Als "tiefgläubigen Menschen", der "persönliche Religiosität und professionellen Journalismus" miteinander verbunden hat, hat ORF-Religionsjournalist Martin Gross den am Dienstag, 17. April 2012, verstorbenen ORF-Moderator Dieter Dorner gewürdigt. Dorner war - obwohl schon seit Jahren in Pension - bis zuletzt "die Stimme" der Evangelienperikope in der sonntäglichen ORF-Radiosendung "Erfüllte Zeit". Über diese Tätigkeit habe Dorner einmal gesagt, sie sei "das wichtigste, was ich im Radio gemacht habe".
Verabschieden werde man sich von Seiten der "Erfüllten Zeit" mit zwei eigenen Sendungen zu Dorner an den beiden kommenden Sonntagen (22. und 29. April) auf Ö1 (Beginn jeweils um 7.05 Uhr), kündigte Gross als zuständiger Redakteur an.
Laut Medienberichten ist Dorner am Dienstag im 69. Lebensjahr in Griechenland am Berg Athos gestorben, wo er seit Jahrzehnten ein gern gesehener Gast war. Im Athos-Kloster Hilandar war Dorner getauft worden; als das Kloster im März 2004 brannte, organisierte er eine Hilfsaktion zum Wiederaufbau.
Dorner war langjähriger Moderator im ORF-Radio Steiermark und einer der Mitbegründer von Ö3. Der gebürtige Wiener galt als ausgewiesener Kenner von Musik - und der Mönchsrepublik Athos, wo er oft die Osterzeit verbrachte. Er war auch Bioweinbauer in der Südsteiermark.
Darüber hinaus war Dorner kirchlich aktiv; so war er immer wieder als Moderator oder Lektor bei Veranstaltungen wie etwa der "Langen Nacht der Kirchen", der "Nacht der Bibel" oder bei Diskussionsveranstaltungen tätig. Eng verbunden war er auch der steirischen "Weizer Pfingstvision" und der daraus hervorgegangenen Initiative "Way of hope".
Als besonders prägende Erfahrung erinnert sich Gross an eine Szene, in der Dorner im Rahmen einer ORF-Radioproduktion das vor allem in der orthodoxen Tradition verbreitete sogenannte "Herzensgebet" - auch Jesusgebet genannt - einsprechen sollte. Dorner habe sich ins Studio gesetzt, die Techniker und Anwesenden um eine Minute Ruhe gebeten, die Augen geschlossen und gebetet. "Jeder hat gespürt, dass er das jetzt nicht nur runterliest, sondern wirklich betet", so Gross.
Nach dem Tod Dorners soll auch seine Stimme als Evangeliensprecher verstummen, teilte Gross weiter mit. Man werde sich auf die Suche nach einer neuen Stimme machen - vermutlich einer männlichen und einer weiblichen. "Seine Stimme wird aber nur schwer zu ersetzen sein", ist Gross überzeugt.
Dorner wurde 1943 in Wien geboren, er studierte an der Akademie für darstellende Kunst in Graz Schauspiel und Regie. 1965 gründete und leitete er das Junge Theater Graz. Bei zahlreichen, mittlerweile mit Legendenstatus versehenen Radioproduktionen wirkte er federführend mit: Als Gründungsmitglied von Ö3 moderierte er unter anderem den "Ö3 Wecker", "Wer weiß mehr" und andere Sendungen. Ab 1975 wurde er beim ORF mit dem Aufbau der ersten Konsumentenredaktion "help" betraut - die Sendung begann stets mit den prägnanten ersten Takten des gleichnamigen Beatles-Songs.
Ab 1981 leitete er beim ORF Kärnten die Abteilungen Jugend, Gesellschaft und Familie sowie Religion. 1987 wurde Dorner in Wien Hauptabteilungsleiter für Unterhaltung und Ö3-Programmleiter. Bis zu seiner Pensionierung war er auch als Moderator bei Radio Steiermark tätig. 1992 zog er sich weitgehend zurück und wirkte nur noch zeitweise als Moderator. Dorner erhielt zweimal das goldene Mikrofon für herausragende Moderatorenleistung und den österreichischen Naturschutzpreis "Grüner Ast" für Berichte zu landschaftsgerechtem Bauen.