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03.04.2023 · Kardinal · Schönborn

Kardinal Schönborn rechnet mit seiner Pensionierung nach Synodenende 2024

Kardinal Schönborn rechnet mit seiner Pensionierung nach Synodenende 2024

 

Wiener Erzbischof entschuldigt sich in ORF-"Pressestunde" für letztjährigen Corona-Sager und appelliert zum "Blick nach vorne statt zurück". Kirche muss heute neue Antworten auf Suche nach Sinn und Gemeinschaft finden.

Kardinal Christoph Schönborn hat sich für seinen Corona-Sager im Vorjahr entschuldigt. Sein am Palmsonntag 2022 in der ORF-Pressestunde getätigten Ausspruch: "Gott, lass es Hirn regnen" tue ihm leid, denn er habe damit "viele verstimmt, verärgert, enttäuscht und auch verletzt" sagte der Wiener Erzbischof genau ein Jahr später in derselben Sendung. Viele hätten es so verstanden, als ob er sich "auf der Seite jener sähe, die Hirn haben, und die Kritiker als jene betrachte, die kein Hirn haben". Heute würde er es so formulieren: "Lieber Gott, lass es für uns alle genügend Hirn regnen", denn: "Wir brauchen genügend Hirn und Herz, um mit dieser Krise fertigzuwerden."

 

Zum Handeln der Kirche in Österreich in den Zeiten der Corona-Lockdown stehe er nach wie vor, sagte Schönborn. Die Bischöfe hätten ebenso wie auch die Bundesregierung in der jeweiligen Verantwortung das getan, was man für das Richtige gehalten habe. Rückblickend sei man immer gescheiter und sähe, welche Maßnahme man besser anders gemacht hätte. "Doch man soll nicht so tun, als wäre es in der kritischen Situation nicht notwendig gewesen, Entscheidungen zu treffen", betonte der Wiener Erzbischof.

 

Alle Religionsgemeinschaften hätten sich vor Beginn des ersten Lockdowns 2020 bereit erklärt, die Maßnahmen der Regierung mitzutragen. "Dass die Kirche diese Maßnahmen mitgetragen hat, halte ich für selbstverständlich." Es sei damals für ihn auch gar nicht denkbar gewesen, dass ein Bischof die von der Regierung als notwendig erachteten Gesundheitsmaßnahmen etwa als "zu undifferenziert" zurückweise.

 

Kardinal Schönborn appellierte, angesichts der damaligen Dramatik "nicht aufzurechnen, was hätte anders gemacht werden können". Niemand habe zu Beginn der Pandemie abschätzen können, wohin sich die Mutationen des CoV19-Virus entwickeln würden. Weil das Virus einen Zickzack-Kurs gemacht habe, habe es auch einen Zickzack-Kurs in der Politik gegeben, erinnerte der Kardinal.

 

Zugutehalten müsse man der damaligen Regierung, dass sie gezwungen gewesen sei, Entscheidungen zu treffen und über Maßnahmen zu verfügen, was naturgemäß auch Fehler zutage gebracht habe. Statt einer "großen Fehlerkorrektur im Nachhinein" und ständigem Zurückkommen auf die "Coronageschichten" gelte es nun, "nach vorne zu schauen, wie wir mit der jetzigen Situation umgehen".

 

Kirche im Umbruch

Konfrontiert mit dem laut Umfragen durch die Corona-Krise beschleunigten Rückgang der Religiosität bestätigte Schönborn, dass sich viele Menschen während der Lockdowns den sonntäglichen Kirchgang abgewöhnt hätten. Er sehe dieses Phänomen, das europaweit zu beobachten sei, mit einer "gewissen Gelassenheit, weil es eben so ist". Zugleich hoffe er darauf, dass hier eine Änderung durchaus möglich sei, auch da die "Sinnsuche" der Menschen ungebrochen anhalte.

 

Als besonders beachtenswert bezeichnete der Kardinal in diesem Zusammenhang jedoch die hohe Teilnahme an den Gottesdienstübertragungen. 800.000 Menschen in Österreich verfolgten jeden Sonntag den ORF-Radiogottesdienst, 200.000 die von zwei TV-Sendern übertragenen Gottesdienste. "Das sind mehr als in Österreich am Sonntag in der Kirche den Gottesdienst besuchen", bemerkte Schönborn.

 

Dass es in Österreich parallel zu den steigenden Kirchenaustritten auch immer mehr Menschen ohne Religionsbekenntnis gebe, nannte Schönborn ebenfalls eine "nicht nur europaweit, sondern weltweit" zu beobachtende Entwicklung des "Schwächelns traditioneller Formen der Religion", auch infolge sich verändernder Lebensformen. Schrecken jage ihm dieser Wandel nicht ein, denn: "Jeder Mensch hat in seinem Inneren eine Seele, die Sehnsucht hat, sich nach Sinn, Gemeinschaft und Liebe sehnt." Freilich sagten viele Menschen heute, sie würden die Kirche dazu nicht mehr brauchen.

