Die Atomreaktor-Katastrophe in Japan zeige, dass der Mensch diese Form der Energiegewinnung nicht risikofrei beherrschen kann, betontenten die Umweltbeauftragten der katholischen und der evangelischen Kirche am Dienstag, 15. März 2011, in einer gemeinsamen Erklärung.
Die Umweltbeauftragten bedauern zutiefst, dass erst Nuklear-Katastrophen wie 1986 in Tschernobyl und nun in Japan ein Aufwachen aus der Atom-Illusion hervorrufen. "Wir fordern, dass ein breiter internationaler Dialogprozess beginnt, der konkrete Schritte für einen weltweiten Ausstieg aus dieser Risiko-Technologie setzt", erklärt Katharina Kampl, die Umweltbeauftragte der Erzdiözese Wien.
Auch wenn Österreich eigene Atomkraftwerke abwenden konnte, sei das Land am Atomenergie-Geschäft beteiligt. "Durch den steigenden Energieverbrauch muss Österreich ausländischen Atomstrom zukaufen. So fallen auch in Österreich durch den Verbrauch von Atomstrom radioaktive Abfälle in den Bezugsländern an", so Kampl.
Eine einfache, auch im christlichen Glauben verankerte Lösung bestehe darin, den oftmals verschwenderischen Lebensstil zu überdenken: "Die Grundfrage, was brauche ich wirklich, um gut leben zu können und auf was kann ich verzichten, sollte in der Fastenzeit nicht nur beim Essen gestellt werden, sondern auch beim Energieverbrauch", erklärt die Umweltbeauftragte der Erzdiözese Wien. Eine weitere Möglichkeit wäre, den Stromanbieter zu wechseln und keinen Atomstrom mehr zu beziehen.
Jedoch habe nicht nur jeder Mensch für die Umwelt mit dem eigenen Lebensstil Verantwortung zu tragen, sondern auch die österreichische Politik sei zum Handeln aufgerufen. Die Umweltbeauftragten fordern von der Politik einerseits den Umstieg der heimischen Energieversorgung auf erneuerbare und angepasste Energiegewinnung, andererseits Kostenwahrheit für Energiepreise.
Weiter appellieren die Umweltbeauftragten, gemäß der Forderung von fast Hunderttausend Österreicherinnen und Österreichern, aus dem Euratom-Abkommen auszusteigen und gegen das milliardenschwere Euratom-Forschungsprogramm, das im Spätherbst im EU-Forschungsministerrat beschlossen werden soll, ein Veto einzulegen.