Montag 12. Januar 2026
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In Brüssel wird "Europäische Sonntagsallianz" gegründet

(19.06.2011) Offizieller Gründungsakt der „Europäischen Sonntagsallianz“ am 20. Juni 2011 in der belgischen Hauptstadt.

"Wir wollen in Brüssel die Lobby für den freien Sonntag sein", erläutert Österreich-Vertreterin Gabriele Kienesberger von der Katholischen Sozialakademie.

Breite Allianz zur Thematik

Der Wunsch nach gerechten und menschenwürdigen Arbeitszeiten und vor allem nach Sonntagsruhe eint neben den Kirchen immer mehr Organisationen und Interessensvertretungen. Manifest wird dieses Anliegen mit der Gründung der "Europäischen Sonntagsallianz" am Montag, 20. Juni 2011, in Brüssel. Repräsentanten mehrerer auf nationaler Ebene bereits bestehender Allianzen, von kirchlichen Gruppierungen, Gewerkschaften, Familienorganisationen u.a. kommen zum offiziellen Gründungsakt der "Europäischen Sonntagsallianz" ("European Sunday Alliance") in die belgische Hauptstadt; von der "Allianz für den freien Sonntag Österreich" reisen Gabriele Kienesberger von der Katholischen Sozialakademie (ksoe) und Franz Georg Brantner von der GPA-djp an.

Laut Gabriele Kienesberger geht es bei der europäischen Vernetzung nicht um ein "Verteidigen von Pfründen". Der Trend hin zu einer wirtschaftsliberalen Einebnung der Sonn- und Feiertage in den Alltag von Konsum und Geschäftigkeit bestehe seit langem und bringe – wie Studien belegen - Einbußen an Lebensqualität mit sich. Zuletzt habe sich gezeigt, dass diese Entwicklung nicht unumkehrbar ist: Kienesberger wies auf Länder in Osteuropa hin, wo die "totale Liberalisierung" nach dem Zerbröckeln des Kommunismus zunehmend auf Widerstand stoße. In Polen etwa habe die Solidarnosc erreicht, dass von ehedem null wieder auf zwölf arbeitsfreie Sonntage umgestellt wurde, in der Slowakei gebe es derzeit ähnliche Bestrebungen.

Mit der Gründung der Europa-Allianz sei auch ein Hearing von Experten verknüpft, die die Vorteile einer gesamtgesellschaftlichen Unterbrechung des Arbeitsalltages wissenschaftlich untermauern. Der deutsche Sozialwissenschaftler Friedhelm Nachreiner von der "Gesellschaft für Arbeits-, Wirtschafts- und Organisationspsychologische Forschung" (GAWO) in Oldenburg wird über seine Studie "Sonntagsarbeit als Risikofaktor für Sicherheit, Gesundheit und Privatleben" ebenso berichten wie eine britische Kollegin Jill Ebray über ihre Untersuchungen über die negativen Folgen der Sonntagsarbeit in der Region Manchester.

Lobby für den freien Sonntag

Im Internet abrufbar ist bereits vor dem Brüsseler Treffen die Gründungserklärung der "Europäischen Sonntagsallianz". Die gemeinsamen Anliegen sind hier auf zwei A4-Seiten zusammengefasst. Einleitend heißt es: "Ein arbeitsfreier Sonntag und angemessene Arbeitszeiten sind ein hohes Gut für die Bürgerinnen und Bürger in ganz Europa. Wir, die Unterzeichner, sind der Überzeugung, dass alle Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union das Recht auf angemessene Arbeitszeiten haben, die prinzipiell den späten Abend, die Nächte, die gesetzlichen Feiertage sowie die Sonntage von der Regelarbeitszeit ausnehmen."

Die Europäischen Institutionen werden zum Schutz des Sonntags als prinzipiellem gemeinsamen wöchentlichen Ruhetag in der EU aufgefordert. "Wir wollen in Brüssel die Lobby für den freien Sonntag sein", so Gabriele Kienesberger.

Die Mitglieder der Europa-Allianz sind auf der neu geschaffenen Webseite www.europeansundayalliance.eu einsehbar. Als Förderer werden u.a. die ComECE (Kommission der EU-Bischofskonferenzen) und die KEK (Konferenz Europäischer Kirchen) fungieren. Im Herbst 2011 soll sich die Allianz - wie Kienesberger ankündigte - als Verein konstituieren.

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