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02.10.2019 · Kardinal · Weltkirche

Kardinal Schönborn: "Diese Synode darf nicht für die Katz sein"

Schönborn: „Es geht um die Zukunft des Planeten. Der Papst und wir wollen mit dieser Synode wirklich klare Ergebnisse für Umwelt und Klimaschutz erzielen.“ „Angesichts der Dramatik der ökologischen und humanen Weltsituation sind für mich die innerkirchlichen Fragen sekundär.

Vom 6. bis 27. Oktober beraten in Rom Bischöfe und andere Kirchenvertreter über zentrale Fragen des Amazonasgebiets. Dabei geht es um kirchliche Fragen und Herausforderungen, vor allem aber um Fragen zu Ökologie und Umweltproblematik. Damit könnte diese Synode richtungsweisend für die gesamte Weltkirche und darüber hinaus werden. Das Treffen findet auf Einladung von Papst Franziskus statt und unser Kardinal Christoph Schönborn wird daran teilnehmen. Im Interview mit dem SONNTAG findet er klare Worte.

Wenn Papst Franziskus sowie Dutzende Bischöfe und Experten aus aller Welt ab dem 6. Oktober im Vatikan über den Amazonas-Regenwald und die dortigen Indigenen sprechen, gerät dies in vielerlei Hinsicht zu einem Politikum.

 

Zuletzt wurde die weltpolitische wie innerkirchliche Kulisse der Sondersynode für Amazonien noch bedeutender. Brennende Regenwälder und spürbare globale Auswirkungen der Klimaerwärmung, bis hin zur Frage, ob es in der römisch-katholischen Kirche bald verheiratete Priester oder Diakoninnen geben wird: All dies sorgte bereits in den vergangenen Monaten immer wieder für Diskussionen – und deshalb für Aufmerksamkeit.

 

Der Titel der Synode lautet: „Amazonien - Neue Wege für die Kirche und für eine ganzheitliche Ökologie.“ Insgesamt geht es dabei um drei zentrale Themenschwerpunkte: Ökologie Amazoniens, Kultur und Rechte der Indigenen sowie kirchliche Seelsorge.


Hohe Erwartungshaltung

Obwohl die Synode speziell auf das Amazonasgebiet zielt, sind die Erwartungen insgesamt bereits im Vorfeld sehr hoch gesteckt, wie unser Kardinal Christoph Schönborn im Interview betont.

 

Seiner Ansicht nach muss die Kirche dort vor allem Antworten auf die verschärfte klimatische Situation liefern: „Es ist eine Notsituation, wenn man etwa an die Anzahl der Waldbrände, das Abschmelzen der Polkappen, die Verschmutzung durch Mikroplastik und die Gefahr von Missernten denkt. Die Synode muss initiativ und prophetisch sein im Blick auf die grundlegende human-ökologischen Themen, sonst ist sie für die Katz“, sagt der Wiener Erzbischof.

 

Auch unser Papst Franziskus selbst misst dem dreiwöchigen Bischofstreffen große Bedeutung und Dringlichkeit zu. Das Amazonas-Gebiet sei eine entscheidende Region, nicht nur weil von dort ein Großteil des weltweiten Sauerstoffs stamme, sagte das Kirchenoberhaupt Anfang August in einem Zeitungsinterview. Eine Entwaldung Amazoniens bedeute, „die gesamte Menschheit zu töten“, so der Papst.


Klare Zielvorstellung

Wir fragen Kardinal Christoph Schönborn, mit welchem Ziel er an der Synode teilnimmt.

 

Schönborn: „Es geht um die Zukunft des Planeten. Ich möchte deshalb nicht hineingehen und erklären, was wir in Österreich alles tun. Denn alles, was man lokal tut, ist global betrachtet nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Meine Rolle sehe ich in erster Linie darin, zuzuhören und dann mit zu überlegen, wie wir als Kirche Mitverantwortung für einen der zentralen Orte für die globale Zukunft übernehmen können. Der Papst und wir wollen mit dieser Synode wirklich klare Ergebnisse für Umwelt und Klimaschutz erzielen.“


Verheiratete Priester und Diakonat für Frauen

Neben den hohen Erwartungen, die die Teilnehmer der Synode in Bezug auf Umwelt und Klimaschutz hegen, wird ebenfalls mit großer Spannung ein Diskurs über mögliche verheiratete Priester (viri probati) und weibliche Diakone in der römisch-katholischen Kirche erwartet. Gerade in Amazonien leiden viele Diözesen unter einem eklatanten Priestermangel.

