Mittwoch 19. Dezember 2018
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Aids betrifft alle Bevölkerungsgruppen

(13.07.2010) Der Wiener Trinitarierpater Clemens Kriz ist Aidsseelsorger der Erzdiözese Wien. Im Vorfeld der Welt-Aids-Konferenz ruft er zu mehr Solidarität und zu mehr Ernstnahme der Krankheit auf. Aids sei nach wie vor Realität und zwar auch in Österreich und das quer durch alle Bevölkerungsgruppen.

Die Tendenz zur Bagatellisierung von Aids und die geringe öffentliche Aufmerksamkeit für die Immunschwächekrankheit hat der Aids-Seelsorger der Erzdiözese Wien, der Trinitarierpater Clemens Kriz, kritisiert. HIV und Aids seien nach wie vor eine Realität, auch in Österreich und quer durch alle Bevölkerungsgruppen, so Kriz in einem Kathpress-Gespräch am Montag, 12. Juli 2010. Die Brisanz der Krankheit werde medial und gesellschaftlich aber nicht mehr wahrgenommen. So werde der Life-Ball letztlich fast nur noch als "großer Kostümball" dargestellt.

 

Mehr Aufmerksamkeit für die Krankheit

Von der am Sonntag, 18. Juli, in Wien beginnenden Welt-Aids-Konferenz erwarte er sich auf jeden Fall wieder mehr Aufmerksamkeit für die Krankheit, die vor allem in Entwicklungsländern ganze Generationen dahinrafft, so der Ordensmann. Bis zu 30.000 Teilnehmer werden in der Bundeshauptstadt erwartet.

Für die Delegierten aus den Entwicklungsländern biete die Konferenz eine Möglichkeit, sich besser zu vernetzen und gegenseitig zu stärken im Kampf gegen ungerechte soziale Strukturen. Das betreffe etwa den Einsatz für noch mehr Generika. Denn immer noch hätten Millionen Menschen vor allem in Afrika keinen Zugang zu lebensrettenden Medikamenten. Die reichen Staaten sollten die Konferenz hingegen auch als Anstoß zu mehr Solidarität verstehen, plädierte Kriz.

 

Diskriminierung noch nicht überwunden

Durch moderne Therapien und Medikamente habe die Krankheit in den wohlhabenden Ländern zwar weitgehend ihren tödlichen Schrecken verloren, dafür gelte es nun aber für die Betroffenen, ihr Leben und ihren Alltag mit Beeinträchtigungen zu meistern, so Kriz. Es komme immer noch zu Diskriminierungen. Nach Überzeugung des Wiener Aids-Seelsorgers greift es zu kurz, das Problem mittels Kondomen in den Griff bekommen zu wollen: "In Österreich hat jeder Zugang zu Kondomen. Das nützt aber nichts, wenn sie nicht genommen werden."

Noch weniger greife das Kondom-Argument in den Entwicklungsländern, wo Kondome zum Teil nur sehr beschränkt vorhanden sind. Als "absoluten Schwachsinn" bezeichnete Kriz jene Meinungen, wonach die Kirche wegen ihrer Einstellung zu Kondomen schuld an der Verbreitung der Krankheit sei.

 

Nur kondomkritische Haltung gesehen

Der Aids-Seelsorger zeigte sich verärgert, dass die Kirche von der Öffentlichkeit oft nur in ihrer Kondom-kritischen Haltung wahrgenommen werde. Das vielfältige Engagement der Kirche gegen Aids und die vielen Hilfsprojekte - vor allem in den Entwicklungsländern - würden hingegen nicht gesehen. Immerhin werde weltweit ein Viertel der Hilfe für HIV/Aids-Kranke und deren Angehörige von katholischen Einrichtungen und Initiativen getragen. In manchen Entwicklungsländern liege dieser Anteil auch noch wesentlich höher.
 

Lebensbegleitung und Lebensgestaltung

In Österreich werde die Krankheit inzwischen ausschließlich durch Drogen und Sexualverkehr übertragen, so Kriz weiter. Ein großes Problem stelle diesbezüglich auch die grenznahe Prostitution dar: "Gar nicht so wenige Ehemänner stecken dann auch ihre Frauen an." Man könne nur immer wieder den Appell an die Bevölkerung richten, "ohne Verlogenheit" mit Aids umzugehen und "zum Leben und zu sich selbst ehrlicher" zu sein.

Für die Seelsorge sei der medizinische Fortschritt eine große Veränderung gewesen, so Kriz. Solange es keine geeigneten Behandlungsmöglichkeiten gab und die Infizierten wussten, dass sie sicher sterben würden, war der Bedarf nach einem Seelsorger größer. Früher sei er hauptsächlich als Sterbebegleiter und Betreuer von Schwerstkranken gefragt gewesen. Jetzt, wo Aids zwar nicht heilbar, aber gut behandelbar ist, gehe es viel stärker in Richtung Lebensbegleitung und Lebensgestaltung.

Pater Clemens Kriz ist seit fast 20 Jahren in der Aids-Seelsorge tätig. Er ist in der kleinen Kirche Maria Grün im Prater, in der Aspernallee 1, und per E-Mail unter pat.clemens@aon.at erreichbar.

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