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Man muss auch loslassen können

(22.08.2011) In der Urlaubszeit könne man sich in das "Loslassen" von vermeintlich unersetzlichen Dingen einüben, so Bischofsvikar Karl Rühringer.

Die Zeit vor dem Urlaub sei in der Arbeitswelt oft hektisch - die laufenden Geschäfte müssen für die Zeit der Abwesenheit gesichert sein. Doch es gebe etwas, das oft nicht kalkuliert werde, so Bischofsvikar Karl Rühringer, der am Sonntag, 21. August 2011, seine letzte Predigt im Wiener Stephansdom als amtierender Bischofsvikar des Vikariates Wien-Stadt hielt, nämlich die Möglichkeit, endgültig nicht mehr zurückzukehren. So wie es beim Propheten Jesaja in der Lesung hieß: "Ich verjage dich aus deinem Amt, ich vertreibe dich von deinem Posten." Es kommt zu einem Führungswechsel. Ein Abgang ohne Wiederkehr.

 

Revolutionen und Umstürze

"Der hohe Realitätsbezug des Prophetenwortes wird uns deutlich, wenn man auf aktuelle Revolutionen und politische Umstürze schaut. Die Bilder, wie Großportraits des ägyptischen Herrschers Mubarak abgehängt wurden, gingen im Frühjahr um die Welt und es gibt wohl andere, die wir im Augenblick sofort nennen könnten, von denen man sich wünscht, es möge ihnen ähnlich ergehen. Vielleicht denken wir an den Diktator Assad in Syrien oder Gaddafi in Libyen", so der Bischofsvikar. Man brauche nur auf aktuelle Revolutionen und politische Umstürze schauen: Herrscher und ihre Familien, etablierte politische Seilschaften mussten in diesem Jahr schon reichlich ihre Plätze räumen - und oft sehr schnell.

 

Unterbrechung des Alltags

Plötzliche Umbrüche seien nicht nur in der Politik denkbar, sondern auch im Alltag oder im Berufsleben. Karl Rühringer verabschiedet sich Anfang September von seinem Amt als Bischofsvikar von Wien-Stadt. Er meinte, dass Menschen, die sich auf den Ruhestand vorbereiten, Fragen kennen würden wie: Geht es weiter ohne mich? Bin ich austauschbar, oder doch unersetzlich? "Es fällt wohl sehr schwer sich ganz darauf einzulassen, dass andere einmal an meine Stelle treten werden, meine Aufgaben übernehmen werden, in die Beziehungen eintreten, die ich jetzt präge und gestalte. Aber es wird kommen."

 

Man müsse lernen, loslassen zu können. Im Beruf, im Alltag und auch vom Besitz.  Das sei eine ernstzunehmende Lebensaufgabe. Zum Einüben des "Loslassens" sei der Urlaub geeignet, so Bischofsvikar Rühringer abschließend, denn er unterbreche das Eingefahrene des Alltags.

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