Der 395 Jahre alte österreichische Erzherzogshut, die "Heilige Krone Österreichs", ist ab Mai in der neuen Schatzkammer im Stift Klosterneuburg zu sehen. Im Rahmen eines großen Festes wird die neue Kammer am Sonntag, 1. Mai 2011, für Besucher eröffnet. Neben der "Heiligen Krone" sind weitere Kostbarkeiten zu sehen, wie etwa die in den Jahren 1711 bis 1714 angefertigte Schleiermonstranz, liturgische Gewänder, Elfenbeinsammlungen oder auch der sogenannte Agnesschleier, der in der Gründungslegende des Stiftes eine große Rolle spielt. Das älteste Objekt stellt ein kleines Elfenbeintäfelchen mit einer Darstellung des Marientodes dar, das ins späte 10. Jahrhundert datiert wird.
Die Gesamtkosten für die Schaffung der neuen Schatzkammer betrugen 1,25 Millionen Euro, wie Wirtschaftsdirektor Andreas Gahleitner am Donnerstag, 28. April 2011, vor Journalisten bekannt gab. Die Schatzkammer füllt sich laut Abtprimas Propst Bernhard Backovsky mit Gegenständen aus den Bereichen "Religion und Kunstpflege", die zur Hauptaufgabe des Augustiner Chorherrenstiftes gehörten. "Die liturgischen Gewänder und Gefäße waren in Verwendung und einige werden noch verwendet. Sie entstanden nicht aus Protzerei und Angeberei - man hat sie zu Ehren Gottes entsprechend dem jeweiligen Zeitverständnis und dem Zeitgeist erzeugt und verwendet", betonte der Klosterneuburger Propst.
Wirtschaftsdirektor Gahleitner erklärte, man habe sich unter vier Voraussetzungen für eine neue Schatzkammer entschieden: So musste sichergestellt sein, dass die Kunstgegenstände nicht nur in einem "würdigen Rahmen" der Öffentlichkeit präsentiert werden können, sondern dass auch die Sicherheitsvorkehrungen der Schatzkammer den letzten Standards sowie in konservatorischer Hinsicht den neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft entsprechen. Auch müsse die neue Schatzkammer "eine herausragende Attraktion" nicht nur für Klosterneuburg, sondern für ganz Österreich sein, so Gahleitner. "Wir hoffen, damit einen wichtigen Impuls für den Tourismus geben zu können", erklärte der Wirtschaftsdirektor.
Davon zeigte sich Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll überzeugt. Er nannte das Stift Klosterneuburg "den Sitz der Landesidentität schlechthin" und die neue Schatzkammer "eine Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft". Die neue Schatzkammer ist ein Teilprojekt der Generalrenovierung des Stiftes. Von den Kosten von 1,25 Millionen Euro entfallen auf die sogenannten denkmalpflegerischen Mehrkosten etwa 270.000 Euro, berichtete der Wirtschaftsdirektor, der dem Land Niederösterreich für seine Unterstützung von rund 150.000 Euro dankte.
Bisher war die Schatzkammer durch ihre räumliche Lage im Obergeschoß nur in Ausnahmefällen zu besichtigen. Nun befindet sie sich auf der Ebene des Besuchereinganges "Sala terrena". Sie wird am 1. Mai im Rahmen des alljährlichen Familienfestes im Stift eröffnet. Das Rahmenprogramm umfasst barocke Musik- und Tanzdarbietungen sowie eine berittene Greifvogelschau. Neben einer Schatzsuche am Stiftsplatz findet auch ein großer Erbhuldigungsumzug statt.
Der Österreichische Erzherzogshut wurde 1616 als "Heilige Krone Österreichs" gestiftet und durfte nur zur Erbhuldigung, der Machtübergabe an einen neuen Herrscher, vom Stift Klosterneuburg weggebracht werden. Ansonsten verwahrten ihn die Augustiner Chorherren "beim Grab des Heiligen Leopold", wie es der vom Papst bestätigte Stiftungsbrief bestimmt. Der Erzherzogshut galt als Parallele zur ungarischen Stephanskrone und der böhmischen Wenzelskrone als "heilige Krone".
Die ursprünglich bis 2018 geplante Generalrenovierung des Stiftes Klosterneuburg wird schneller als vorgesehen abgeschlossen sein. Somit kann sich das Stift bereits zur seiner 900-Jahr-Feier im Jahr 2014 im neuen Glanz präsentieren, hatte Abtprimas Bachovsky bereits im Februar mitgeteilt.