Seit 40 Jahren gibt es in der Endresstraße in Wien-Liesing eine „kleine christliche Gemeinde“. Die „Frohe Botschaft“ durch Wort und Tat hör-, erleb- und lebbar zu machen, steht hier im Mittelpunkt.
„Wir wollten schauen, was es heißt, das Evangelium in unserem Leben umzusetzen. Wollten uns Fragen wie ,Welche Gotteserfahrungen habt ihr in der vergangenen Woche gehabt‘ widmen?“. So beschreibt Günter Lenhart, Gründungsmitglied der Basis-(Personal-)gemeinde an der Erlöserkirche im 23. Wiener Gemeindebezirk, die Anfänge der Gemeinde im Jahr 1973. Keine hierarchischen Unterschiede, jeder ist gleich wichtig und wertvoll – auch das war den Gemeindemitgliedern von Anfang an wichtig. Bald gab es viele gemeinsame Unternehmungen, „auch ganz andere Formen von Wortgottesdienst oder Eucharistiefeier,“ so Günter Lenhart: Wortgottesdienste speziell auch für Kinder etwa, Kommunion in beiderlei Gestalt, Bibelkreise, Familienrunden: „Für damalige Zeiten war das etwas Revolutionäres“, so Lenhart.
Aus der Lebendigkeit der Gemeindemitglieder und ihren Ideen entwickelte sich schließlich auch der Wunsch miteinander unter einem Dach zu leben. Es traf sich gut, dass die Redemptoristinnen gerade zu diesem Zeitpunkt entschieden, ihre Niederlassung in der Endresstraße 59 zu schließen. Sie boten das Kloster zum Verkauf an. Die damals noch jungen Gemeindemitglieder der Basis-(Personal-)gemeinde legten zusammen, beantragten eine Wohnbauförderung und konnten das Gebäude schließlich miteinander erwerben.
Ein Großteil der damaligen Gemeindemitglieder lebt heute noch im gemeinsamen Haus in der Endresstraße. Die Gemeinschaft hier ist denkbar bunt. Herta Bacher wohnt mit ihrem Mann Ludwig seit der Gründung hier: „Es ist ein Haus voller mitfühlender Menschen“, sagt sie: „30 Erwachsene, 30 Kinder, darunter drei Adoptivkinder und ein Pflegekind.“ Viele tragen Verantwortung in der Pfarre Erlöserkirche „gleich nebenan“. Maria Solimans Kinder arbeiten in der Jugendgruppe mit, was deren Lehrer in der Schule auch bemerkten; „Unsere Kinder haben ganz eine andere Sozialisation, als ihre Mitschüler“, freut sie sich. Diakon Erwin Pucelj kam als Fernstehender durch den Cursillo wieder zum Glauben und in weiterer Folge auch in die Basis-(Personal-)gemeinde. Er sieht bei der Basis-(Personal-)gemeinde Endresstraße auch Parallelen mit dem derzeitigen Reformprozess in der Erzdiözese Wien: „Durch die kommenden Strukturveränderungen werden Ehrenamtliche mehr Verantwortung übernehmen müssen."
Jeden Samstagabend wird ein Gemeindegottesdienst mit Predigtgespräch gefeiert. Dazu werden Priester aus der Erzdiözese Wien eingeladen, darunter Hans Bensdorp, oder auch Domdekan Karl Rühringer. Zwei mal jährlich gibt es auch die gemeinsame Feier von Basisgemeinde und Pfarre: die Mette zu Weihnachten und die Auferstehungsfeier zu Ostern. Generell gibt es mit der Pfarre eine gute Zusammenarbeit.
Im Haus der Basis-(Personal-)gemeinde wurde außerdem ein Kindergarten der Gemeinde Wien eingerichtet, auch das Haus Sarepta der Missionsschwestern vom Heiligen Erlöser ist hier beheimatet. Die Basis-(Personal-)gemeinde lebt großes soziales Engagement – unterstützt ein Therapiezentrum für halbseitig gelähmte Menschen in Österreich, aber auch Projekte in Ländern des Südens.
Was die Zukunft der Basis-(Personal-)gemeinde Endresstraße betrifft, hat Günter Lenhart große Hoffnung: „Wir können Glauben nicht erzwingen, man kann nur versuchen ein Vorbild zu sein, mit all unseren Schwächen. Aber ich bin überzeugt: die Jugend wird es auf ihre Art machen.“
Stefan Hauser