Die „Mette“ ist „Pflicht“: Wie feiern die Katholiken aus Polen, Tschechien, der Slowakei, Ungarn und aus Kroatien Weihnachten in Wien? Ein Rundruf bei anderssprachigen Gemeinden.
„In ungarischen Familien wird am Heiligabend nach der Bescherung entweder Fischsuppe aus Karpfen, gebratener Fisch oder Pute gegessen“, berichtet Dechant Ferenc Simon, Oberseelsorger der Ungarn in Österreich. Zu Weihnachten, besonders am ersten Weihnachtstag, ist es üblich, gefüllte kleine Kraut-Rouladen zu essen, die man einige Tage vorher zubereitet hat. „Auch die traditionellen, mit Walnüssen oder Mohn gefüllten Teigrollen dürfen nicht fehlen“, weiß Simon.
Eine Spezialität des ungarischen Christbaumes ist das Szaloncukor („Salonzuckerl“), ein ursprünglich in Seidenpapier gewickeltes Zuckerstück, das als Baumbehang verwendet wird“. Heutzutage sind es Weihnachtsbonbons, die meistens mit Schokolade überzogen sind. Die beliebteste Sorte ist das zselés szaloncukor, Salonzuckerl mit Fruchtgeleefüllung. Simon: „Sofort nach dem zweiten Weihnachtstag ist es üblich, dass der Priester und eine Schar von Ministranten zu den Familien gehen und das Haus segnen. Das wird ganz traditionell gefeiert mit Glocken, Weihrauch und Weihwasser.“ Am Ende des Haussegens begleitet die Frau des Hauses mit einer brennenden Kerze in der Hand die Gäste hinaus. „Ab jetzt dürfen die Kinder des Hauses vom Christbaum die Süßigkeiten essen, wenn etwas noch übriggeblieben ist“, weiß der Dechant.
„Die slowakische Gemeinde feiert den Advent mit besonderen Liedern im Gottesdienst, viele Slowaken empfangen das Bußsakrament als Vorbereitung auf Weihnachten und der Höhepunkt ist die slowakische Mette am 24. Dezember“, berichtet der Seelsorger der katholischen Slowaken in Wien, Pfarrer Paul Dubovsky. Am Heiligen Abend wird bei den Slowaken „feierlich gegessen, doch nur Fisch, Krautsuppe mit Steinpilzen und Sauerrahm, Mehlspeisen (z. B. Oblaten, bestrichen mit Honig), Nüsse und Süßigkeiten“, sagt Dubovsky: „Fleisch kommt am Christtag.“
„Weihnachten ist ein Familienfest, das traditionsgemäß im Kreise der engsten Verwandten gefeiert wird“, erzählt der Rektor der Polnischen Gemeinde in Wien, P. Krzysztof Kasperek CR. Am Heiligabend warteten früher die Kinder sehnlichst auf den ersten Stern am Himmel, der als Einladung zum Mahl gedeutet wurde. Man begann Glückwünsche auszutauschen und geweihte Oblaten zu teilen. Jeder brach ein Stückchen ab und teilte es mit allen Anwesenden. Kasperek: „Dieser wunderschöne Brauch ist bis heute erhalten. Das Abendmahl selbst bestand aus zwölf Gerichten, die an die zwölf Monate im Jahr bzw. die zwölf Apostel erinnern sollten. Außerdem gab es ein zusätzliches Gedeck für den Fall, dass ein Unbekannter zu Gast kommt.“ Zu den Bräuchen, die typisch für das polnische Weihnachtsfest sind, zählen zudem unzählige Weihnachtslieder, die bis 2. Februar gesungen werden, der Priesterbesuch zu Hause sowie Krippenspiele.
Die meisten kroatischen Katholiken reisen über Weihnachten in ihre Heimat. „Die, die hier bleiben, feiern Weihnachten zuerst mit dem Besuch der Christmette am Hl. Abend in der Kirche Am Hof, wo sie wunderschöne Weihnachtslieder singen. In den folgenden Tagen besuchen Familien sich gegenseitig“, berichtet Rektor P. Josip Koren OFM: „Alles ist mit dem festlichen Essen verbunden. Spanferkel und Kuchensorten gehören unbedingt auf den Festtisch.“ Ein kroatischer Weihnachtsbrauch ist das „Kolendanje“. Gruppen von Erwachsenen oder Kindern suchen die Einwohner des Ortes reihum auf und singen ihnen gegen eine kleine Verköstigung das „Kolendanje“. Koren: „Es wird den Bewohnern des jeweiligen Hauses Frieden, Gesundheit und ewiges Heil gewünscht. Oft wird auch Weihrauch mitgenommen. Durch den verwendeten Weihrauch und die Lieder hat das Kolendanje eine indirekte Verbindung mit der Liturgie.“
Für viele tschechische Katholiken ist der 24. Dezember der schönste der Weihnachtsfeiertage. Der ursprüngliche tschechische Name bedeutet wörtlich „Großzügiger Tag“, „wahrscheinlich aufgrund des reichhaltigen und vielen Essens, das traditionell serviert wird“, berichtet P. Jan Horák SDB: „Auch die armen Familien versuchten immer, an diesem einen Abend des Jahres alle Teller voll zu haben.“ Das Essen wird erst nach Sonnenuntergang serviert und besteht aus Karpfen und Kartoffelsalat, manchmal geht diesem noch ein Gang mit Pilzen, Sauerkraut oder einer Fischsuppe voraus.
Stefan Kronthaler