Die Forschungsplattform "Religion and Transformation in Contemporary European Society" (RaT) der Universität Wien wartet zum Semesterabschluss mit einem Höhepunkt auf: Der renommierte spanisch-amerikanische Religionssoziologe José Casanova referiert am 14. Juni 2011, um 18.00 Uhr, im Hauptgebäude der Universität Wien. (Der Vortrag ist in englischer Sprache.)
Zu José Casanovas Forschungsschwerpunkten zählen Religion und Globalisierung sowie Migration und religiöser Pluralismus. Casanova ist Professor am Department of Sociology der Georgetown University, Washington, D.C., und Leiter des Berkley Center's Program on Globalization, Religion and the Secular.
Der Soziologe Casanova habe die Bedeutung von Religionen für Gesellschaften in der Moderne bereits frühzeitig erkannt, heißt es in einer Aussendung der Forschungsplattform RaT: "Moderne vollzieht sich demnach innerhalb eines säkularen Rahmens, lässt aber Raum für das Sakrale. Den Religionen ist daher wieder wissenschaftliche und politische Aufmerksamkeit zu schenken - nicht nur als Bollwerk des Konservatismus und des Fundamentalismus, sondern auch in ihrer positiven Gestaltungskraft für globalen Frieden."
"José Casanova publizierte auch über die Rolle der Religionen in Europa. Er argumentiert, dass das Unbehagen gegenüber Muslimen den Glaubenskampf zwischen den säkularen europäischen Eliten und seinen religiösen Bürgern reflektiert. Dies geschieht, indem das Säkulare mit gesellschaftlicher 'Aufklärung' und 'Fortschritt' gleichgesetzt wird, Religiosität jedoch mit 'Rückständigkeit'. Er konstatiert die Unfähigkeit, das Christentum als einen der konstitutiven Bestandteile der kulturellen und politischen Identität Europas wahrzunehmen. Europa vergebe dadurch eine große Chance, nach der bereits erreichten Versöhnung zwischen ProtestantInnen und KatholikInnen und zwischen den einander bekriegenden europäischen Nationalstaaten eine dritte Versöhnung folgen zu lassen - die Streitigkeiten zwischen Aufklärung, Religion und Säkularismus beizulegen", so die Forschungsplattform RaT.
Die 2010 gestartete Forschungsplattform "Religion and Transformation in Contemporary European Society" befasst sich mit der wechselseitigen Beeinflussung und Bedingung von Religion und gesellschaftlichen Transformationsprozessen. Die Forschungsplattform vereint Wissenschafterinnen und Wissenschafter aus sechs Fakultäten und 14 Disziplinen der Universität Wien: von Katholischer und Evangelischer Theologie über sozial-, rechts- und kulturwissenschaftliche Aspekte bis zur Philosophie.