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01.02.2018 · Karitatives · Lebensschutz

In dieser Gesellschaft hat jeder Platz

Letztlich geht es darum zu verstehen, dass Menschen, die anders sind, nicht weniger wert sind.

„Ich weiß, dass ich kein normales zehnjähriges Kind bin.“ Das sagt Auggie Pullmann über sich selbst. Aber, ganz ehrlich, was ist schon normal? Ein Gespräch mit Susanne Kummer vom Wiener Bioethikinstitut IMABE und Andrea Strachota vom Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien über das Normalsein, die unantastbare Würde des Lebens und darüber, dass „anders“ nicht „weniger wert“ bedeutet.

 

Normal zu sein bzw. als normal wahrgenommen zu werden – das ist es, was wir Menschen uns für uns wünschen. 

 

Normal zu sein heiße dabei „so zu sein – im Aussehen wie im Verhalten – wie die meisten anderen“, sagt Andrea Strachota, Assistenzprofessorin am Institut für Bildungswissenschaft, Arbeitsbereich Heilpädagogik und Inklusive Pädagogik der Universität Wien: „Was in einer modernen Gesellschaft als normal gilt, wird dabei nicht durch zum Beispiel Gesetze vorgegeben“, sagt Andrea Strachota: „Sondern – im Vergleich mit anderen – kontinuierlich von der Mehrheit hergestellt. Werden Normalitätsabweichungen – ein Anders-Sein – wahrgenommen, werden sie bewertet.“


Was im ersten Moment ein wenig theoretisch wirkt, konkretisiert sich im aktuellen Beispiel: „Wenn – wie jüngst - auf der Streif Männer auf zwei Skiern mit 140 km/h den Berg runterrasen, dann ist das nicht normal, auch ein absolutes Gehör ist nicht normal, wird in der Regel aber positiv bewertet.

 

Eine Behinderung aber ist eine sicht- bzw. wahrnehmbare Abweichung, die im Allgemeinen negativ bewertet und auf die negativ reagiert wird.“

 

Einstellung ändern

Unsere Reaktion auf die Abweichung vom sogenannten Normalen ist dabei erlernt. Kleinkinder gingen auf ihnen Fremdes, Unbekanntes, noch nie Gesehenes eigentlich relativ unbefangen zu. Da sei sehr wohl ein Wahrnehmen, Staunen, Erschrecken, eine Neugier. Doch sei mit diesem Verhalten nicht zwangsläufig eine negative Bewertung verbunden.

 

„Die negative Bewertung erfahren Kinder sehr oft über die Reaktionen ihrer Eltern bzw. Bezugspersonen“, so Andrea Strachota. Denn sehr schnell bekämen die Kinder damit mit, dass „es sich nicht gehört“, Fragen zu stellen, dass es besser ist, wegzuschauen und „solche“ Menschen zu meiden.

 

Ganz anders sei es etwa, wenn Kinder vom ersten Tag ihres Lebens mit Normabweichungen aufwachsen – sei es mit einem behinderten Geschwisterchen oder mit einem gleichgeschlechtlichen Elternteil etc. – „Dann erfahren sie dieses Anderssein eben oftmals erst durch die sozialen Reaktionen anderer“, sagt Andrea Strachota.


Dem Leben öffnen

„Ein Grundproblem unserer Gesellschaft ist ja, dass das Normalsein von gewissen Eigenschaften abhängig gemacht wird, von bestimmten Leistungen, die unserer Machbarkeitsgesellschaft entsprechen“, sagt dazu Susanne Kummer. Sie ist Geschäftsführerin des Institutes für Medizinische Anthropologie und Bioethik (IMABE), das seit seiner Gründung 1988 den Dialog von Medizin und Ethik in Forschung und Praxis auf Grundlage des christlich-humanistischen Menschenbildes fördert.

 

Dass jeder Mensch, unabhängig von seinem Können, Verhalten oder Aussehen die gleiche unantastbare Würde besitzt, sei heute nicht mehr selbstverständlich. Das trifft Menschen mit Behinderung, aber auch gebrechliche alte oder auch schwer kranke Menschen.


