Die Gründung des Bildungshauses St. Bernhard erfolgte zeitgleich mit der Errichtung des Vikariats Unter dem Wienerwald. „Insbesondere in diesen Anfangsjahren spielte die Aus- und Weiterbildung von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen eine nicht unwichtige Rolle und ermöglichte erst die Errichtung der Vikariatsstruktur“, sagt der Direktor des Bildungszentrums St. Bernhard, Erwin Boff, im Gespräch mit dem „Sonntag“.
Der erste Bischofsvikar Florian Kuntner und der erste Direktor Friedrich Giglinger gaben der Bildungsarbeit „eine missionarische und sozialpolitische Ausrichtung, was von anderen Bildungshäusern damals durchaus angefeindet wurde“. Boff: „So war das St. Bernhard auch ein Ort, an dem Menschen für die Themen internationale Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung sensibilisiert wurden.“ In den letzten Jahrzehnten ist die Lage für die Erwachsenenbildung – nicht nur im kirchlichen Feld – immer schwieriger geworden. Trotzdem konnte sich das Zentrum durch sein breites Programmangebot als „Bildungsnahversorger“ behaupten. „2012 hatten wir über 9.000 Teilnehmer/innen bei fast 600 Veranstaltungen“, berichtet Boff.
Im Umfeld des Diözesanen Entwicklungsprozesses wird dem Bildungszentrum – ähnlich wie vor 40 Jahren bei der Errichtung des Südvikariates – als zusätzliche Aufgabe die Ausbildung von Multiplikator/innen und Begleiter/innen zukommen. „Dies betrifft sowohl die Jüngerschaftsschulung wie auch die Strukturentwicklungen auf Pfarrebene“, sagt Boff. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Frage des Zusammenlebens unterschiedlicher Weltanschauungen und Religionen. Boff: „Das ist in unserer Region nicht zuletzt deshalb besonders aktuell, weil Wiener Neustadt die Stadt mit dem höchsten Prozentsatz von Migrant/innen in Niederösterreich ist.“ Und: „Selbstverständlich bemühen wir uns, die Angebote des Bildungszentrums möglichst offen zu gestalten, so dass Interessierte und Suchende die Möglichkeit haben, ihre Antworten für ihre spezifischen Lebensfragen bei uns zu finden."
Auf immer größeres Interesse stoßen Veranstaltungen, „die die persönliche Auseinandersetzung mit Endlichkeit, Trauer und Tod und das vertrauensvolle Zugehen auf die letzte Lebensphase bei sich selbst und einem nahestehenden Menschen thematisieren“, unterstreicht Boff. Sehr nachgefragt seien Angebote zu Gesundheitsförderung und Entschleunigung: „Kreativitätskurse, die vor 20 Jahren sehr beliebt waren, gehen heute überhaupt nicht mehr."
Peter Maurer, Bildungsmanager des Bildungszentrums St. Bernhard, hat sich anlässlich des 40. Geburtstags von St. Bernhard mit der Geschichte und dem Programm dieser katholischen Erwachsenenbildungseinrichtung beschäftigt und legt die Ergebnisse in Buchform dar – Präsentation am 9. November.
Kron