Mittwoch 25. Februar 2026
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Wege aus der Trauer

(3.11.2013) Begräbnisleiter Herbert Tichova über die Herausforderung Trauerpastoral.

 

„Die Hilfe für jene Menschen, die trauern, gehört meiner Meinung nach zu den wichtigsten Aktivitäten einer Pfarre. Das Ziel der Trauerbegleitung lautet: ,Das Loch, in das ich fiel, wurde zur Quelle, aus der ich lebe!‘“ Herbert Tichova weiß, wovon er spricht. Seit 1994 leitet der pensionierte Polizeibeamte Begräbnisse in der Pfarre St. Johann Nepomuk, Wien 2 und hat in dieser Funktion schon hunderte Angehörige in ihrer Trauer begleitet. „Ein gut gestaltetes Begräbnis kann den Trauerprozess positiv beeinflussen“, betont Herbert Tichova in der September-Ausgabe des Pfarrblattes der Pfarre St. Johann Nepomuk.

 

Darüberhinaus „werden bei einem Begräbnis viele Menschen erreicht, auch solche, die kirchenfern oder kirchenkritisch sind und oft nichts mit der Kirche zu tun haben wollen. Ein Begräbnis kann negative Vorurteile gegenüber der Kirche bestätigen, oder Menschen wieder ,ins Boot‘ holen."


Die eigentliche Begräbnisfeier der katholischen Kirche sei aber die Eucharistiefeier. „So kommt der Seelenmesse nach dem Begräbnis große Bedeutung zu“, sagt Herbert Tichova. In der Pfarre St. Johann gibt es seit einiger Zeit einen Arbeitskreis, in dem versucht wird, die Seelenmessen besonders ansprechend zu gestalten. Auch hier gelte, dass, so wie beim Begräbnis, die Seelenmesse eine pastorale Chance ist, Fernstehende zu erreichen. „Die Seelenmessen in unserer Pfarre werden immer sehr persönlich gestaltet, Pfarrer Konstantin Spiegelfeld erkundigt sich ausführlich über die Verstorbenen und die Angehörigen, wenn er nicht selbst das Begräbnis geleitet hat.

 

Es gelingt ihm sehr gut, das Wort Gottes mit dem Leben der Verstorbenen zu verknüpfen und die Leistungen der Angehörigen zu würdigen, die diese oft über eine lange Zeit während der Krankheit und des Sterbens der geliebten Person erbracht haben.“ Darüberhinaus versuche man auch einen Ort in der Pfarrkirche zu finden, an dem die Namen der Verstorbenen festgehalten und wo für sie besonders gebetet werden kann. „Der Kontakt mit den Angehörigen wird in bestimmten Fällen auch noch lange nach dem Begräbnis aufrechterhalten – durch Anrufe, Schreiben zum Todestag, Weihnachtspost und persönliche Treffen.“


Austausch

Jeder Todesfall erfordere eine andere Herangehensweise, die von den sozialen Strukturen und den Familienverhältnissen beeinflusst werde. „Alle Pfarrangehörigen, besonders aber die Seelsorger, Begräbnisleiterinnen und -leiter und Verantwortlichen in den Arbeitskreisen und Gruppen müssen dann eng zusammenarbeiten und sich vernetzen, um Informationen auszutauschen und herauszufinden, wie am wirkungsvollsten geholfen werden kann“, so Herbert Tichova. In jenen Fällen, in denen erschwerte oder traumatische Trauer vorliegt, sei professionelle Hilfe nötig. Hier könne die Pfarre vermittelnd tätig werden.


In den meisten Fällen aber genügen geduldiges Zuhören und unaufdringliche Hilfsangebote für die alltäglichen Verrichtungen und bei Behördenwegen. „Dazu braucht es Herzenswärme, Lebenserfahrung und Nächstenliebe.“ In Zeiten der Trauer mit der Bibel in der Hand missionieren zu wollen, würde abschrecken, ist Herbert Tichova überzeugt: „Der Glaube – und hier besonders das Wort Gottes, sind vor allem für die Begleiter das Fundament, auf dem sie aufbauen können und woraus sie Kraft schöpfen. Und vielleicht springt der Hoffnungsfunke einmal auf die Hinterbliebenen über. “ Hier gelte das Wort aus dem ersten Petrusbrief: „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt“.

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