Monsignore Franz Schuster beendet am 31. Dezember 2010 nach fast zwölfjähriger Amtszeit aus eigenem Wunsch seinen Dienst als Generalvikar der Erzdiözese Wien. Ausschlaggebend für den Entschluss von Schuster war die Überzeugung, dass ein so intensives Leitungsamt "nicht sehr viel länger als zehn Jahre" ausgeübt werden soll. Er blicke auf eine arbeitsintensive und fruchtbare Zeit im Dienst für die Erzdiözese Wien zurück, sagte der scheidende Generalvikar am Freitag, 19. November 2010. Kardinal Christoph Schönborn dankte seinem Stellvertreter für den langjährigen intensiven Einsatz und die ausgezeichnete Zusammenarbeit. Die Nachfolgeregelung ist im Gange.
Der scheidende Generalvikar betonte seinerseits, dass er dem Kardinal für dessen Vertrauen und den guten gemeinsamen Weg danke; zugleich unterstrich er seine Verbundenheit mit allen - Priestern, Diakonen, Ordensleuten und Laien -, die ihn als Generalvikar "durch intensive Mitarbeit und Gebet" unterstützt hatten. Auf Ersuchen des Kardinals wird Monsignore Schuster weiterhin dem Domkapitel zu St. Stephan angehören und besonders in der Einführung und Begleitung der ausländischen Priester in der Erzdiözese Wien tätig sein. Auch wird er weiterhin die Kommission der Österreichischen Bischofskonferenz für die Umsetzung der Rahmenordnung gegen Missbrauch und Gewalt ("Die Wahrheit wird euch frei machen") leiten.
Generalvikar Schuster hat wesentlich dazu beigetragen, dass die Erzdiözese Wien unter dramatisch veränderten gesellschaftlichen Bedingungen einen guten Weg in die Zukunft gehen kann. Im Auftrag von Kardinal Schönborn wirkte er an der Erstellung des "Leitbilds für die Erzdiözese Wien" mit. Ausgehend davon leitete er den Organisationsentwicklungsprozess "Kirche für Zukunft", in dem es um die Neuorientierung der inhaltlichen und organisatorischen Entwicklungen in der Erzdiözese Wien und ihren Einrichtungen ging. Der Vorgang "Kirche für Zukunft" hat weit über die Grenzen Österreichs hinaus im kirchlichen Bereich Beachtung gefunden - als ein Beispiel dafür, wie man mit den gesellschaftlichen und kirchlichen Veränderungen gut umgehen kann.
Im Zug des Vorgangs "Kirche für Zukunft" wurden beispielsweise die pastoralen Bereiche Erwachsenenbildung, Kategoriale Seelsorge, Katholische Aktion und Pastoralamt neu geordnet. Die Personalentwicklung für alle hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurde intensiviert und das "strukturierte Mitarbeitergespräch" eingeführt. Auch in der Jugendarbeit (der Franz Schuster als früherer Diözesanjugendseelsorger besonders verbunden ist) wurden starke Akzente gesetzt, so die Einrichtung der Jugendkirche St. Florian und die Neuordnung der Ministrantenseelsorge.
Zentrales Anliegen des Vorgangs "Kirche für Zukunft" war und ist, die personellen und finanziellen Ressourcen der Erzdiözese so einzusetzen, dass einerseits die Kernkompetenz der Kirche noch besser zur Geltung kommt und andererseits auch Freiräume für neue Initiativen gewonnen werden. Ziel ist es dabei insbesondere, den von Menschen von heute das Evangelium zu bringen.
In diesem Sinn hat Generalvikar Schuster die großen seelsorglichen Projekte der Erzdiözese – vom "Symposion Großstadtseelsorge" über die Stadtmission, "die Lange Nacht der Kirchen", den "Weinviertler Glaubensweg" und zuletzt besonders den Vorgang "Apostelgeschichte 2010" - mitgetragen und unterstützt. Bei all diesen Projekten ging und geht es darum, einerseits die Türen der Kirche zu öffnen, aber vor allem auch dorthin zu gehen, wo die Menschen leben.
Für Generalvikar Schuster stand in diesem Zusammenhang immer fest, dass die Kirche ständig darauf achten muss, dass es zu keinen Fehlentwicklungen in ihrem eigenen Bereich kommt. Daher war er wesentlich am Zustandekommen der 2006 veröffentlichten diözesanen "Maßnahmen, Regelungen und Orientierungshilfen zur Verhinderung sexuellen Missbrauchs" im kirchlichen Bereich beteiligt. Auf dem Hintergrund der Erfahrungen mit diesem Dokument war Monsignore Schuster dann auch im Frühjahr 2010 bei der Bewältigung der Missbrauchskrise führend tätig.
Im Anschluss an die 3. Diözesanversammlung im Rahmen von "Apostelgeschichte 2010" erachtet Monsignore Schuster ein neues "Durchstarten" im Hinblick auf eine verstärkte missionarische Ausrichtung und weitere nachhaltige strukturelle Veränderungen in der Erzdiözese Wien für notwendig. Daher ist er der Überzeugung, dass der Zeitpunkt für die Beendigung seines Dienstes gut gewählt ist. Ein neuer Generalvikar könne auf diese Weise von Anfang an dieses erforderliche "Durchstarten" mitverantworten und begleiten.