 

Schönborn: „Ja. Der Papst erwägt diese Fragen und sie werden bei der Synode zur Sprache kommen. Zum Studium über das Diakonat von Frauen in der Geschichte hat der Papst ja eine Kommission einberufen. Dazu hat es noch keinen offiziellen Abschluss gegeben, aber es scheint klar, dass der historische Befund keine klare Orientierung gibt. Und was das Thema von bewährten verheirateten Männern für den priesterlichen Dienst anbelangt, wird ebenfalls seit Jahrzehnten immer wieder gesprochen. Und es gibt damit Erfahrungswerte, etwa verheiratete anglikanischen Kleriker, die dann katholische Priester geworden sind. Oder die ständigen Diakone. Das sind viri probati, die sich in Familie und Beruf bewährt haben, und als geweihte Diakone ihren Dienst in der Kirche verrichten. Ob man das generell auf den priesterlichen Dienst umlegen kann, ist eine Frage, die in der Synode sicher angesprochen wird.“

 

Der richtige Fokus

Gerade weil die Fragen rund um viri probati und um das Diakonat für Frauen bereits im Vorfeld für so viel Diskussion sorgen und innerkirchlich stark polarisieren, möchte Kardinal Schönborn den zentralen Fokus der Synode hervorheben:

 

„Angesichts der Dramatik der ökologischen und humanen Weltsituation sind für mich die innerkirchlichen Fragen sekundär. Es wäre kein starkes Zeichen, wenn die Amazonas-Synode sich primär damit befasst, ob Priester heiraten dürfen oder nicht. Das sind sicher Fragen, die wichtig sind und denen wir uns stellen werden, aber nicht, wenn es in Wahrheit um das langfristige Überleben der Menschen und um die Frage der globalen Zukunft insgesamt geht. Da muss jetzt der Fokus liegen.“

erstellt von: Der SONNTAG / Michael Ausserer und Kathpress
02.10.2019
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Weitere Informationen:

5 Fakten zur Amazonas-Synode

  • Worum geht es?

Im Mittelpunkt stehen die Lage der Menschen im Amazonasgebiet und Herausforderungen für die katholische Kirche.

 

Akzente liegen auf den Problemen, die sich durch die Ausbeutung der Rohstoffvorkommen wie Holz, Erdöl, Gas und Edelmetalle und durch Monokulturen vor allem für die indigene Bevölkerung ergeben.

 

Daneben soll auch über die Weihe verheirateter Familienväter, die Übertragung von Leitungsaufgaben an Laien und neue Ämter für Frauen diskutiert werden.
    

  • Wer nimmt teil?

In erster Linie Ortsbischöfe der betreffenden Region – also Amazonas. Außerdem die Spitzen von sieben Bischofskonferenzen, Vertreter der römischen Kurie, Ordensdelegierte und vom Papst direkt persönlich ernannte Teilnehmer. Aus Österreich nehmen Kardinal Christoph Schönborn und der emeritierte Bischof Erwin Kräutler teil.

 

  • Wie läuft die Synode ab?

Die Beratungen selbst umfassen vor allem Plenardebatten, an denen auch der Papst teilnimmt. Darüber hinaus gibt es Kleingruppenarbeit. Dazu werden die Teilnehmer nach Sprachgruppen eingeteilt, damit sich diese in Kleingruppen austauschen und Ergebnisse erarbeiten.
    

  • Bedeutung für Österreich?

Das Amazonasbecken weist das zweitgrößte Waldgebiet der Erde auf und spielt somit eine wichtige Rolle für das Klima des gesamten Planeten. Rodung und Umweltverschmutzung in dem ökologisch sensiblen Gebiet haben globale Auswirkungen, unter denen wir auch in Österreich leiden.
    

  • Erwartbare Ergebnisse?

Die Synodenteilnehmer verabschieden ein Schlussdokument für den Papst. Eine rechtliche Wirkung hat das Dokument zwar nicht. Aber üblicherweise stützt sich der Papst darauf bei der Abfassung eines nachsynodalen Schreibens, das dann sehr wohl weltkirchliche Relevanz hat.

 

Radiotipp

Das Interview mit Kardinal Christoph Schönborn über die Amazonassynode können sie huete, Mi, 2.Oktober 2019, 17:30 Uhr, in der Sendung von Stefan Hauser auf Radio Klassik Stephansdom hören.

 

 

 

 

weitere Informationen zu

 

Der SONNTAG
die Zeitung der Erzdiözese Wien
Stephansplatz 4/VI/DG
1010 Wien
T +43 (1) 512 60 63
F +43 (1) 512 60 63-3970

E-Mail-Adresse: redaktion@dersonntag.at

 

 

 

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