Mindestens 20 Prozent der Wiener Katholiken haben Migrationshintergrund, das heißt sie oder ihre Eltern sind nicht in Österreich geboren oder sie haben eine andere Muttersprache als deutsch. Am Sonntag, 22. Mai 2011, wird bei einem großen Glaubensfest in der Votivkirche und im Sigmund Freud-Park unter dem Titel "Ich bin Christ in Wien" zu einer Begegnung der Kulturen eingeladen, die vor allem eine Begegnung zwischen "Wienern aus Wien" und "Neu-Wienern" sein soll.
"Es soll ein Tag der Begegnung sein, die Gläubigen sollen einander besser kennen lernen, die eine katholische Kirche lebt in vielen verschiedenen Sprachen und Kulturen, die Kirche in Wien ist Weltkirche im Kleinen", betont Alexander Kraljic, Generalsekretär der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Gemeinden aus Afrika, Asien und Lateinamerika.
"Wir sind froh, in einer so offenen und hilfsbereiten Stadt leben zu können. Die Veranstaltung soll auch zum Ausdruck bringen, wie sehr uns die Erzdiözese Wien in unserer Arbeit unterstützt und wie dankbar wir dafür sind", so Kraljic.
Um 14.00 Uhr feiern Weihbischof Franz Scharl und Bischofsvikar Karl Rühringer in der Votivkirche einen vielsprachigen Festgottesdienst. Nach dem Festgottesdienst laden die anderssprachigen Gemeinden zu einer Agape im Sigmund Freud-Park. Moderieren wird den Nachmittag die Pastoraltheologin Regina Polak. Die verschiedenen Gemeinden werden ihre Kultur unter anderm mit Tänzen und Liedern präsentieren. Um 19.00 Uhr folgt eine große Maiandacht mit Kardinal Christoph Schönborn im Park vor der Votivkirche. Dabei sollen fünf Osterkerzen als Symbol für die fünf Kontinente vor der Marienstatue aufgestellt werden. Motto der Maiandacht ist "Maria im Kreise der Apostel erwartet das Pfingstereignis."
Derzeit gibt es in Wien 14 anderssprachige katholische Gemeinden aus dem europäischen Raum und 17 aus dem außereuropäischen Bereich. Die meisten dieser Gemeinden sind in Wiener Pfarren zu Gast, wo sie zu Zeiten, die von der Pfarre weniger beansprucht werden, in ihren Sprachen und Riten Gottesdienst feiern und ein reges Gemeindeleben entfalten. Der persönliche Kontakt zwischen Angehörigen der Ortspfarre und der anderssprachigen Gemeinde ist hingegen oft wenig entwickelt. Die Veranstaltung am 22. Mai dient daher dazu, Impulse zur Vertiefung dieser Kontakte zu geben. "Es kommt eine Bereicherung für beide Seiten. Wir lernen voneinander. Beide müssen Schritte setzen, damit die Zukunft eine angenehme Zukunft wird", erklärt Weihbischof Franz Scharl.
Bei dem Fest wird die Buntheit der weltumspannenden katholischen Kirche sichtbar und hörbar werden. So werden Hymnen der melkitischen Gemeinde zu hören sein, indonesische, chinesische, philippinische und brasilianische Katholiken tragen traditionelle und neue Kirchenlieder ihrer Heimatländer vor. Die vietnamesische Gemeinde wird einen liturgischen Tanz zu Ehren Mariens ausführen. Das "Magnificat" wird von Lektoren der persischen Gemeinde vorgetragen; danach erfolgt der Gesang des "Magnificat" auf aramäisch, in der Sprache Jesu, durch den Chor der chaldäischen und der assyrischen Gemeinde.
Besonders freut Alexander Kraljic und seinen Chef, Pfarrer Johannes Gönner, Rektor des Referats für anderssprachige Gemeinden, dass es eine ganz selbstverständliche Zusammenarbeit mit orthodoxen Gemeinden aus dem Orient und aus Südasien gibt.