In der weißrussischen Hauptstadt Minsk befindet sich mit dem staatlichen onkologischen Zentrum die landesweit einzige Kinderkrebsklinik mit westlichem Standard. Aus ganz Weißrussland und darüber hinaus kommen die Kinder mit ihren Eltern nach Minsk. Die Behandlungen dauern lange, oft viele Wochen und Monate.
Die Krebstherapie im Krankenhaus ist kostenlos, viele Eltern können es sich aber nicht leisten, für diese Zeit ein Zimmer zu mieten. Deshalb hat die Caritas das Zentrum St. Lukas am Stadtrand von Minsk errichtet. Hier können bis zu 20 schwer kranke Kinder und ihre Begleitpersonen - meist die Mütter - aus allen Landesteilen wohnen - kostenlos. Die Wohnungen sind klein aber sehr ordentlich. Für viele ist das hier eine bessere Wohnsituation als zu Hause, erzählt der Minsker Caritasdirektor Alexander Fomynich seinem österreichischen Kollegen Franz Küberl bei dessen Besuch im Zentrum.
Eine der Bewohnerinnen ist die 27-jährige Dena. Sie stammt aus der Region Witebsk im Nordosten des Landes und ist mit ihrer achtjährigen Tochter Angelina hier: "Meine Tochter war selten krank. Wir leben auf dem Land. Dann bekam sie hohes Fieber, das war am 13. August. Wir fuhren ins Spital. Aber auch nach zehn Tagen gab es keine Besserung. Auch im nächsten Krankenhaus konnte uns niemand helfen bis uns ein Arzt die Diagnose stellte: Leukämie."
Ein Blutbefund hat die Diagnose später bestätigt. Dena: "Wir sind sofort nach Minsk in die Klinik gefahren. Das war am 24. August. Dort musste Angelina drei Monate auf der Station bleiben." Chemotherapie und Kontrollen wechselten einander ab. Während dieser Zeit habe sie mit ihrer Tochter in St. Lukas ein zweites Zuhause gefunden, sagt Dena. Jetzt sind sie wieder für einige Zeit in St. Lukas. Angelina muss zur Nachbehandlung.
Wie man mit dieser unermesslichen psychischen Belastung umgehen kann, fragt Küberl. Und Dena antwortet: "Meine Tochter hat gesagt: Ich werde tapfer sein, Mama, und nicht weinen, wenn du nicht weinst." Die Überlebenschancen von Angelina sind sehr gut. Ärzte und Pflegepersonal im Kinderkrebszentrum sind top ausgebildet, erzählt Direktorin Olga Aleinikowa. Die durchschnittliche Überlebensrate bei den kleinen Krebspatienten liegt inzwischen bei knapp 75 Prozent, bei Leukämie deutlich über 80 Prozent, so Alainikowa.
Zur politischen Situation will die Primaria des Krankenhauses nicht Stellung nehmen - wie auch sonst niemand bei diesem Lokalaugenschein von Caritas-Präsident Küberl in der Ex-Sowjetrepublik. Aber Aleinikowa appelliert eindringlich an alle ausländischen Freunde und Hilfsorganisationen wie die Caritas, auch weiterhin die krebskranken Kinder zu unterstützen.
Zwischen der Kinderkrebsklinik und dem Zentrum St. Lukas besteht eine enge Kooperation. Die kleinen Patienten und ihre Angehörigen werden in der Früh mit einem Bus des Krankenhauses von St. Lukas geholt und nach der Behandlung am Abend wieder zurückgebracht. Auch im Haus kümmern sich eine qualifizierte Ärztin sowie eine Psychologin um Mütter und Kinder. Die Mitarbeiter von St. Lukas versuchen, Kindern und Müttern das Leben so angenehme wie nur möglich zu gestalten und so zur Genesung beitragen.
Die Stresssituation für Kinder wie Angehörige sei enorm, so Caritasdirektor Fomynich: "Mit verschiedenen Freizeitgestaltungen wie Basteln, Malen oder auch Ausflügen versuchen wir die Bewohner von ihrem Grundproblem ein wenig abzulenken." Auch verschiedene Therapieangebote gehören zum Angebot des Hauses. Am wichtigsten sei aber, so Fomynich: "Wir wollen den Kindern und Eltern das Gefühl geben: Ihr seid nicht allein."
Die Februar-Sammlung der Caritas kommt den rund 200 Hilfsprojekte in den ärmsten Ländern Osteuropas zugute: Caritas-Spendenkonten: PSK 7.700 004, BLZ 60.000, Kennwort: Kinder in den ärmsten Ländern Europas. Online-Spenden: www.caritas.at