Als Benedikt XVI. am 11. Februar 2013 seinen Amtsverzicht erklärte, dachten nicht wenige zuerst an eine Faschingsmeldung, denn es war Rosenmontag: Eine Umfrage.
„Ich habe am 11. Februar 2013 gerade die neue Anthropologische Sammlung im Wiener Naturhistorischen Museum besichtigt. Da zeigte mir mein Mitarbeiter sein Handy mit der Nachricht: Papst Benedikt kündigt seinen Rücktritt an. Ich habe zuerst gedacht: Das ist ein Rosenmontags-Scherz“, sagt Kardinal Christoph Schönborn: „Im Rückblick kann man nur sagen: Es war eine ganz mutige und richtige Entscheidung und sie hat eine ganz große positive Dynamik ausgelöst, die zur Wahl von Papst Franziskus geführt hat. Man spürt, was das große Anliegen von Benedikt XVI. war: Es braucht eine Reform, es braucht eine Erneuerung.“
„Ich hab’ mir gedacht: „Ja darf er denn das?“ Und dann ist mir klar geworden – ja natürlich und dass der ,Chef‘ das sicher alles gut durchdacht hat“, sagt Andrä Rupprechter, Bundesminister für Land-, Forst-, Umwelt und Wasserwirtschaft: „Und wenn ich heute zurückdenke und mir anschaue, wie sein Nachfolger Franziskus die Dinge angeht, dann sehe ich das bestätigt."
„Ich habe ein SMS bekommen und dachte, es sei ein Faschingsscherz. Als ich dann merkte, es ist real, war ich schockiert und überrascht“, erinnert sich Pfarrer Karl Engelmann (Kalvarienbergkirche, Wien 17): „Aus heutiger Sicht war es eine ganz große Tat von Benedikt. Er hat eingestanden, dass Reformen notwendig sind und dass er die Kraft dazu nicht mehr hat. Seither ist vieles in Bewegung gekommen, eine Dynamik ist entstanden, die bis heute weitergeht.“
„Die Nachricht vom Rücktritt des Heiligen Vaters hat mich tief betroffen, und doch hatte ich das Gefühl: Ja, das stimmt, das genau ist er! Der demütige Arbeiter im Weinberg des Herrn weiß, dass es für ihn Abend geworden ist“, berichtet Sr. Beatrix Mayrhofer, Präsidentin der „Vereinigung der Frauenorden Österreichs“: „Ich denke oft an Benedikt und bete für ihn. Er ist zum Mose geworden, der Franziskus unterstützt – und vielleicht darf er auch ein wenig der Mönch Benedikt sein, der er Herzen immer schon war.“
„Ich habe damals in unserer Redaktionssitzung davon erfahren und – ähnlich wie der Kardinal – zuerst an einen Faschingsscherz gedacht. Ungläubiges Staunen machte sich in mir breit, wir sind dann aber schnell dazu übergangen, uns zu überlegen, wieviel Platz wir dem Thema in der Zeitung widmen“, erinnert sich Dietmar Neuwirth, „Die Presse“: „Ich finde, es war ein weiser und mutiger Schritt, der dazu beigetragen hat, die Katholische Kirche aus einer Art ,Schockstarre‘ (Missbrauchsskandale, etc.) zu bringen und ihr wieder ein lebendiges Antlitz zu verleihen.“
„Ich war damals auf Kur in Bad Kreuzen, habe es nicht glauben können, dachte an einen Faschingsscherz. Dann hab’ ich aber den Mut bewundert, eine über 700 Jahre alte Tradition zu brechen“, erinnert sich der langjährige Bischofsvikar des Nord-Vikariats, Matthias Roch: „Heute sehe ich mit Dankbarkeit zurück. Eigentlich habe ich Benedikt XVI. sehr geschätzt, er hat mit diesem Schritt, mit seiner Demut, in vielen Facetten der Kirche etwas in Bewegung gesetzt. Vor allem durch die Person des neuen Papstes ist ein neuer Aufbruch und ein frischer Wind in die Kirche gekommen."
„Ich habe damals Erleichterung verspürt, da mir klar war, dass es Papst Benedikt zu viel wurde. Gleichzeitig habe ich mich natürlich auch gefragt, wie es nun weiter gehen wird. Ich hatte ja einen derartigen Rücktritt noch nie erlebt“, sagt Pfarrer Helmut Schüller (Pfarre Probstdorf, „Pfarrer-Initiative“): „Im Rückblick hat es sich meiner Meinung nach als eine gute Entscheidung erwiesen. Ich sehe es als positiv, dass nun Papst Franziskus mit neuer Kraft die ,Baustellen‘ innerhalb der Kirche angeht.“
„Unglaublich, ich war ganz erstaunt, und dachte es sei ein Scherz. Was für ein großer Schritt das war, wird man wohl erst viel später beurteilen können“, unterstreicht Pastoralassistentin Alexandra Hladky (Pfarre Machstraße, 1020 Wien): „Es war gut! Heute sehe ich, dass Benedikt damit den Weg frei gemacht hat für Vieles, was vorher nicht möglich war.“
„Ich war sehr betroffen, ich habe nicht an einen Faschingsscherz geglaubt, weil ich mir schon vorher vorstellen konnte, dass Papst Benedikt die Demut hat, zurückzutreten. Zumal er u. a. auch das Grab von Cölestin V. in den Abruzzen besucht hat und dort zeichenhaft sein Pallium niedergelegt hat“, sagt Abt Maximilian Heim, Stift Heiligenkreuz: „Es war ein sehr mutiger und demütiger Schritt. Er ist die größte Modernisierung des Papsttums im 21. Jahrhundert. Er zeigt, dass Benedikt ein moderner Papst ist, der die Zeichen der Zeit erkannt hat.“
Umfrage: Stefanie Jeller,
Mathilde Kraus, Gerlinde
Wallner, Stefan Kronthaler