Kirchliche Kindergärten begrüßen den Vorschlag von Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz, ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr einzuführen. Allerdings sollten "alle Kinder ins Boot" geholt werden, wie die St.-Nikolaus-Kindertagesheimstiftung der Erzdiözese Wien am Freitag, 17. Juni 2011, betonte. Geschäftsführer Elmar Walter unterstrich: "Auch Kinder deutscher Muttersprache profitieren vom Kindergarten."
Staatssekretär Kurz hatte am Mittwoch im ORF-Radio ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr vorgeschlagen, und zwar für jene Kinder, die nicht ausreichend gut Deutsch sprechen. Der Vorschlag sei gut aber "zu kurz gegriffen", wenden sich die Wiener kirchlichen Kindergärten gegen eine Spezifizierung der Kindergartenpflicht auf eine Gruppe oder eine "Zwangsverpflichtung" von Kindern mit Migrationshintergrund.
Eine Vorbereitung auf die Schule sei für alle Kinder wichtig, so Walter. Sie könnten im Kindergarten vor Eintritt in die Volksschule spielerisch soziale und sprachliche Entwicklungsrückstände aufholen und soziale Kompetenzen stärken. "Dadurch leisten wir einen großen Beitrag, um allen Kindern den ersten Schritt auf ihrem persönlichen Bildungsweg zu erleichtern", so der Geschäftsführer der diözesanen Kindertagesheimstiftung.
In Wien gebe es eine enorme Nachfrage nach Kinderkrippenplätzen, berichtete Walter. Der beitragsfreie Kindergarten - in Wien werden Kindergarten- und Krippenplätze derzeit für alle Altersgruppen gratis, also nicht nur das verpflichtende Jahr, angeboten - habe zur Aufstockung der Betreuungsplätze beigetragen. Auch die St. Nikolaus-Kindertagesheimstiftung konnte seit 2009 mehrere Kindergärten ausbauen und neu eröffnen. Ende Juni wird etwa ein neuer Kindergarten mit 80 Betreuungsplätzen in Wien-Breitenlee eröffnet.
Zur St. Nikolaus-Kindertagesheimstiftung zählen derzeit insgesamt 78 Standorte in Wien. 750 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betreuen rund 6.000 Kinder.