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05.10.2008 · Aus der Diözese

Rosenkranzfest 1938: "Euer Führer ist Christus"

Kardinal schönborn steht unter jenem Kreuz, dass die Schergen der HJ beim Überfall aufs erzbischöfliche Palais zerstört hatten.

Mit mehr als 7.000 Teilnehmern war das "Rosenkranzfest" im Stephansdom am 7. Oktober 1938 die größte Widerstandsmanifestation der gesamten Nazizeit in Deutschland und Österreich. Das damals von Kardinal Innitzer ausgesprochene Bekenntnis "Einer ist euer Führer; euer Führer ist Christus" gab Tausenden Jugendlichen Hoffnung und Mut.

Der 7. Oktober 1938 im Zeitraffer.

 

8 Uhr:

Kardinal Theodor Innitzer, der bei der Rosenkranz-Andacht am Abend dieses 7. Oktober anwesend sein wird, hat an diesem Herz-Jesu-Freitag seine Ansprache längst fertig. Im Gegensatz zu mancher späterer Meldung wird er nicht spontan das Wort ergreifen, sondern gut vorbereitet sein. Der Kardinal will ausdrücklich Stellung nehmen und den Jugendlichen Mut machen. Er weiß aber an diesem Morgen noch nicht, wie der Abend verlaufen wird.

 

12 Uhr:

Acht Stunden vor Beginn der Feier weiß am 7. Oktober 1938 eigentlich niemand genau, wie viele Jugendliche um 20 Uhr in den Stephansdom kommen werden. "Plakate ließen wir 200 Stück drucken und sandten sie an alle Pfarren. Eine ganze Reihe dieser Plakate kam nicht an", schrieb Jugendseelsorger und Domvikar Martin Stur später in seinem Bericht über die Ereignisse rund um die Rosenkranz-Feier.

 

Der Wortlaut des Plakats lautet: "Katholische Jugend! Der Bischof ruft dich zur Feierstunde im hohen Dom zu St. Stephan am 7. Oktober 1938, 20 Uhr." Verantwortlich war Martin Stur. Weitere Propaganda und Werbung geschah mündlich durch die Seelsorger. Eine Weisung bezüglich einer Einheitskleidung erging vom Jugendreferat aus nicht. Jedes verbandsmäßige Auftreten wurde absolut vermieden.

 

Da man sich darüber im Klaren war, dass die Nationalsozialisten damit keine Freude haben und sie womöglich verhindern würden, hat man keine schriftlichen Einladungen versandt, man vermied auch telefonische Benachrichtigungen. Unter den vielen Helfern: 20 junge Burschen, die ein Fahrrad besaßen, unter ihnen Norbert Ortel, fuhren mit der Botschaft "Am 7. Oktober im Dom" in 10 bis 12 Pfarren. Auch im Diözesanblatt konnte man nur eine kleine Notiz lesen: "Diese Feierstunde wird den besten unserer Jugendlichen für das kommende Arbeitsjahr Ansporn geben und das Bewusstsein der Zusammengehörigkeit wachrufen. Der Dom zu St. Stephan und die Anwesenheit des Bischofs werden gerade in den jetzigen harten Tagen unserer Jugend Arbeitsfreude und Bekennermut geben."

 

Ab 18 Uhr:

Aus ganz Wien und Umgebung machen sich Jugendliche auf den Weg in den Stephansdom.


Spätere Schätzungen sprechen von 7.000 und mehr jungen Mädchen und Burschen, die dem Aufruf gefolgt waren.

 

19.45 Uhr:

Die Jugendseelsorger versammeln sich in der unteren Sakristei des Domes. Der Dom füllt sich mehr und mehr. Für Stur herrscht an diesem Tag Hochspannung: "Wir rechneten an sich mit höchstens 1.500 bis 2.000 Jugendlichen. Immerhin ließen wir die Andacht in einer Auflage von 2.500 Stück drucken. Sie waren zu wenig. Unserer Schätzung nach kam eine Predigt von der Kanzel aus nicht in Frage, da bis zur Kanzel niemand stehen würde." Daher lässt Stur eine Art Kanzel vorne neben dem Altar aufstellen.

