.“

 

Bisher war der 48-Jährige Pfarrer und Dechant in Stockerau für den Pfarrverband „Am Jakobsweg-Weinviertel“. Ab dem ersten September ist er Leiter des Pastoralamtes der Erzdiözese Wien und wird damit künftig zum Impulsgeber für alle Pfarren in unserer Diözese:„Das Pastoralamt ist für mich kein Amt, sondern eine Stelle, die für Innovation in den Pfarren steht.

 

Wir vernetzen und unterstützen Pfarren dabei, Orte der Lebendigkeit, Freude und Vitalität zu sein – oder zu solchen zu werden“, betont Beranek.


Was ist dabei das Hauptziel?
Unsere Pfarren müssen zu Orten werden, in denen Jüngerschaft gefördert wird. Dabei ist es wichtig, dass wir  Menschen dazu ermutigen, dass sie aus ihrer persönlichen Beziehung mit Christus auf andere aktiv zugehen.


Wie wollen Sie das erreichen?
Beim Missionarisch-Sein ist Kirche sekundär. Es darf uns nämlich nicht vordergründig darum gehen, Menschen für die Kirche zu rekrutieren. Sondern wir dürfen die Leidenschaft, die Jesus erfüllt hat, weitertragen. Und dadurch können Menschen diese Leidenschaft Gottes auch für ihr eigenes Leben entdecken.

 

Das Stimmigste, was wir alle tun können, um das zu erreichen, ist: von den eigenen Glaubenserfahrungen offen und ohne Angst zu erzählen.


Wie ist das gemeint?
Ich denke, dass alle Menschen die Sehnsucht nach einem guten Leben in sich tragen. Diese Sehnsucht lebt jeder anders aus, aber letztendlich versucht jeder glücklich zu sein.

 

Wenn man Gott in seinem Leben gefunden hat, macht das glücklich. Wenn man ganz konkret darüber spricht, warum das so ist und wie genau man sich dabei fühlt, kann man andere damit inspirieren.


Wie ist das bei Ihnen? Wie fühlt sich der Glaube für Sie an?
Die Sprache Gottes ist der Trost und die Erfahrung von innerlichem Frieden. Ich persönlich spüre diesen Frieden vor allem in der Gemeinschaft, beim gemeinschaftlichen Pilgern zum Beispiel, oder beim Gebet mit anderen.

 

Glaube bedeutet dabei für mich nicht, ständig den geistigen Sonntagsanzug zu tragen. Sondern Glaube heißt: zu ringen, verwundbar zu sein und immer wieder die Entdeckung zu machen, dass mir Gott immer wieder gerade dort nahekommt, wo ich anstehe und wo ich mich als verletzt und schwach empfinde.


Haben Sie Vorbilder?
Ich schätze meine Eltern, sie sind in den 60-er Jahren in der Katholischen Arbeiterjungend groß geworden. Ich muss oft schmunzeln, wenn wir heute davon reden, dass wir missionarische Kirche sein wollen. Denn damals in der Aktivistengruppe hatten meine Eltern die gleichen Themen, wollten zum Beispiel Gott in die Fabriken tragen. Teilweise bis auf den Wortlaut genau sind es exakt dieselben Themen – damals und heute.


Vom Pfarrer zum Pastoralamtsleiter. Was sagen Ihre Eltern dazu?
Natürlich sind sie stolz auf mich. Aber es ist bei ihnen auch ein gewisser Abschiedsschmerz. Sie waren regelmäßig bei mir in der Pfarre in meinen Gottesdiensten und deshalb ist es für sie ein Stück weit ein Abschiednehmen. Aber ich werde jetzt wieder in Wien wohnen und kann sie deshalb wieder öfter treffen. Also wie alles im Leben hat auch das zwei Seiten.


Und wie geht es Ihnen persönlich? Wird Ihnen das Pfarrer-Sein fehlen?
Ja, natürlich! Ich wollte immer Pfarrer werden und sein, ich liebe meine Berufung. Der Abschied aus der Pfarre fällt mir deshalb schwer.

 

Doch gerade weil ich gerne Pfarrer bin und mir Pfarre am Herzen liegt, ist die neue Aufgabe eine Chance, genau hier tätig zu sein und die Entwicklungen der Pfarren in unserer Diözese aktiv mitzugestalten und Impulse zu geben. Darauf freue ich mich sehr.


Was machen Sie denn in Ihrer Freizeit gerne?
Als Seelsorger bin ich ständig unter Menschen. Deswegen habe ich in meiner Freizeit ein sehr großes Bedürfnis nach Phasen der Stille. Diese suche ich zum Beispiel sehr gerne in der Natur. An Schönwetter-Tagen unternehme ich sehr gerne lange Fahrradtouren oder Spaziergänge alleine.

 

Auch im Urlaub bin ich am liebsten alleine unterwegs, um zur Ruhe zu kommen. Dabei gehe ich oft in Museen und setze mich mitunter eine Stunde lang vor ein und dasselbe Bild. Das hat für mich etwas unglaublich Meditatives, nimmt Stress raus und macht mir sehr viel Freude.


Haben Sie ein Lebensmotto?
Ich zitiere hier gerne Ignatius von Loyola, der sagt: „Handle so, als hinge alles nur von dir ab. Aber bete so, als hinge alles nur von Gott ab.“

 

Ich möchte eine Position einnehmen, bei der mir klar ist, dass alles nur von Gott abhängt, aber doch konkret auch von mir. Also davon, dass ich etwas tue und nicht nur warte. Wenn jeder von uns aktiv etwas tun, dann bewegt sich etwas.

 

Mir ist es wichtig, dass wir dabei darauf schauen, dass Menschen motiviert sind und dass wir alle auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten. So kann Pfarrleben zukunftsfit gestaltet werden. Letztendlich geht es dabei um ein Mehr an Lebendigkeit, um ein Mehr an Freude und um ein Mehr an Vitalität.


Möchten Sie noch eine Abschlussbotschaft loswerden?
Ja, eine Botschaft der Hoffnung: Ich vertraue fest darauf, dass Gott niemals müde wird, auf uns alle zuzugehen. Und dass er unsere Kirche – in all ihrer Begrenztheit – braucht, um seine Leidenschaft in die Welt und zu den Menschen zu tragen.