In diesen Tagen findet die bereits 4. Diözesanversammlung statt. Was er an den Versammlungen schätzt, wo ihre Stärken liegen und was ihm dabei besonders wichtig ist, sagt Generalvikar Nikolaus Krasa im Gespräch mit dem „Sonntag"
In diesen Tagen findet die bereits vierte Diözesanversammlung in der Erzdiözese Wien statt. Wie beurteilen Sie die Institution der Diözesanversammlungen rückblickend und ausblickend?
Generalvikar Nikolaus Krasa: Ich bin bei der ersten Diözesanversammlung bereits beim Check-In positiv überrascht worden: Dass hier wirklich eine tiptop organisierte Veranstaltung geboten wird. Im Dom hat mich dann im Zuge der Veranstaltung diese gelungene Mischung aus Gespräch, Austausch, Impuls, Gebet beeindruckt, das Zusammensein und Zeit zu haben, miteinander zu leben, auf das Wort Gottes zu hören und sich auszutauschen.
Nach der dritten Diözesanversammlung bin ich Generalvikar geworden und hab dann auch die Verantwortung für den Diözesanprozess übertragen bekommen. Und damit auch die Frage: Wie gehen wir damit um, was Kardinal Schönborn am Ende der dritten Diözesanversammlung formuliert hat? Er hat ja damals gesagt, das Fundament des weiteren Weges der Erzdiözese Wien heißt „Mission first“: Kirche, überleg Dir, wozu du gesandt bist; Diözese, überleg dir, was deine Aufgabe ist! Auf diesem Fundament steht, auch als Konsequenz daraus, die Jüngerschaftsschulung:
Wenn Christus uns sendet, nimmt er uns in die Schule. Das ist das, was die Evangelien von den Jüngern erzählen. Und daraus ergibt sich dann wieder die Frage nach den Strukturen: Haben wir Strukturen, die uns helfen, als Jünger und Jüngerinnen Jesu unsere Mission zu leben oder haben wir Strukturen, die uns behindern, Seine Botschaft weiter zu sagen?
Diözesanversammlungen und Strukturreform – hängen die beiden zusammen oder sind sie entkoppelt zu sehen?
Krasa: Ich glaube, es geht hier nicht um entkoppelt oder nicht entkoppelt. In meiner Wahrnehmung ist aus den drei Diözesanversammlungen der strukturierte und organisierte Diözesanentwicklungsprozess entstanden. Ein Prozess, der die ganze Diözese umfassen soll und der sich im Rahmen der vorhin genannten Vorgaben „Mission first“, „Jüngerschaftsschulung“ und „Strukturreform“ bewegt. Herausgekommen ist damit ein Strukturprozess, der sehr eng mit dem Prozess Jüngerschaftsschulung verbunden ist. Ich finde es zum Beispiel faszinierend, dass das Nordvikariat, das jetzt gerade beginnt, in den Strukturprozess einzusteigen, als erste Phase den Pfarrgemeinderäten vorschlägt, einfach einmal „Bibel zu teilen“.
Bevor man also beginnt, die konkreten praktischen Fragen von Kirche in unserer Zeit anzugehen, sich zu überlegen, was müssen wir tun, welche Schritte gibt es im Vikariat? Versucht man aber zuerst mal hinzuhören und zu fragen: Wenn der Herr uns als seine Jünger und Jüngerinnen seine Gegenwart zugesagt hat, was will er dann? Ich denke, dass Diözesanreform, Strukturprozess und Diözesanversammlungen inhaltlich zusammengehören. Die jetzige vierte Diözesanversammlung ist einfach ein weiterer Schritt auf diesem Weg. Wir versuchen dabei in die Grunddynamik der Diözesanversammlungen, die wir schon hatten, einzusteigen: Aus dem ersten Apostelkonzil zu lernen, also angesichts von Problemen zusammenzukommen und einander zu erzählen, was der Herr bewirkt hat oder wo er wirkt und aufgrund dieser geteilten Erfahrungen wieder ein Stück Weg klarer zu sehen.
Auch Papst Franziskus spricht über Reformen...
Krasa: Es hilft mir für unseren Weg, in vielen der Dokumente, der Reden, der Interviews, die Papst Franziskus gegeben hat, große Begriffe und Leitlinien zu entdecken, an denen wir uns auch versuchen voranzutasten. Der Begriff Jüngerschaft etwa taucht dort auf. Und, für mich ganz faszinierend schon am Anfang des Pontifikats: Eine Kirche, die nur mit Internem beschäftigt und nur auf sich selber schaut, wird langweilig und uninteressant; immer wieder die Einladung, hinauszugehen, zu schauen, wozu wir da sind und dieser Sendung entsprechend zu handeln.
Interview: Stefan Hauser,
Katharina Spörk