 

"Als wir die große Zahl der Teilnehmer sahen, wurde beschlossen, von der echten Kanzel zu sprechen", erinnerte sich Stur.

 

20 Uhr:

Mehr als 7.000 Jugendliche singen beim Einzug des Kardinals "Ein Haus voll Glorie schauet!"

 

20.15 Uhr:

Während der Rosenkranz-Andacht kommt Stur der Gedanke, es könnte, wenn die Scharen den Dom verlassen und nicht sofort heimgingen, zu Verkehrsbehinderungen und daher zum Eingreifen der Polizei kommen. Stur: "Daher beschloss ich, nach der Andacht ausdrücklich aufzufordern, alle sollten rasch und ohne viel Aufsehen sofort heimgehen."

 

Die Feier selbst nahm schließlich einen unerwarteten Verlauf: Überwältigt von der großen Zahl junger Menschen eilt Kardinal Innitzer (entgegen der Planung) mit Infel und Stab zur Domkanzel.

 

20.30 Uhr:

Es sind bewegende und programmatische Sätze, die Kardinal Innitzer der Jugend mitgibt. "Steht treu zu eurer Pfarre, eurem Pfarrer und all seinen Mitarbeitern ... und lebt mit ihnen in einer lebendigen Pfarrgemeinde", ruft Innitzer den Jugendlichen zu.

 

"Meine liebe katholische Jugend Wiens, wir wollen gerade jetzt in dieser Zeit umso fester und standhafter unseren Glauben bekennen, uns zu Christus bekennen, unserem Führer, unserem König und zu seiner Kirche..."

 

Innitzer: "Zeigt, dass ihr euren Glauben hochhaltet, indem ihr für den Glauben werbt, auch andere zu beeinflussen sucht in diesem guten höchsten Sinn." Noch während der Predigt Innitzers flüstert Martin Stur einem seiner Mitbrüder am Altar zu: "Der Kardinal predigt! Jetzt ist alles aus!"

 

Das Christus-Bekenntnis Innitzers gipfelt in den Worten: "Einer ist euer Führer, euer Führer ist Christus, wenn ihr ihm die Treue haltet, werdet ihr niemals verloren gehen."

 

Am Schluss der Rosenkranz-Feier wird das Lied "Lobt froh den Herren" zwei Mal durchgesungen, während der Kardinal segnend durch die Kirchenschiffe geht.

 

Da kommt die Meldung, dass die Hitlerjugend an den Toren des Domes stehe. Stur geht zur improvisierten Kanzel, deutet zur Orgel und sagt nur mehr "Achtung, Achtung". Die Orgel setzt für einige Sekunden aus, Alois Holzhacker, Diözesansekretär für die männliche Jugend, zieht alle Register. Weitere Worte gehen am Orgelspiel unter, Holzhacker greift schwungvoll in die Tasten und spielt: "Auf zum Schwure, Volk und Land..." Stur breitet hilflos die Arme aus.

 

20.55 Uhr:

In geradezu unheimlicher Ordnung und Disziplin strömen Tausende singend in Richtung Riesentor. Es sind noch zweitausend oder dreitausend junge Menschen mit ihren Seelsorgern im Dom, alle im hinteren Drittel.

 

Plötzlich klingt in den Dom herein aus einer Ecke des Stephansplatzes ein mageres, vielleicht von fünfzig oder hundert Stimmen getragenes "Sieg Heil, Sieg Heil, Sieg Heil..."

 

Wolfgang Müller-Hartburg ruft halblaut in Richtung Riesentor: "Ruhig bleiben, nicht provozieren lassen." Und wie ein Lauffeuer wird diese Parole weitergegeben, um einige Sekunden zu spät, wie sich sofort zeigt: "Auf zum Schwure, Volk und Land, heb zum Himmel Herz und Hand ..."

 

Der ganze Stephansplatz ist ein einziger feierlicher Chorgesang tausender junger Menschen mit erhobener Schwurhand. Bei dem Lied "Auf zum Schwure" klingt eine österreichisch-patriotische Note mit.

