Samstag 17. Januar 2026
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Saudische Fatwa gegen Kirchen "inakzeptabel"

(23.03.2012) Der Großmufti hat zur Zerstörung aller Gotteshäuser aufgerufen. Die Bischofskonferenz verlangt von muslimischen Verantwortlichen eine klare Zurückweisung dieses Rechtsgutachten.

Vor dem Hintergrund des am Freitag, 23. März 2012, begangenen "Schweigemarsches für verfolgte Christen", an dem auch Kardinal Christoph Schönborn teilnimmt, haben Österreichs Bischöfe am Freitag scharfe Kritik an einem extrem christenfeindlichen Rechtsgutachten (Fatwa) des Großmuftis von Saudi-Arabien geübt. In der in Tainach/Tinje verabschiedeten Erklärung heißt es, man erwarte von den religiösen und politischen Führungskräften der muslimischen Welt eine klare Zurückweisung der betreffenden Aussage. Die Bischöfe verweisen dabei auch auf den Versuch des saudischen Königshauses, sich dialogbereit zu positionieren - unter anderem durch das von Riad finanzierte neue Wiener Interreligiöse Dialogzentrum.

 

Völlig inakzeptabel und auch nicht nachvollziehbar

Großmufti Scheich Abdul Aziz bin Abdullah (Abd al-Aziz Ibn Abdullah Al asch-Schaich) hatte vor kurzem auf eine Anfrage kuwaitischer Abgeordneten erklärt, es sei verboten, weitere Kirchen auf der Arabischen Halbinsel - also auch in den Golfstaaten - zu bauen. Der Mufti forderte zudem die Zerstörung sämtlicher Kirchen um Saudi-Arabien, "da es zu viele gebe".

Ein solcher Erlass sei für "völlig inakzeptabel und auch nicht nachvollziehbar", die die Bischöfe. Er widerspreche zudem verschiedenen Initiativen des interreligiösen Dialogs, die es auf der arabischen Halbinsel gebe.

Wörtlich heißt es: "Wir verlangen eine offizielle Erklärung und eine eindeutige Bejahung des Existenzrechts der Kirchen und Christen in dieser Region." So wie die katholische Kirche in Österreich und überall auf der Welt für die Religionsfreiheit eintritt, erwarte sie umgekehrt, dass auch auf der arabischen Halbinsel das Recht auf Religionsfreiheit beachtet und respektiert wird.

Wenn eine Fatwa wie die des saudischen Großmuftis erlassen werde, würden Christen nicht nur auf der Arabischen Halbinsel, sondern auf der ganzen Welt verunsichert. "Gerade in einer Zeit, in der durch die arabischen Revolutionen die ganze Region in Aufruhr steht, helfen den Menschen solche Erklärungen nicht. Vielmehr droht dadurch eine gefährliche Verschärfung der ohnedies schon so schwierigen und bedrohlichen Situation von Christen in arabischen Ländern", so die Stellungnahme der Bischofskonferenz.

Die Fatwa stelle zudem die Ernsthaftigkeit eines interreligiösen Dialogs grundsätzlich in Frage. König Abdullah habe Anstrengungen für diesen Dialog unternommen und den Kongress zur Förderung des interreligiösen Dialogs in Madrid (2008) und die Gründung des Interreligiösen Dialogzentrums in Wien (2011) initiiert. Hier gebe es offenbar einen Widerspruch zwischen den Dialogbestrebungen des Königs und den Bestrebungen seines obersten Muftis.

Die rasante wirtschaftliche Entwicklung Saudi-Arabiens und der Golfstaaten sei maßgeblich der Hilfe von Millionen auswärtiger Spezialisten und Arbeitskräfte zu verdanken, erinnern die Bischöfe. Unter ihnen seien mehr als drei Millionen Christen, und diese gehörten zu den zuverlässigen Mitarbeitern an diesem Aufbau. "Abgesehen von der eklatanten Verletzung der Menschenrechte und der Religionsfreiheit wäre es eine Beleidigung der in Arabien lebenden ausländischen Bevölkerung, ihnen die wenigen Gottesdienststätten wegzunehmen und zu zerstören", so die Erklärung.

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