 

Lebendige Gemeinden, die willkommen heißen

Aufgrund dieser "Übergangssituation" sah Schönborn selbst Kirchenreformen wie etwa die vom "Synodalen Weg" in Deutschland vorschlagenen nicht als dafür geeignet, Menschen wieder in die Kirchen zurückzubringen. Anziehend wirke vielmehr "eine Gemeinde, die lebt", so der Kardinal, der als Beispiel ein von einer Wiener Pfarre veranstaltetes Iftar-Fastenbrechen nannte, welches er vor wenigen Tagen besucht habe. Menschen bräuchten die Erfahrung, willkommen zu sein.

 

Zurückhaltend äußerte sich der Wiener Erzbischof auch zu den Themen Frauenpriestertum und Zölibat. Die Notwendigkeit einer Aufwertung der Stellung der Frau habe sich im Rahmen des derzeit laufenden weltkirchlichen "Synodalen Prozesses" auf allen Kontinenten gezeigt, und er selbst sei "zuversichtlich, dass sich etwas ändern wird" in der Kirche. Dies könne jedoch nur erfolgen im Rahmen eines "intensiven gemeinsamen Hinhörens und Hinschauens, was eigentlich der Wille Gottes ist". Es sei gut, dass um die Fragen gerungen werde, und er sei persönlich zuversichtlich, dass sich etwas ändern werde.

 

Zur Frage der verpflichtenden Ehelosigkeit für römisch-katholische Priester verwies Schönborn auf laufende Gespräche und Entwicklungen. Dass Papst Franziskus den Zölibat kürzlich als "revidierbar" bezeichnet habe, sei nichts Neues, und auch er selbst habe dasselbe schon zuvor immer gesagt. "Die Frage ist nur das Wie, das Wann und das Wo", auch werde es sich selbst bei einer Änderung nicht um die "Lösung für die großen Fragen unserer Zeit" handeln, gab der Kardinal zu bedenken.

 

Kein Papst-Rücktritt zu erwarten

Erleichtert äußerte sich Schönborn darüber, dass es Papst Franziskus nach der Spitals-Einlieferung wegen Bronchitis diese Woche inzwischen wieder besser geht. Er hoffe, dass dem Kirchenoberhaupt noch ein langes Leben beschieden sei und er auch so lange weiter im Amt bleiben könne. "Wir brauchen ihn, und ich glaube, er tut uns gut", so der Kardinal. Würde sich Franziskus wider Erwarten aus dem Amt zurückziehen, würde er dies wohl auf andere Weise als sein Vorgänger Benedikt XVI. tun, vermutete Schönborn. Denkbar wäre etwa, dass Franziskus dann "ganz einfach unter den Leuten lebt und seinen Dienst leistet", wie dies ursprünglich für die Zeit nach der Emeritierung als Erzbischof von Buenos Aires vorgesehen habe.

 

Über seine eigene Zukunft sagte der Wiener Erzbischof, Papst Franziskus habe trotz seines Rücktrittsgesuchs 2020 - Schönborn reichte diesen damals ordnungsgemäß mit Vollendung seines 75. Lebensjahres ein - "offensichtlich vor, dass ich bei den beiden Synoden 2023 und 2024 noch dabei bin". Da er kurz darauf bereits den 80er erreiche, werde es spätestens dann soweit sein, zurückzutreten. "Kardinal König ist mit 80 zurückgetreten und war dann noch 18 Jahre sehr intensiv aktiv", bemerkte Schönborn. Wen der Papst als Nachfolger vorziehe, werde er nicht sagen, "da es nicht an mir liegt, Entscheidungen zu treffen".

 

Weitere Artikel zur Pressestunde:

  • Schönborn: Neutrales Österreich als Ort von Friedensgesprächen nützen
  • Kardinal Schönborn: KI kommt nicht gegen "Grunddaten des Lebens" an

 

ORF Pressestunde kann bis 9. April in der TV-Thek nachgeschaut werden

erstellt von: red/kathpress
03.04.2023
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Parasozial

Antworten von Kardinal Christoph Schönborn in der Tageszeitung HEUTE am 21.11. 2025

Kardinal Schönborn feiert Gottesdienst mit armutsbetroffenen Menschen im Stephansdom

Emeritierter Wiener Erzbischof feiert Segensgottesdienst mit von Armut betroffenen Menschen im Stephansdom. Designierter Erzbischof Grünwidl bittet Anwesende um ihr Gebet und spricht Einladung für 25. Jänner aus.