Hat deren Leben Sinn? „Diese Frage ist schon falsch gestellt. Es geht nicht darum, dem Leben einen Sinn abzutrotzen, das ist der falsche Zugang“, sagt Susanne Kummer: „Vielmehr müssen wir uns dem Leben öffnen, es berühren – dem Leben in all seinen Ausprägungen. Dann erschließt sich der Sinn von alleine – jenseits eines Nutzen-Denkens.“

 

In schwierigen Situationen komme man da schon mal an seine Grenzen. Doch: „In der Begegnung mit dem Bedürftigen verdichtet sich, was jeder von braucht, wonach sich jeder sehnt: bedingungslos angenommen zu werden, einfach so, wie man ist!“ Dass uns dieses Akzeptieren des Normbrechenden oft so schwerfalle, habe auch mit der Angst vor Kontrollverlust zu tun. Letztlich ginge es um das Aushalten-Können eines Krisenmoments. „Dass eine Krise auch eine Chance sein kann, dass man an ihr und mit ihr wachsen kann, das ist in unseren Köpfen kaum verankert.“

 

Ein neuer Zugang zum Leben

„Letztlich  geht es darum zu verstehen, dass Menschen, die anders sind, deshalb nicht weniger wert sind“, sagt Andrea Strachota: „Und um das zu erreichen, dürfen Menschen mit Behinderung nicht ausgegrenzt werden. „Wir müssen einen neuen Zugang zum Leben finden“, sagt Susanne Kummer: „Das Leben ist keine Maschine: alles läuft, wie ich es plane – das ist einfach Utopie! In Wahrheit ist es anders: Weil wir alle vulnerabel sind, tragen wir füreinander Verantwortung.“

 

Wie lässt sich aber dieser andere Zugang zum Leben finden? 

 

„Ich denke, dass wir als Gesellschaft Erfahrungen zulassen müssen, die sich jenseits des Perfekten abspielen. Und ob wir das können oder nicht, hat letztlich wohl auch mit Transzendenz zu tun. Wenn ich davon überzeugt bin, dass nicht alles in meiner Hand liegt, dass ich gehalten und getragen werde, dann sehen wir wohl auch die Herausforderungen des Lebens anders.“

erstellt von: Der SONNTAG / Andrea Harringer
01.02.2018
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Filmkritik:

„Wie wir lernen, gut zueinander zu sein“


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Sterbeverfügungsgesetz - schwere Bedenken

Laienrat hält Gesetzesvorlage in der derzeitigen Form für verfassungswidrig. Schwerwiegende Bedenken u.a. auch vom Institut für Ehe und Familie und dem Salzburger Ärzteforum.

Bischof Glettler: Suizidbeihilfe - "kultureller Dammbruch"

Innsbrucker Bischof in Allerheiligenpredigt: "Dass daraus ein gesellschaftlicher Normalfall wird, ist zu erwarten."

Respekt und Kritik zur Vorlage für ein neues Sterbeverfügungsgesetz

Der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler, für Lebensschutzfragen zuständiger Bischof respektiert Bemühen um eine verantwortungsvolle Regelung, lobt Ausbau der Palliativ- und Hospizversorgung, zeigt sich aber enttäuscht über vertane Chancen bei der Suizidprävention.

"Pro Life Tour": Für Lebensschutz drei Wochen lang durch Österreich

Jugendliche marschieren für "Menschenrechte von Anfang an" von Salzburg nach Klagenfurt und stellen sich gegen das "Menschenrecht auf Abtreibung".

Sterbehilfe: Schlussbericht des "Dialogforums" veröffentlicht

Sterbehilfe: Schlussbericht des "Dialogforums" veröffentlichtKonsens bei Forderung nach Hospiz, geregeltem Ablauf und Sicherstellung der freien Willensfähigkeit, deutliche Differenzen bei Wartezeit und durchführenden Personen. Gesetzesvorschlag der Regierung verzögert sich.

Heilige Messe zum Schutz des Lebens mit Weihbischof Scharl

Anlässlich des Tages für das Leben feiert Weihbischof Franz Scharl am 2. Juni 2021 um 18 Uhr die Hl. Messe in der Kirche St. Josef ob der Laimgrube, 6., Windmühlgasse 3.

