
„Die Funktion der RechnungsprüferInnen hat es in dieser Form in unserer Erzdiözese bisher nicht gegeben.
Mit diesem Amt der RechnungsprüferInnen betreten wir Neuland“, sagte Josef Mayer, der Leiter des Vikariatsausschusses für Finanz- und Pfarrverwaltung, der den anregenden, von vielen Fragen der Zuhörenden geprägten Abend moderierte.
„Sie tragen Sorge für das Wohl der Pfarre, die Rechnungsprüfung ist ein Teil des Miteinanders in der Verwaltung“, betonte Johann Haiden („Kontrollstelle“).
Rechnungsprüfer arbeiten ehrenamtlich. „Sie kontrollieren die Verwaltung, Sie sind die Historikerinnen, die Historiker der Zahlen, aber Sie sind nicht für die Zahlen selbst verantwortlich“, unterstrich Haiden.
Es gehe darum, sich in dem Zahlen-Dschungel einer Pfarre „einen Überblick zu verschaffen“.
„RechnungsprüferInnen zeigen nur auf, was ihnen auffällt“, betonte Haiden. „Zwei RechnungsprüferInnen werden vom jeweiligen Pfarrgemeinderat bestellt und verfassen für den Pfarrgemeinderat und den Vermögensverwaltungsrat einen Bericht. Sie dürfen daher nicht Mitglied des Vermögensverwaltungsrates sein“, erinnerte Haiden.
Die RechnungsprüferInnen prüfen den vorläufigen Bericht des pfarrlichen Vermögensverwaltungsrates (VVR) und berichten in der Sitzung des PGR zum Punkt Jahresabschluss.
An die TeilnehmerInnen wurde eine Vorlage für die erste Prüfung ausgegeben.
„Der Rechnungsabschluss einer Pfarre umfasst mehrere Punkte“, betonte Andreas Hörmann von der Finanzkammer/Abteilung Pfarrbuchhaltung. Dazu zählen mindestens die sogenannte „Kirchen-Rechnung“ (vom „Klingelbeutel“ bis hin zu den Kosten für das Reinigungsmaterial) sowie das Finanzielle im Bereich der Caritas-Tätigkeit. Manche Wiener Pfarre würde zudem noch selbst einen Kindergarten betreiben oder über einen Friedhof verfügen.
Gertrude Pritz (ebenfalls „Kontrollstelle“) erinnerte daran, dass eine Pfarre „eine solide Dokumentation braucht“. Es braucht griffbereit aktuelle Verzeichnisse, des Inventars, Grundbuchauszüge, Verträge, usw. Es gehe darum, „mit Hausverstand das Vermögen gut zu verwalten“.
Die RechnungsprüferInnen sollten sich u. a. fragen: „Wird mit den vorhandenen Ressourcen gut umgegangen? Gibt es eine sparsame Verwaltung?“
Die RechnungsprüferInnen prüfen in ihrer neuen Funktion in den ersten Monaten des Jahres 2018 den Rechnungsabschluss des Jahres 2017. „Dabei ist auch zu beachten, dass es für jede Buchung einen ordnungsgemäßen Beleg gibt“, sagte Pritz.
„Vertrauen Sie bei der Prüfung Ihrem Gefühl und Ihrem Hausverstand“, dieses Motto gab Pritz den 200 engagierten Frauen und Männern mit.
DER SONNTAG fragte drei Rechnungsprüferinnen nach ihren Eindrücken von diesem Abend. „Viele meiner Fragen wurden an diesem Abend gut beantwortet“, sagte Ernestine Woschitz, die die Buchhaltung der Pfarre Währing-St. Gertrud (Dekanat Wien 18) betreut.
„Ich habe mir, wie bei der Einladung auch angekündigt, auch eine Checkliste oder einen Leitfaden zur Rechnungsprüfung erhofft“, betonte Ulrike Karnel (Pfarre Emmaus am Wienerberg, Dekanat Wien 10). Die AHS-Lehrerin für Mathematik freut sich trotzdem auf die Arbeit als Rechnungsprüferin, aber: „Das ist wahrscheinlich mehr Arbeit, als ich dachte.“
Claudia Bzenetzky (Pfarre Strebersdorf, Dekanat Wien 21) lobte den „informativen Abend“. Sie kommt im Zivilberuf selbst aus dem Bank-Geschäft, trotzdem sagt sie: „Es war ein Aha-Erlebnis, was da alles von uns erwartet wird“. Und: „Ich freue mich einfach auf diese neue Herausforderung“.“