Dienstag 24. Februar 2026
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Anlage mit Mehrwert

(19.1.2014) Wer sein Geld anlegt, erhofft sich Gewinn. 

 

Ende November hat Papst Franziskus das Apostolische Schreiben „Evangelii gaudium“ (Die Freude des Evangeliums) veröffentlicht. Unter anderem prangert er darin Auswüchse der globalen Finanz- und Wirtschaftsordnung an. Als wichtigste Ursache aller sozialen Übel und der Gewalt bezeichnet Franziskus die ungleiche Verteilung des Reichtums auf der Welt. Das derzeitige Wirtschaftssystem sei „in der Wurzel ungerecht“. Diese Wirtschaft töte, weil sie allein nach dem Gesetz des Stärkeren funktioniere und eine Kultur des Abfalls schaffe, in der Menschen wie Müll behandelt würden. „Solange die Probleme der Armen nicht von der Wurzel her gelöst werden, indem man auf die absolute Autonomie der Märkte und der Finanzspekulation verzichtet und die strukturellen Ursachen der Ungleichverteilung der Einkünfte in Angriff nimmt, werden sich die Probleme der Welt nicht lösen und kann letztlich überhaupt kein Problem gelöst werden“, so der Papst.


Mehr Verantwortung

Ein Weg zu einem verantwortungsbewussteren Umgang im Finanzbereich stellen seit vielen Jahren die sogenannten „ethischen Finanzanlagen“ dar. „Ethische Finanzanlagen sind Anlagen, bei denen das Anlegen des Geldes, die Mittelverwendung, auch hinsichtlich gesellschaftlicher und ethischer Kriterien überprüft wird. Es sollen dabei insbesondere die persönlichen Vorstellungen des Anlegers berücksichtigt werden“, weiß Professor Thomas Gehrig von der Universität Wien. Das erfordere eine aktive Befassung mit den einzelnen Anlagemöglichkeiten. Die immer wiederkehrenden Skandale sowie die Krisenerfahrungen hätten in den letzten Jahre die Bereitschaft der AnlegerInnen, individuell mehr Verantwortung zu übernehmen und somit auch verstärkt Einfluss auf die Mittelverwendung zu nehmen noch zusätzlich erhöht. Ethische Finanzanlagen seien dabei natürlich keine Alternativen zu persönlichem sozialen Engagement des Einzelnen oder zur Sozialpolitik der Gemeinschaft betont Gehrig: „In dem Maße, in dem sich etwa der Einzelne mit ethischen Anlagen um seine eigene Altersabsicherung kümmert, entlastet er die Gemeinschaft; und er könnte trotzdem weiter spenden und Gutes tun. „Was für jeden Einzelnen und jede Einzelne passend sei, müsse dabei „jeder verantwortungsvolle Bürger und jede verantwortungsvolle Bürgerin für sich selber entscheiden, „insbesondere auch vor dem Hintergrund seiner und ihrer persönlichen wirtschaftlichen Möglichkeiten."


Ethische Finanzanlagen appellieren an das Verantwortungsbewusstsein des Anlegers.„Wettbewerb ist nicht per se schlecht”, betont Thomas Gehrig: „In einer Marktwirtschaft soll das bessere Geschäftsmodell das schlechtere verdrängen; das bessere Produkt das schlechtere.“  So könne es eben auch verantwortbar sein, wenn etwa mithilfe spezieller Förderungen teure umweltfreundliche Technologien billige umweltbelastende verdrängen. „Solange ich Entscheidungen treffe, die ich bei gleichem Informationsstand jederzeit wiederholen würde, kann ich mit ruhigem Gewissen leben“, ist Thomas Gehrig überzeugt: „Das erfordert jedoch die Mühe, jede einzelne Entscheidung bewusst und verantwortungsvoll zu treffen und mir die zur Bewertung der Risiken nötigen Informationen zu besorgen.“


Weiterbildung

Die Universität Wien bietet in Kooperation mit dem Sustainability Economic Forum e.V. (SEFO), zum Thema „Ethische Finanzanlagen“ einen Fortbildungskurs an. Er soll vor allem Führungskräften aus dem Finanzbereich, aus Stiftungen, Vermögensverwaltungen und NGOs die Möglichkeit bieten, im Fachbereich der ethischen Finanzanlagen ihre Kompetenzen zu erweitern.


Unter den Referenten des Kurses finden sich der Bischof der Diözese Gurk-Klagenfurt Alois Schwarz und die Sozialethikerin Ingeborg Gabriel. Kursbeginn ist am 27. März. Die Anmeldefrist endet am 30. Jänner 2014.

 Andrea Harringer

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