Zwangsbeschallung setzt die Gestaltungsfreiheit der Menschen aufs Spiel und bedroht deren Gesundheit und Lebensqualität. Das betonte der Sozialethiker und langjährige Leiter der Katholischen Sozialakademie Österreichs, P. Alois Riedlsperger, bei einer Pressekonferenz der u.a. von katholischer Kirche und Gewerkschaften getragenen Initiative „Beschallungsfrei – Die Kampagne gegen Zwangsbeschallung“. „Der Beschallungswahn trifft einen neuralgischen Punkt unserer Kultur.
Das ständige akustische Bombardiert-Werden nimmt uns die Freiheit, zu uns selbst zu kommen“, sagte Riedlsperger. „Zwangsbeschallung und das permanente akustische Zugedröhnt-Werden gefährdet unseren Zeit- und Hörwohlstand und ist ein signifikanter Beschleuniger für Burnout, das oftmals damit zu tun hat, nicht zu sich selbst kommen zu können, gelebt zu werden und nicht mehr selbst leben zu können“, erinnerte Riedlsperger. Langzeitfolgen, wie sie sich etwa in Stresserkrankungen, Ermüdung, Erschöpfung bis hin zu Burnout manifestieren, seien gravierend.
Infolge akustischer Belastungen sei jeder fünfter Österreicher über 14 Jahren irreparabel hörgeschädigt, so die Initiative gegen Zwangsbeschallung. „Ein Drittel aller Herzkreislauf-Erkrankungen kann auf akustischen Stress zurückgeführt werden“, sagt der Sprecher der Kampagne „Beschallungsfrei“, Peter Androsch. Zwangsbeschallung sei vor allem im Bekleidungshandel, aber auch in Einkaufszentren virulent, betroffen seien vielfach junge Menschen, ob als Kunden oder Angestellte.
Permanente Zwangsbeschallung sei aber nicht nur gesundheitsgefährdend und ein hoher Stressfaktor, sondern sei auch behindertenfeindlich. „Hintergrundgeräusche führen zu einer massiven Behinderung der Sprachwahrnehmung und beeinträchtigen bzw. verunmöglichen somit die Kommunikation für hörgeschädigte Menschen“, erklärte Androsch.
Die christlichen Kirchen bieten konkrete Angebote zur Hebung des „Zeit- und Hörwohlstands“ an. So etwa die Initiative „Stille in Wien“ im Kardinal-König-Haus, die „Freiräume der Stille eröffnet, in denen Menschen Erholung, Sammlung und Neuorientierung erfahren und so zu sich selbst kommen können“, so P. Alois Riedlsperger.
kap/aha