Dienstag 24. Februar 2026
Artikel aus dem Archiv

Ein Österreicher in Tansania

(5.1.2014) Für ein Leben als Missionar auf Zeit hat sich der 20-jährige A. Chmielowski entschieden.

 

Mkuranga, Tansania: Der kleine Ort liegt etwa eine Autostunde südlich von Dar Es Salaam, der größten Stadt des ostafrikanischen Staates. Hier lebt und arbeitet der 20-jährige Andreas Chmielowski seit August 2013  als Missionar auf Zeit gemeinsam mit den ansässigen Salvatorianern. In der Apotheke ist er als Rezeptionist tätig – kümmert sich um die Patienten und nimmt das Geld für die Medikamente entgegen. „An sich eine ziemlich einfache Arbeit“, sagt er: „Doch meine eigentliche Aufgabe als Missionar auf Zeit ist, Brücken zu bauen und das Leben und die Probleme der Leute hier verstehen zu lernen. Gleichzeitig sieht man sich selbst als Botschafter seiner eigenen Kultur, und man bietet seinem Umfeld die Möglichkeit, die europäische Sicht der Dinge zu begreifen.“ Er sei dabei aber kein Entwicklungshelfer, sagt Andreas, er sehe sich vielmehr als ein „Vermittler zwischen zwei Welten, die auf banalste Weise unterschiedlich, und dann doch wieder unglaublich ähnlich sein können.“


Was das Leben ausmacht

Für ein Jahr lang Missionar auf Zeit zu werden, diese Entscheidung hat er getroffen, weil er das Gefühl hatte, einen wesentlichen Teil des Lebens nicht zu kennen. „Es war purer Forscherdrang, den Blick über den eigenen Tellerrand zu wagen und etwas Neues erkunden zu wollen. Doch das alleine reichte mir auch nicht“, bringt es der junge Mann auf den Punkt: „Ich hätte ja genauso gut ein Auslandssemester irgendwo in Europa machen können, oder Work and Travel in Australien. Doch ich wollte etwas Sinnvolles tun, ein Jahr für jemanden anderen leben als für mich selbst.“ Auf der Suche nach dem richtigen Angebot, stieß er auf die Salvatorianer und kam letztlich nach Mkuranga.


„Das Leben hier ist einfach und vieles ist ungewohnt, doch man lernt sich damit zu arrangieren. In vielen Dingen denken Tansanier vollkommen anders, als es uns Europäern vertraut ist, und das kann teilweise sehr anstrengend sein“, weiß Andreas mittelerweile: „So ist es zum Beispiel für niemanden ein Problem, jemanden anderen bei einem Gespräch zu unterbrechen oder bei Tisch zu telefonieren. Doch wehe man vergisst zurück zu grüßen, wenn man selbst auf offener Straße gegrüßt wird! Das kommt in vielen Fällen einer Beleidigung gleich!“


Auf der anderen Seite seien Tansanier aber auch unglaublich geduldige, hilfsbereite Menschen. „Niemand regt sich auf, wenn ich an der Rezeption einmal einen Namen falsch schreibe, und auch wenn ich zum hundertsten Mal noch immer nicht begriffen habe, was ein bestimmtes Wort auf Suaheli bedeutet, muss ich mich nicht scheuen zu fragen.“ Anfangs wirkte alles fremd und ungestüm auf ihn, doch bald lernte er die Leute hier näher kennen und erfuhr eine Herzlichkeit, „die ein Ostösterreicher so gar nicht kennt. Diese Erfahrung würde ich um nichts in der Welt eintauschen.“


Oft nicht genug

Natürlich bleiben einem als Missionar auf Zeit aber auch die Schattenseiten des Lebens in Tansania kennen. „Armut und Mangel an Bildung sind weit verbreitete Phänomene. Malaria ist medizinisch eigentlich kein Problem, doch für Leute, die sich die Medikamente nicht leisten können, kann es lebensbedrohend sein“, erzählt Andreas: „Ich sehe es tagtäglich in der Krankenstation: Manche Leute habe nicht genug Geld bei sich, um die Medikamente zu bezahlen. Einige gehen dann nach Hause, um das Geld zu holen, doch andere haben nicht einmal dann genug.“ Besonders weh tue es ihm dann, wenn es sich geringe Beträge „von vielleicht 4 Euro“ handelt. „Dabei ist die Situation in Tansania noch recht gut. Ein Monatslohn von durchschnittlich 60 Euro ist hoch verglichen mit anderen afrikanischen Ländern.“


Für andere da sein

„Ich mache hier viele Erfahrungen, die anderen Leute wohl ein ganzes Leben verwehrt bleiben werden, und dafür bin ich unglaublich dankbar“, ist sich Andreas bewusst: „Mein Traum, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen, hat sich erfüllt. Doch ich merke auch, dass ich hier an meine eigenen Grenzen stoße. Sicher ist nicht jeder zu so einem Sozialen Jahr in Tansania geeignet, denn Menschen sind verschieden und haben unterschiedliche Bedürfnisse. Doch jedem, der wie ich das Verlangen hat, für andere Menschen da zu sein und gleichzeitig eine andere Kultur kennen zu lernen, kann ich empfehlen, sich einmal genauer über Missionar auf Zeit zu informieren.“

 Andrea Harringer


Nähere Informationen

 

„Missionar auf Zeit", kurz MaZ, ist ein Angebot an junge Menschen. Sie sind eingeladen, mit einer religiösen Gemeinschaft für eine bestimmte Zeit zusammen zu leben und arbeiten. Infos »www.salvatorianer.at«.

Gottesdienste
Finden Sie Gottesdienste in Ihrer Umgebung
ERZDIÖZESE WIEN
Wollzeile 2
1010 Wien
Tel.: +43 1 51552 - 0

anliegen@edw.or.at

Impressum
Datenschutzerklärung
Barrierefreiheitserklärung
Cookie-Einstellungen
https://www.erzdioezese-wien.at/
Darstellung: Desktop - Mobil