Tief betroffen vom Hooligan-Skandal im Wiener Hanappi-Stadion hat sich "Rapid-Seelsorger" Christoph Pelczar gezeigt. Dass erboste, gewaltbereite "Fans" beim Stand von 0:2 im Wiener Derby zwischen Rapid und der Wiener Austria am Sonntag, 22. Mai 2011, das Spielfeld stürmten, Spieler der eigenen Mannschaft beschimpften und Feuerwerkskörper in den Sektor der Austria-Anhänger warfen, sei nicht akzeptabel und verlange klares Gegensteuern von Verein und Polizei, so Pelczar am Dienstag, 24. Mai.
Er verwies auf jene wirksamen Maßnahmen, mit denen man in England das Hoologan-Problem gut in den Griff bekommen habe: Nicht nur Stadionverbote seien verhängt, auch empfindliche Geldstrafen für jene ausgesprochen worden, die auch nur einen Fuß über die weiße Linie des Spielfeldrandes gesetzt hätten. Es dürfe nicht dazu kommen, beim Fußball das Feld jenen zu überlassen, die nur ein Ventil für ihre Frustrationen und Aggressionen suchten, betonte der Pfarrer der niederösterreichischen Gemeinde Weikendorf, der sich seit mehreren Jahren als "Mentaltrainer" der Rapid-Jugend engagiert.
Die Eskalation am Sonntagnachmittag im Hanappi-Stadion erklärte Pelczar mit Massenpsychologie: Einige wenige Gewaltbereite hätten viele andere in einem hochemotionalen Moment (Austria Wien hatte gerade das 2:0 erzielt) mitgerissen; diese hätten im "Wunsch, dazuzugehören", ihre Eigenverantwortung abgegeben. Der Geistliche übte Kritik an nachlässigen Kontrollen schon im Vorfeld des Wiener Derbys; dadurch sei es Fans der wohl gelungen, gefährliche Gegenstände schon Tage vor dem Match in der eigenen Tribüne zu deponieren. Pelczar glaubt trotz des Skandalspiels nicht, dass speziell Rapid Wien ein Problem mit seinen Fans hat: "Es hat nur niemand sonst in Österreich so viele Anhänger."
Der "Fußball-Pfarrer" hatte bei einer Generalaudienz im Vatikan vergangene Woche dem Papst ein grün-weißes Trikot des Wiener Traditionsclubs mit der Aufschrift "Benedikt XVI." überreicht. Er lege bei seiner Arbeit mit dem Rapid-Nachwuchs Wert auf "fair play" und darauf, dass im Wettstreit der Gegner nie als Hassobjekt angesehen, sondern mit Respekt behandelt wird, so Pelczar. Selbstsicher auftreten, aber das Gegenüber achten und "Demut zeigen": Das sei seine oft wiederholte Botschaft an die Kinder und Jugendlichen.
Handlungsbedarf sieht Pelczar aber nicht nur im Bereich Gewaltprävention und -bekämpfung, sondern auch angesichts der zuletzt gehäuften Fälle von Manipulationsverdacht. Wenn bei Spielen wie - ebenfalls am Sonntag - Wiener Neustadt gegen Sturm Graz auffallende Wetten auf ein dann durch ein Handspiel eingetretenes Ergebnis verzeichnet würden, müssten die Behörden tätig werden und dem Verdacht nachgehen.