 

Fünf Tage später, am 13. Oktober, lässt Gauleiter Bürckel bei der Kundgebung gegen Kardinal Innitzer keine Zweifel aufkommen: "Wir dulden ... nicht, dass gewissenlose Hetzer den jämmerlichen Versuch unternehmen, ihre sogenannten christlichen Österreicher vom deutschen Volk loszubeten. Die Ostmark ist bei Deutschland und wird es immer bleiben."

 

21.10 Uhr:

Die Vorgänge auf dem Stephansplatz kann Stur nicht überschauen: "Ich kam auch überdies erst dazu, als schon Rufe ausgebracht wurden. Ich habe keinen gehört, der politisch klang. Ich habe keinen Zeugen gefunden, der nicht dasselbe sagt. An Liedern wurde gesungen: ‚Und wenn wir marschieren' und ‚Auf zum Schwure'. " Die Jugendlichen rufen: "Wir wollen unsern Bischof sehen", "Wir danken unserm Bischof", "Es lebe Christus, der König".

 

Stur hält die Rufe nicht für glücklich. Er läuft, Rochett und Stola am Arm, hin und drängt sich durch die Reihen, indem er laut ruft, die Jugendlichen sollten rasch und ruhig heimgehen.

 

Die Jugendlichen rufen "Ein Volk, ein Reich, ein Bischof" und "Lieber Bischof sei so nett, zeige dich am Fensterbrett", erinnerte sich Univ.-Prof. Erwin Ringel, damals Pfarrjugendhelfer in St. Stephan.

 

21.20 Uhr:

Der sichtlich beeindruckte Kardinal Innitzer zeigt sich am Fenster des Erzbischöflichen Palais und deutet den Jugendlichen, nach Hause zu gehen.

 

Neun Burschen werden von der Menge weg von der Polizei verhaftet. Diese Demonstration, dieser kirchliche Widerstand, wird nicht ohne Folgen bleiben:

Noch am selben Abend gibt es vor den verschlossenen Toren des erzbischöflichen Palais eine spontane Kundgebung der Nationalsozialisten gegen den Kardinal mit dem Ruf: "Und das im Oktober 1938".

 

24 Stunden später, am 8. Oktober, wird die Hitlerjugend um ca. 20 Uhr das Erzbischöfliche Palais stürmen.

erstellt von: Redaktion der Sonntag / Stefan Kronthaler
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"Auf zum Schwure, Volk und Land" (Der Liedtext)

1. Auf zum Schwure, Volk und Land, heb zum Himmel Herz und Hand! Was dem Heiland du gelobt, sei in ew'ger Treu erprobt
("Ja, wir schwören heut aufs neue, Jesu Herz dir ew'ge Treue").

 

2. Wundermächtig immerfort, warst du stets des Volkes Hort, in der Not und Kriegsgefahr, schirmtest Volk du und Altar
("Drum geloben wir aufs neue, Jesu Herz dir ew'ge Treue").

 

3. Fest und stark zu unserm Gott, stehen wir trotz Hohn und Spott; fest am Glauben halten wir, unsres Volkes schönster Zier
("Drum geloben wir aufs neue, Jesu Herz dir ew'ge Treue").

 

4. Auf dem weiten Erdenrund, gibt es keinen schönern Bund. Lästern uns die Feinde auch, Treue ist der Christen Brauch
("Drum geloben wir aufs neue, Jesu Herz dir ew'ge Treue").

 


 

Kontakt:

 

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Am Donnerstagabend versammelten sich zahlreiche Menschen am Stephansplatz. Mit einem Kerzenmeer riefen die Caritas Österreich und Wiens Erzbischof Josef Grünwidl zur anhaltenden Solidarität mit der Ukraine auf. 

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Die Filialkirche wurde an die CityLoftArt GmbH verkauft und wird zu einem Kulturschauplatz. Eine kleine Kapelle wird auch weiterhin für das persönliche Gebet geöffnet sein.

Stephansdom zeigt Arnulf Rainers Kreuz-Werke trotz Widerruf

Mit 77 Kreuz-Darstellungen des im Dezember verstorbenen Künstlers Arnulf Rainer eröffnet das Wiener Domkapitel gemeinsam mit der Sammlung Trenker eine Ausstellung im Stephansdom. Die Präsentation läuft bis 7. Juni.

