Der Münchner Kardinal und Präsident der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (COMECE) Reinhard Marx fordert die Europäische Union auf, sich
stärker für Flüchtlinge zu engagieren. Vor allem müssten weitere Opfer bei den gefährlichen Überfahrten über das Mittelmeer vermieden werden, sagte Marx laut Bayerischem Rundfunk: „Europas Grenze darf keine Todesfalle sein.“ Die Gemeinschaft dürfe nicht nur wirtschaftlich wachsen, sondern auch in ihrer Barmherzigkeit und der Hinwendung zu den Menschen, die Zuflucht suchten.
Asyl zu beantragen sei ein fundamentales Menschenrecht, betonte der Kardinal. „Deshalb tragen gerade wir mit unserem Wohlstand eine Verantwortung für die Flüchtlinge.“ Mit Blick auf die Einführung der Euro-Währung in Lettland zum 1. Jänner erinnerte Marx daran, dass Europa mehr sei als der Euro. Die Währung sei auch Ausdruck einer Gemeinschaft, die Wohlstand und wirtschaftliches Wachstum verbinde mit Solidarität untereinander. Der auch vom christlichen Glauben geprägte Geist Europas bedeute, dass alle, besonders auch die Armen und Benachteiligten, eine Chance bekommen sollten.
„Keiner ist überflüssig! Dieser Geist muss immer wieder in der konkreten Politik sichtbar werden“, sagte Marx. Zugleich appellierte er an die EU, sich endlich über die angemessenen Aufnahmequoten zu einigen sowie jene Krisen anzugehen, die Auslöser der Migration seien. Die Hilfe für Flüchtlinge sei jedoch nicht nur eine Aufgabe auf EU-Ebene. „Sie geht uns alle etwas an, in unseren Ländern, Städten und Dörfern“, bekräftigte Marx.
Zu Asylfragen äußerte sich auch Caritas-Präsident Michael Landau. Er nannte es „entscheidend, ob es gelingt, jene Lösungsorientierung, die zuletzt im Bereich Integration erreicht wurde, auch in den Bereich des Asyl- und Fremdenrechts hineinzubringen“.
Allein seit 2006 habe es elf Novellen im Asyl- und Fremdenrecht gegeben, sodass es „juristisch geschultes hochqualifiziertes Personal“ brauche, um sich in diesem „hochkomplexen juristischen Bereich zurechtzufinden“, betonte Caritas-Generalsekretär Bernd Wachter.
kap