"Mein Hang zum Katholizismus rührt von meiner Kindheit her und ist ein bleibendes und mich berührendes Gefühl geworden." Diesen Satz schrieb der damals 51-jährige Franz Liszt am 30. August 1863. Der Glaube hat Franz Liszt Zeit seines Lebens geprägt - privat und musikalisch. Welche religiösen Persönlichkeiten den Komponisten im Denken und musikalischen Schaffen beeinflusst hatten, zeigt das Diözesanmuseum Eisenstadt in der Ausstellung "Abbé Liszt - Mensch und Musik im Spannungsfeld des Glaubens".
Das Diözesanmuseum in Eisenstadt wurde nicht willkürlich für diese Ausstellung ausgewählt. "Das Museum im Franziskanerkloster ist einer der Originalschauplätze aus dem Leben des Komponisten Franz Liszt", erklärt Museumsleiter Bernhard Weinhäusel.
Franz Liszt war von Kindheit an ein tief religiöser Mensch. Er wurde nicht nur religiös erzogen, Mitglieder der Familie Liszt engagierten sich aktiv in der katholischen Kirche. Dies bezeugt das originale Taufbuch seines Vaters Adam Liszt zu Beginn der Ausstellung.
Viele religiöse Gestalten und Heilige haben das Denken und Handeln Franz Liszts beeinflusst. Das ist auch das Konzept der Schau im Dommuseum Eisenstadt. Anhand religiöser Persönlichkeiten wird der Bezug zu Franz Liszts tiefem Glauben hergestellt. Ein Heiliger, der den Komponisten geprägt hat, ist Martin von Tours. "Aufgrund seines Vorbildes lebte Liszt die christliche Nächstenliebe konkret, indem er zahlreiche Benefizkonzerte in ganz Europa gab, finanziell sehr großzügig gegenüber Verwandten, Schülern und Schülerinnen war und später auch kostenlos unterrichtete", betont Bernhard Weinhäusl, Leiter des Diözesanmuseums Eisenstadt. Im Hauptraum der Ausstellung sind Gemälde weiterer Heiliger ausgestellt, die Franz Liszt geprägt hatten. Der heilige Franziskus besaß für den jungen Liszt alle bewundernswerten Eigenschaften. 1862 komponierte Franz Liszt zu Ehren des heiligen Franziskus den "Sonnengesang - Il cantico de sole di San Francesco d'Assisi".
Der heilige Franz von Assisi hatte Franz Liszt so stark geprägt, dass er 1857 schließlich Mitglied des Franziskanerordens wurde. Als Konfrater war er also mit einem Diplom Gönner des Franziskanerordens geworden. Pater Stanislaus Albach aus dem Franziskanerkloster in Eisenstadt war schon ein enger Freund und Vertrauter von Liszts Vater. In Albachs Tagebuch finden sich Einträge über Liszts Besuche. "Diese seit Kindertagen bestehende Freundschaft hat Franz Liszt veranlasst, dem Pater drei seiner ersten kirchenmusikalischen Kompositionen zu widmen", erklärt Bernhard Weinhäusl. Den Höhepunkt seiner Verbundenheit zum Franziskanerorden stellte schließlich die Verleihung der vier Niederen Weihen 1865 dar. Die Motive und Hintergründe für diesen Schritt waren vielschichtig: Abgesehen von der starken familiären und emotionalen Verbindung zum Franziskanerorden, spielten auch berufliche Überlegungen eine Rolle. Liszt wollte die Kirchenmusik reformieren und hoffte auf einen kirchenmusikalischen Posten im Vatikan. Seit Empfang der Niederen Weihen trat Franz Liszt ausschließlich in der Abbé-Kleidung auf und lenkte damit wiederum die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich.
Die Ausstellung "Abbé Liszt – Mensch und Musik im Spannungsfeld des Glaubens" im Diözesanmuseum Eisenstadt hat bis 11. November täglich von 9.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Nähere Informationen zum Liszt-Jahr anlässlich seines 200. Geburtstages und weitere Ausstellungen finden Sie unter www.lisztomania.at.