Dienstag 24. Februar 2026
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„Das pure Evangelium"

(15.12.2013) Interview mit Bischofsvikar Rupert Stadler über den Reformprozess im Vikariat Unter dem Wienerwald.

 


 

Wie „gedeihen" die Seelsorgeräume im Süd-Vikariat?

Stadler: Seit Jänner 2013 wurden im Vikariat Unter dem Wienerwald 8 neue Seelsorgeräume in acht (von 17) Dekanaten mit 28 Pfarren errichtet, zwei weitere Seelsorgeräume sind startbereit. Es gibt bereits die ersten positiven Erfahrungen der pfarrübergreifenden Zusammenarbeit. Nicht jede Pfarre muss alles machen, so werden Schwächen ausgeglichen und Stärken miteinander geteilt.

Wie können die Seelsorgeräume im Süd-Vikariat ein Modell der Vernetzung und Kooperation sein?

Stadler: Pfarren als gewachsene und bewährte Einheiten bilden die Basisgrößen für jeden Seelsorgeraum. Im Pastoralteam entwickeln sie neue Strukturen für die pfarrübergreifende Zusammenarbeit. Ein Seelsorgeraum ist eine verbindliche Kooperation selbständiger Pfarren. Er entspricht den gegebenen Lebensräumen der Menschen und bietet bewusst seelsorgliche Kooperation, die situations- oder bedarfsorientiert strukturiert wird, an.

Die Ressourcen werden in den nächsten Jahren weniger –  wie reagieren die Pfarren auf diese Umstände?

Stadler: Bei rückläufigen Ressourcen sind die Pfarren herausgefordert, Prioritäten und Schwerpunkte zu setzen. Durch Zusammenarbeit über die eigenen Pfarrgrenzen hinaus, z.B. durch gemeinsame Verwaltung (Pfarrbüro, Buchhaltung), werden neue Wege gesucht. Auch in der Sakramentenpastoral oder Jugendarbeit, in den Aktivitäten der Caritas sind Ansätze für Vernetzung gegeben.

Welche Rolle werden „kleine, christliche Gemeinschaften" spielen?

Stadler: Räumliche Nähe ist nicht immer auch Beziehungsnähe und Gemeindebildung ist nicht automatisch aufgrund territorialer Gegebenheiten, sondern aufgrund von Interessen, gemeinsamer spiritueller Ausrichtung und anderem mehr gegeben.


So nimmt auch die Entstehung und Gründung von kleinen Gemeinschaften und christlichen Kreisen in ihrer Bedeutung zu. Kleine Gemeinschaften bewähren sich als Zentren der Weitergabe des christlichen Glaubens und der missionarischen Ausstrahlung. Es sind Gruppen von Christen, die sich auf familiärer Ebene oder in begrenztem Umkreis treffen, um zu beten, die Heilige Schrift zu lesen, das Glaubenswissen zu vertiefen und anderes mehr.
Wir können sie als Sauerteig des christlichen Lebens bezeichnen, in denen ChristInnen in einer überschaubaren und vertrauten Gruppe die Gemeinschaft stärker erleben und teilen können.

Was braucht es, um die Menschen auf diesem Weg der Erneuerung (noch mehr) zu ermutigen?

Stadler: Papst Franziskus wird nicht müde, auf das eigentliche Wesen der Reform zu verweisen: „Die Diener der Kirche müssen barmherzig sein, sich der Menschen annehmen, sie begleiten – wie der gute Samariter, der seinen Nächsten wäscht, reinigt, aufhebt. Das ist pures Evangelium. Gott ist Größer als die Sünde. Die organisatorischen und strukturellen Reformen sind sekundär, sie kommen danach. Die erste Reform muss die Einstellung sein. Die Diener des Evangeliums müssen in der Lage sein, die Herzen der Menschen zu erwärmen, in der Nacht mit ihnen zu gehen.“  (im  Interview mit „La Civiltá Cattolica“).
Es ist daher von großer Wichtigkeit, durch ausreichende Beteiligung und Kommunikation die Menschen einzuladen, sich wieder stärker auf die Kernaufgaben unserer christlichen Existenz zu besinnen. Von dort her beziehen wir als Christen unsere Kraft, unsere Freude und auch die nötige Geduld, die wir bei solchen Vorhaben immer benötigen werden.

 

Interview: Stefan Kronthaler

Süd-Vikariat: Der Auftrag des Bischofsvikars

Auf Grundlage der Leitlinien vom September 2012   beauftragt Bischofsvikar Rupert Stadler in einem Brief die Dechanten und Dekanatsvertreterinnen und -vertreter in Absprache mit dem Erzbischof und nach Beratung in der Diözesanen Steuerungsgruppe, „in ihren Dekanaten mit 1. Jänner 2014 Koordinierungsteams einzurichten, die den Entwicklungsprozess behutsam und mit pastoraler Klugheit stetig voran bringen“.  Ziel sei „einerseits die Abfassung eines Berichtes an die Diözesanleitung, in dem ein Vorschlag (mehrere) für die Neuordnung der pfarrlichen Strukturen im Dekanat, im Sinne des Hirtenbriefes 2011, der Leitlinien 2012, der weiteren Vorgaben und auf Basis des vorliegenden Seelsorgeraumplanes, vorgelegt wird". Das soll bis Jahresbeginn 2015 geschehen.


Stadler: „Dort, wo erfolgreiche Zusammenarbeit schon besteht, ist über den diesbezüglichen Stand zu berichten. Wenn erforderlich, kann auch über Dekanatsgrenzen hinaus gedacht werden“. Andererseits geht es vor allem um die Schaffung und Stärkung eines Bewusstseins für das gemeinsame  Priestertum aller Getauften und deren Auftrag der Sendung zu allen Menschen der Region („mission first“).


Mitglieder des Koordinierungsteams sind unter der Leitung des Dechants, der Dechantstellvertreter, der/die Dekanatsvertreter/in im Vikariatsrat, eine/n Vertreter/in der Pastoralassistent/innen, ein Vertreter der Diakone, ein/e Stv. Vors. aus dem PGR, sowie zwei weitere zu bestimmende Personen aus dem Dekanat (Ordensgemeinschaften; kategoriale Seelsorge, Caritas-Einrichtungen, anderssprachige Gemeinden,  Bewegungen, ...).  
Das Koordinierungsteam soll „das Vertrauen der verantwortlichen MitarbeiterInnen im Dekanat genießen und kreativ vorausdenken können“.


Im Februar/März 2014  soll es in jedem Dekanat eine „I. Dekanatsvollversammlung“ geben.  

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