Bischöfe mahnen: Assistenz zum Leben statt Hilfe zur Selbsttötung

Erklärung der Bischofskonferenz zum "Tag des Lebens" (1. Juni) nennt Erwartungen für künftiges Suizidbeihilfe-Gesetz:  Suizidwillige vor Einflussnahme Dritter schützen, Palliativ- und Hospizangebote ausbauen, Menschenwürde "nicht der Leistungslogik opfern"

Experten: Solidarische Gesellschaft ist wichtigste Suizidprävention

Experten: Solidarische Gesellschaft ist wichtigste Suizidprävention

Ärzte, Seelsorger und Theologen rufen bei Online-Diskussion in der "Lange Nacht der Kirchen" zu mehr Zuwendung zu Kranken, Alten und Einsamen auf. Bischof Scharl sieht Bewusstseinsarbeit auch in der Kirche nötig.

Turnovszky: Der Tod ist nicht Ende, sondern Vollendung des Lebens

Wiener Weihbischof übt in Niederösterreichischen Nachrichten Kritik an vom Verfassungsgerichtshof aufgehobenen absoluten Verbot des assistierten Suizids.

Sterbehilfe

Sterbehilfe: Dialogforum startet mit Hospiz und Palliativversorgung

Kirchenvertreterin im Forum, Merckens: Ausbau, finanzielle Absicherung und Rechtsanspruch auf Hospiz und Palliativversorgung vor der Suizidbeihilfe-Freigabe unbedingt notwendig.

Suizidbeihilfe: Experten fordern Schutzkonzept und Palliative Care

Mediziner Watzke kritisiert massive Unterversorgung mit Palliativmedizin. Ex-Behindertensprecher Huainigg fordert Hilfen für selbstbestimmtes Leben.

Glettler kritisiert "Manipulation" in Sterbehilfe-Umfrage

Lebensschutz-Bischof in "Tiroler Tageszeitung" bemängelt Formulierung der von Sterbehilfe-Gesellschaft beauftragten Befragung. Auch früherer Ärztekammer-Präsident hinterfragt Ergebnisse.

Ethikerin warnt vor Auffassung von Altwerden als "Krankheit"

Untersuchungen in Benelux-Staaten zeigen dramatischen Anstieg von Fällen aktiver Sterbehilfe bei älteren Menschen ohne schwere Erkrankung. IMABE-Geschäftsführerin Kummer hinterfragt Konzept des "selbstbestimmten Todes".

Suizidbeihilfe: Familienverband fordert Maßnahmen gegen Missbrauch

KFÖ-Präsident Trendl fordert Ausbau mobiler und stationärer Palliativmedizin sowie von Telefonseelsorge. Appell an Gesetzgeber und Regierung für flankierende Maßnahmen zum assistierten Suizid.

"Jugend Eine Welt": Corona trifft auch 2021 unschuldige Kinder

Katholische Hilfsorganisation rechnet mit Folgeschäden der Pandemie wie armutsbedingte Bildungsabbrüche und mehr Kinderarbeit.

Scharl: Kein schwarzes Loch fürs Töten bohren

Mit dem Erkenntnis des Österreichischen Verfassungsgerichtshofes (ÖVfGH) von vergangener Woche wird ein erstes kleines schwarzes Loch für das Töten als Beenden menschlichen Lebens zu bohren versucht.

Nach VfGH-Urteil: Ethiker warnt vor weiterer Entsolidarisierung

Ethiker Weiß: Entscheid ist "konsequente Entwicklung in einer Gesellschaft, in der Autonomie als der höchste Wert verstanden wird". Schattenseite der Überhöhung der individuellen Autonomie ist aber Gleichgültigkeit.

Assistierte Suizid: Kritik an VfGH-Entscheidung

Salzburger Ärzteforum warnt im Blick auf Länder wie Benelux-Staaten, Schweiz und Kanada vor weitreichenden negativen Folgen der Aufhebung des Verbots an Suizid-Mitwirkung. Auch Ärztekammer sieht falschen Schritt.

Kardinal Schönborn: Töten darf nicht zur Gewohnheit werden

Kardinal Christoph Schönborn äußert in der "Kronenzeitung" heute Sonntag die Hoffnung, dass das Parlament nach dem am Freitagabend vom Verfassungsgerichtshof aufgehobenen Verbot der Sterbehilfe „mit Weisheit nach guten Lösungen sucht."

