Seit 20 Jahren gibt es in Österreich bei der Diagnose "Unheilbar krank" unterstützende Angebote. Die Begleitung am Lebensende durch Hospiz und Palliativmedizin etabliert sich seither immer mehr an den Spitälern, bei mobilen Diensten und auch in der Ausbildung von Ärzten, zeigten sich Mediziner und Fachexperten am Mittwoch, 10. Oktober 2012, in einer Pressekonferenz in Wien zufrieden mit der Entwicklung. 264 Hospiz- und Palliativeinrichtungen gibt es derzeit in Österreich. Dennoch wird damit bereits heute nur ein Bruchteil des Versorgungsbedarfes abgedeckt, der in Zukunft noch steigen wird.
Drei Grundbedürfnisse der Patienten müssten berücksichtigt werden, so Primar Michael Preitschopf, Leiter der Palliativstation St. Raphael des Wiener Ordenskrankenhaus "Göttlicher Heiland": "Die Menschen wollen am Lebensende schmerz- und symptomfrei sein und nicht leiden müssen. Sie brauchen eine Begleitung durch einen Gesprächspartner und vor allem auch Integration, also ein vertrautes Umfeld. Doch 80 Prozent sterben in Österreich in Pflegeanstalten oder Krankenhäusern." Teils versucht die Palliativmedizin deshalb, den Patienten zur Bewältigung seiner Situation zu befähigen und schafft in Absprache mit der Familie den Übergang zu mobilen Diensten oder Hauskrankenpflege. Eine zweite Aufgabe ist die Sterbebegleitung in der letzten Phase.
Dass die Palliativ-Betreuung auch messbare Vorteile bringt, zeigte Herbert Watzke, Präsident der österreichischen Palliativgesellschaft, anhand einer US-Studie von 2010 auf: "Umfassende palliative Versorgung, die schon ab der Krankheitsdiagnose beginnt, erhöht die Lebenserwartung und verbessert zugleich die Lebens- und Sterbesituation", erklärte Watzke. Seit der Studie sei die "Early Palliative Care" im Trend: "Je früher man mit dem Patienten über den Krankheitsverlauf spricht und umfassend Symptome und Komplikationen managt, umso positiver ist der Krankheitsverlauf. Man nimmt dem Patienten dadurch nicht Hoffnung, sondern lindert vielmehr Beschwerden wie etwa Depressionen."
Aus dem ersten stationären Hospiz 1992 und der Gründung des Dachverbandes Hospiz durch die Hospiz-Pionierin Schwester Hildegard Teuschl wurden mittlerweile 264 Hospiz- und Palliativeinrichtungen in Österreich - die meisten davon ehrenamtliche Hospizteams und mobile Palliativteams, dazu drei Tages- und zwei stationäre Hospize sowie 29 Palliativstationen mit insgesamt 259 Betten. Österreich ist damit EU-weit im guten Mittelfeld, erklärte Anna Pissarek vom Dachverband der Palliativ- und Hospizeinrichtungen. "Problematisch ist derzeit die fehlende Kompetenzklärung zwischen Sozial- und Gesundheitsbereich und den Sozialversicherungen, zwischen Bund und Ländern. Vor allem bei stationären Hospizen gibt es großen Nachholbedarf." Wie Primar Preitschopf bekräftigte, fehlt damit vielen palliativ betreuten Patienten Möglichkeiten der Anschluss-Versorgung.