"Als Pfarrer im Auslandseinsatz bist du der, 'mit dem man über alles reden kann'. Da heißt es zuhören und begleiten", so Militärdekan Alfred Weinlich. Der Wiener Diözesanpriester ist eine "Leihgabe" an das Militärordinariat und war in allen drei Einsatzorten österreichischer Soldaten als Militärpfarrer tätig: in Bosnien bei der SFOR (heute EUFOR), im Kosovo bei der KFOR und in Syrien, dem Golan, bei der UNFOR. Im Gespräch mit Erzdiözese-Wien.at erinnert er sich an seine Auslandseinsätze.
Seelsorger und Lebensberater
Im Einsatzort, wo es immer um friedenserhaltende Einsätze oder Unterstützung nach Katastrophen durch Soldatinnen und Soldaten des österreichischen Bundesheeres geht, ist ein Pfarrer intensiv als Seelsorger gefragt. "Im Auslandseinsatz ist man von jedem angefragt und als Pfarrer ist man für die Menschen da, jenseits von Konfession oder Religion", erzählt Weinlich. Viele Gespräche entstünden aus Sorgen oder kämen aus Themen von Bestsellern wie etwa 'Illuminati'. Ausgehend von diesen plakativen Themen gehen Gespräche oft ins Persönliche oder ins Theologische hinein", so Weinlich. Auch die Sorgen der Militärangehörigen gelte es aufzufangen. "Wenn es um das Umfeld daheim geht, ist der Pfarrer dann zugleich Lebensberater. Wichtig ist die Stärke des Seelsorgers, denn das Gespräch mit dem Pfarrer bleibt diskret", betont Militärdekan Weinlich.
Herausforderungen und Chancen
Die Menge an Gesprächen, die der Pfarrer im Auslandseinsatz habe, sei auch abhängig von der militärischen Führung im Einsatz. Ist diese gut, fühlen sich die Soldaten wohl, "wenn es Probleme gibt, dann hat der Pfarrer viel zu tun. Das deutlichste Beispiel war ein Kommandant, der sagte, dass der Pfarrer ohnehin erst zuständig sei, wenn sich Leib und Seele voneinander trennen. Es gibt zum Glück viele Kommandanten, die wissen, was sie an uns Seelsorgern haben", so Weinlich. Die große Chance in der Seelsorge sei es, wenn Soldatinnen und Soldaten "einfach auf einen Kaffee vorbeikommen, darum ist meine Bürotür immer offen, wenn ich da bin. Und ich sage den Frauen und Männern immer, dass sie über Probleme reden sollen, nicht totschweigen. Gerade wenn ein Kamerad stirbt, sei es durch Unfall oder Suizid, steht die Begleitung der Betroffenen im Vordergrund. Da gehe es um reden, zuhören, beten, begleiten und Gottesdienst feiern.
Mut zum Einsatz
Weinlich leitet als Dechant das neu gegründete Dekanat für internationale Einsätze in Götzendorf, wobei es auch Aufgabe sei, Priester für den Auslandseinsatz zu finden und mit vorzubereiten. "Wir brauchen ein eigenes Schulungsangebot, das darlegt, was den spezifischen Zugang der Seelsorge ausmacht", so Weinlich. "Der Einsatz im Ausland ist schwieriger als in der Pfarre, aber viel spannender", so der Militärdekan. Es sei eine wertvolle Arbeit, die da gemacht und die gut gemacht werde, denn seit 1960 sind mehr als 90.000 Soldatinnen und Soldaten bei 75 internationalen friedensunterstützenden und humaitären Einsätzen begleitet worden. Derzeit befinden sich rund 1.000 Soldaten in elf Ländern im Einsatz. Natürlich könne ein Priester nicht einfach aus seiner Pfarre zum Auslandseinsatz weg, "das geht nur zu den typischen Nahtstellen, etwa wenn ein Kaplan seine Pfarre wechselt oder bevor er Pfarrer wird. Ich kann nur jedem, der sich das überlegt, Mut zum Auslandseinsatz machen", betont Weinlich aus eigener Erfahrung.
Enquete zur Militärseelsorge
Dem Thema "Seelsorger im Dienst des Friedens. 50 Jahre Militärseelsorge im Auslandseinsatz" war anlässlich des 50-jährigen Engagements des Österreichischen Bundesheeres im Rahmen internationaler Einsätze im Dienste des Friedens, die Enquete des Instituts für Religion und Frieden am Donnerstag, 21. Oktober 2010, gewidmet. Die Militärseelsorge stehe vor enormen Herausforderungen, aber entsprechend auch vor Chancen, unterstrich der Leiter des "Instituts für Religion und Frieden" (IRF), Bischofsvikar Werner Freistetter, am Rande der Enquete in Wien. "Die Militärseelsorge bleibt ein Dienst, der weiterhin von Soldaten stark nachgefragt wird und daher unersetzlich ist, da der Seelsorger in Bereiche bei den Soldaten hineinwirken kann, die anderen nicht zugänglich sind", so Freistetter.
Vesper im Stephansdom
Nach der traditionellen Leistungsschau des Bundesheeres am Wiener Heldenplatz am 26. Oktober 2010, feiert Militärbischof Christian Werner, aus Anlass des 50-jährigen Auslandsengagements des Österreichischen Bundesheeres, am 28. Oktober 2010 um 16.30 Uhr eine feierliche Vesper im Wiener Stephansdom. Musikalisch gestaltet wird die Vesper vom Quintett der Gardemusik.