H?nde einer alten und einer jungen Frau.      Wien, 29.9.2004         ? Franz Josef Rupprecht; A-7123 M?nchhof; Bank: Raiffeisenbank M?nchhof (BLZ: 33054), Konto.-Nr.: 17.608

Erzbischof Lackner: Sterbehilfe-Urteil ist Kulturbruch

Vorsitzender der Bischofskonferenz, Erzbischof Lackner, reagiert mit "Bestürzung" auf Urteil des Verfassungsgerichtshofs. Für Kirche gilt: "Der Mensch soll an der Hand eines anderen, aber nicht durch die Hand eines anderen sterben"

Sterbebegleitung – Beistand bis zum Ende

"Das Leben ist lebenswert, bis zum Schluss", sagt Monika. Die diplomierte Krankenschwester begleitet Todkranke in ihren letzten Stunden.

Bischof bei "Marsch fürs Leben": Verbot von Sterbehilfe beibehalten

Emeritierter Bischof Küng: "Unabhängig davon, ob jemand an Gott glaubt oder nicht, betrifft die Auffassung, dass das menschliche Leben ein unantastbares Gut ist, das Wesen des Menschen und der menschlichen Gesellschaft".

Turnovszky: Aktive Sterbehilfe kein Akt der Barmherzigkeit

Wiener Weihbischof appelliert zu mehr gesellschaftlichen Investitionen für "Aufmerksamkeit, Nähe und Zeit" am Lebensende.

Hände

Sterbehilfe: Experte warnt vor Rechtfertigungsdruck auf Kranke

Deutscher Arzt und Psychotherapeut Bauer in "Der Sonntag"-Interview gegen Freigabe kommerzieller Sterbehilfe. In besonderen Einzelfällen ethische Vertretbarkeit einer Sterbehilfe nicht völlig ausgeschlossen.

Sterbehilfe: Weitere Warnungen vor Lockerung nicht nur aus Kirche

Wiener Ärztin und frühere SP-Gesundheitsstadträtin Pittermann warnt vor Tabubruch und Missbrauch. Wiener Katholischer Familienverband strikt gegen Legalisierung aktiver Sterbehilfe. Benelux-Daten "ernüchtern".

Suizidbeihilfe: Bischöfe warnen erneut vor Aufhebung des Verbots

Kardinal Schönborn: "Das Sterben darf nicht zum Geschäft werden". VfGH verhandelt Donnerstag über mögliche strafrechtliche Lockerungen.

Vor VfGH-Verhandlung: Weitere Experten warnen vor Suizidbeihilfe

Bioethiker, Moraltheologen, Bischöfe und Ordensvertreter sprechen sich für Beibehaltung der aktuell gültigen Rechtslage zum Lebensende aus.

"Aktion Leben": Wien lässt viele schwangere Frauen im Stich

Stadt informiert Schwangere nicht über kostenlose und qualitätsgesicherte Beratungs- und Hilfsangebote des unabhängigen Vereins. Neue Werbeoffensive mit City Lights.

Ein bisschen töten gibt es nicht

Am Ende darf man dann wie in Belgien Kinder oder wie in den Niederlanden Demente töten – also Menschen, die gar keine mündige Zustimmung zu ihrer Tötung geben können.

"Aktion Leben": Klares "Nein" zu Sterbehilfe

Statt Lockerung der aktiven Sterbehilfe Ausbau der Palliativ- und Hospizbetreuung.

Sterbehilfe: Familienverband gegen "Geschäft mit dem Tod"

Im Hinblick auf anstehendes VfGH-Urteil publiziert Katholischer Familienverband Stellungnahmen von Ex-ÖVP-Behindertensprecher Huainigg und katholischer Publizistin Kaiser.

"Aktion Leben" fordert Kinderrechte auch für Ungeborene

Generalsekretärin Kronthaler: Es ist an der Zeit, die Kindheit in ihrer Gesamtheit zu achten und zu schützen. UN-Kinderrechtskonvention feiert am 2. September 30-jähriges Bestehen.

"Pro Life Tour" 2020 endet mit Forderung "Hilfe statt Abtreibung"

Jugendliche Lebensschützer legten in drei Wochen zu Fuß 342 Kilometer durch vier deutschsprachige Länder Europas zurück.

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