Donnerstag 8. Januar 2026
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"Hier liegt Claudia, die Gattin von Kaiser Leopold"

(12.07.2011) Auch unterhalb der Wiener Dominikanerkirche befindet sich eine Habsburger-Begräbnisstätte.

Nicht viele Menschen würden wissen, dass auch der Wiener Dominikanerkonvent eine Habsburger-Begräbnisstätte beherbergt, erzählt der Prior des Klosters, Pater Viliam Štefan Dóci, im Gespräch mit Erzdiözese-Wien.at. In der Dominikanergruft unter der Kirche Maria Rotunda liegt Kaiserin Claudia Felicitas, die zweite Gemahlin von Kaiser Leopold I.

 

Mitglied des Dritten Dominikanerordens

"Die Tatsache, dass sie bei uns in der Gruft bestattet ist, hängt mit ihrer persönlichen Lebensgeschichte zusammen", erklärt Pater Viliam. "Sie gehörte dem Dritten Orden des heiligen Dominikus an. Die Dominikanerterziaren und -terziarinnen sind Gläubige, die sich von der Spiritualität des Dominikanerordens angesprochen fühlen und nach dieser Spiritualität auch leben wollen. Sie legen eine Art Gelübde ab; damit sind sie auch offiziell mit dem Dominikanerorden verbunden. Normalerweise leben die Mitglieder des Dritten Ordens in der Welt, sie haben ihren Beruf, meist sind sie verheiratet. Das war auch der Fall bei Claudia Felicitas."

 

Kaiserin Claudia Felicitas starb in jungen Jahren

Die Kaiserin ist 1676 im Alter von 22 Jahren gestorben und wurde auf eigenen Wunsch in der Dominikanergruft beigesetzt. Das steht auch auf einer Inschrift in der Gruft: "Sie hat in ihrem Leben den heiligen Dominikus immer im Herzen getragen. Deshalb wollte sie nach ihrem Tod im Dominikanerhabit unter seinen Füßen ruhen." Sie liegt unter dem Dominikusaltar der südlichen Querschiffkapelle der Dominikanerkirche bestattet.

 

Die Dominikuskapelle wurde vom kaiserlichen Hof gestiftet. Man findet dort zwei Hinweise auf die verstorbene Kaiserin: einen goldenen Kaiseradler mit den Initialen "CL"  (für Claudia und Leopold) über dem Dominikusaltar und einen Marmorstein mit lateinischer Inschrift auf dem Boden der Kapelle: "Hic iacet Claudia Leopoldi Caesaris conjunx (Hier liegt Claudia, die Gattin von Kaiser Leopold)".

 

Zinnsarg im schlechten Zustand

"Der Zinnsarg befindet sich heute leider in einem sehr schlechten Zustand. Wir verfügen leider über keine Mittel, um ihn restaurieren zu lassen. Auf dem Sarg der Kaiserin steht eine Zinnurne mit dem Herzen ihrer zweiten Tochter Maria Josepha, sie ist im selben Jahr verstorben", berichtet der Dominikanerpater.

 

In der Gruft liegt auch die Mutter von Claudia Felicitas, Erzherzogin Anna von Medici, begraben. Diese hatte schon als Kind eine starke Beziehung zum Dominikanerorden, denn sie wurde bei den Dominikanerinnen in Florenz erzogen. Sie starb auch 1676, ein paar Monate nach der Tochter.

 

Verhältnis zwischen Kaiserhaus und Dominikanerorden

Man könne von einem mehr oder weniger intensiven Verhältnis aller Wiener Klöster zum Kaiserhof in der Barockzeit sprechen. Es sei auch bei den Dominikanern unter Leopold I. nicht anders gewesen, betont Pater Viliam. "Die Titularfeste des Ordens waren Gelegenheiten, bei denen Kaiser Leopold mit seinem Hof an Gottesdiensten und Predigten in der Dominikanerkirche teilgenommen hat."

 

Es gab zwei Projekte der Dominikaner, die vom Kaiser zu dieser Zeit befürwortet wurden.  Das erste war die Erneuerung des dominikanischen Lebens im Königreich Ungarn. "Leopold als König von Ungarn hat sich bemüht, die religiösen Orden bei der Rekatholisierung des Landes einzusetzen. Unterstützt hat der Kaiser die österreichischen Dominikaner auch am Ende des 17. und zu Beginn des 18. Jahrhunderts, als sie sich von der deutschen Dominikanerprovinz Teutonia trennen wollten", erklärt der Prior des Wiener Dominikanerkonvents.

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