Kardinal Schönborn lädt zu Gebet für die Ukraine in den Stephansdom

Mit einem ökumenischen Gebet im Wiener Stephansdom setzt Kardinal Christoph Schönborn am 24. Februar ein Zeichen der Solidarität mit den Menschen in der Ukraine und ruft zugleich zur Unterstützung der kirchlichen Hilfsaktionen auf.

Helene „Ilus“ Kohler (Pfarre Machstraße) verstorben

Die Pfarre Machstraße nimmt Abschied von Helene „Ilus“ Kohler, die nach langer Krankheit in den frühen Stunden des 5. Februar 2026 im 92. Lebensjahr verstorben ist.

Podiumsgespräch „Staat und Religion – ein belastetes Verhältnis?“: Ein Abend des Zuhörens und Austausches

Ende Jänner wurde der Stefanisaal im Curhaus am Stephansplatz zum Ort eines offenen und vielstimmigen Austauschs über eine Frage, die unsere Gesellschaft seit jeher begleitet: Wie gestaltet sich das Verhältnis von Staat und Religion – heute, in Österreich - in einer vielfältigen Stadt wie Wien?

Erzbischof Grünwidl trifft Landeshauptfrau Mikl-Leitner zu erstem offiziellen Austausch

Erste offizielle Begegnung nach Weihe und Amtseinführung des neuen Wiener Erzbischofs vor knapp drei Wochen - Grünwidl: Pfarrgemeinden in Niederösterreich bilden "starkes Netz des Glaubens, der Gemeinschaft und der Solidarität"

Großer Andrang aus Nord und Süd zu Gottesdiensten mit Erzbischof Josef Grünwidl

Am kommenden Wochenende werden zahlreiche Gläubige aus der gesamten Erzdiözese zu den ersten Gottesdiensten mit dem neuen Wiener Erzbischof Josef Grünwidl in Wiener Neustadt und Wullersdorf erwartet.

Liebende

Valentinstag: Segen für Liebende in vielen Kirchen

Rund um den Valentinstag laden viele Kirchen in der Erzdiözese Wien Paare und Einzelpersonen, die Sehnsucht nach einer Partnerschaft haben, zu Segensfeiern ein. 

Personelle Veränderungen in der Erzdiözese Wien – Februar 2026

Zum Jahresbeginn bewegt sich viel in der Erzdiözese Wien. Zahlreiche Aufgaben wurden neu besetzt, Übergangsphasen beendet und Verantwortungen erweitert.

Diakon Gerhard Widhalm verstorben

GR Gerhard Widhalm, Diakon in der Pfarre St Nikolaus in Auersthal  und im Pfarrverband Weinviertel-Süd  ist am 31. Jänner 2026 nach kurzer schwerer Krankheit im 65. Lebensjahr verstorben.

Gemälde von Benvenuto Tisi, gen. Il Garofalo (1481 - 1559 Ferrara) Mit freundlicher Genehmigung des kunsthistorischen Museums Wien (KHM)

Sr. M. Walfriede Nowotny verstorben

Die Franziskanerinnen von der Christlichen Liebe trauern um Sr. M. Walfriede (Mag. pharm. Berta Nowotny), die am 27. Jänner 2026 im 89. Lebensjahr in Wien verstorben ist.

Sr. M. Cornelia Paradeis verstorben

Die Franziskanerinnen von der Christlichen Liebe trauern um Sr. M. Cornelia (Elisabeth) Paradeis, die am 27. Jänner 2026 im 98. Lebensjahr in Wien verstorben ist

Ukraine kämpft ums Überleben: Schönborn mit dringlichem Hilfeaufruf

Kardinal bittet angesichts des russischen "Vernichtungskrieges" gegen die Zivilbevölkerung um mehr Hilfe und Spenden - Unterstützung für Notprogramme der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche und der Caritas in der gesamten Ukraine

Erzbischof Grünwidl: „Gott umarmt uns im Heute“ – Ermutigung für Ordensleute im Stephansdom

Beim Tag des geweihten Lebens im Wiener Stephansdom hat Erzbischof Josef Grünwidl die Ordensleute der Erzdiözese zur Wachsamkeit, zur gelebten Liebe und zu realistischem Mut aufgerufen.

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