Ja, ich bin ein König

Gedanken zum Evangelium von Kardinal Christoph Schönborn am Sonntag, den 23. November 2025

Schönborn und Pizzaballa: Spendenaufruf für Menschen im Heiligen Land

Vorweihnachtliche Spendenaktion für Hilfsprojekte in Jerusalem, im Westjordanland und in Gaza - Schönborn: "Christen im Heiligen Land brauchen unsere Solidarität und Hilfe"

Christkindlmarkt

Antworten von Kardinal Christoph Schönborn in der Tageszeitung HEUTE am 14.11. 2025

mit freundlicher Genehmigung der Russisch-Orthodoxe Kathedrale zum heiligen Nikolaus

Was kommt auf uns zu?

Gedanken zum Evangelium von Kardinal Christoph Schönborn am Sonntag, den 16. November 2025 Lk 21,5 – 19

Wollen wir das?

Antworten von Kardinal Christoph Schönborn in der Tageszeitung HEUTE am 7.11. 2025

Tiefe Wunden- große Hoffnung

Gedanken zum Evangelium von Kardinal Christoph Schönborn am 9.November 2025 

Halloween

Antworten von Kardinal Christoph Schönborn in der Tageszeitung HEUTE am 31.10. 2025

Schönborns Mahnung zum Nationalfeiertag: Österreich braucht Orientierung

Im Wiener Stephansdom kritisierte Kardinal Christoph Schönborn die gesellschaftliche Verrohung. Er forderte mehr Empathie und stellte die Frage, ob die Nation den "Jammer" der Flüchtlinge höre.

Österreich und das Evangelium

Gedanken zum Evangelium am Sonntag, den 26. Oktober 2025

Kardinal Schönborn zum Protektor von „Pro Oriente“ ernannt

Die Stiftung würdigt das unermüdliche ökumenische Wirken des scheidenden Wiener Erzbischofs. Sein Nachfolger betonte die Bedeutung des persönlichen Dialogs.

Gedanken zum Gräbergang

Gedanken zum Evangelium von Kardinal Christoph Schönborn am 1.und 2. November 2025 Mt 5,1-12a

Erzbischof Josef

Antworten von Kardinal Christoph Schönborn in der Tageszeitung HEUTE am 24.10. 2025

Kardinal Schönborn dankt Klasnic bewegt für richtungsweisendes Werk

In Wien dankte Kardinal Schönborn der scheidenden Opferschutzanwältin Waltraud Klasnic für ihre „Großtat“. Missbrauchsexperte Zollner systemischen Wandel von der Kirche forderte.

Verdunstet bei uns der Glaube?

Gedanken zum Evangelium von Kardinal Christoph Schönborn zum Sonntagsevangelium am 19.10.2025

Muss Armut sein?

Antworten von Kardinal Christoph Schönborn in der Tageszeitung HEUTE am 17.10. 2025

Leib und Seele

Antworten von Kardinal Christoph Schönborn in der Tageszeitung HEUTE am 10.10. 2025

Sonnengesang

Antworten von Kardinal Christoph Schönborn in der Tageszeitung HEUTE am 3.10. 2025

Erbarmen und Dankbarkeit

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Sonntagsevangelium vom 12.10.2025

Das kleine Körnchen Glaube

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Sonntagsevangelium vom 5.10.2025

HyperFocal: 0

Lazarus vor deiner Tür

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Sonntagsevangelium vom 28.9.2025

Zettel mit den Worten 'Die Macht der Worte'

Die Macht der Worte

"Antworten" von Kardinal Christoph Schönborn, aus der Zeitung HEUTE, am Freitag, 25. September 2025.

Kranker Mann mit vielen Medikamenten.

Wie sterben?

"Antworten" von Kardinal Christoph Schönborn, aus der Zeitung HEUTE, am Freitag, 19. September 2025.

Kardinal Schönborn in Köln: Mut und Hoffnung in der Krise

Kardinal Schönborn feierte vergangenen Sonntag als päpstlicher Legat den Gottesdienst zum 350- Jahr-Jubiläum von St. Maria in der Kupfergasse in Köln.

Gott und das liebe Geld

Gedanken zum Evangelium von Kardinal Christoph Schönborn am 21.9.2025

Das Kreuz im Widerspruch

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Sonntagsevangelium vom 14.9.2025

Überfluss und Mangel

Antworten von Kardinal Christoph Schönborn in der Tageszeitung HEUTE am 12.9. 2025.

Heilig

Antworten von Kardinal Christoph Schönborn in der Tageszeitung HEUTE am 5.9. 2025

Jesus wird immer schwächer und kann das Kreuz kaum mehr tragen. Die Soldaten befehlen dem Bauern Simon von Cyrene, das Kreuz zu tragen., Mt 27,32 (vgl. auch Mk 15,21; Lk 23,26), Bad Schönau; Marienkirche

„Erfolgsrezept“ Christentum

Gedanken zum Evangelium Sonntagsevangelium vom 7.9.2025 Lk 14,25-33 von Kardinal Christoph Schönborn.

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