Vor 25 Jahre wagte Heiligenkreuz eine Tochtergründung in Deutschland. Prior P. Pirmin Holzschuh über das junge Kloster in Bochum/Stiepel.
Wie kam es 1988 zur Gründung in Deutschland?
Holzschuh: Nach langjährigen, intensiven Bemühungen des Ruhrbischofs Kardinal Franz Hengsbach, Zisterziensermönche aus Heiligenkreuz / Niederösterreich in Bochum anzusiedeln, entschloss sich der damalige Abt von Heiligenkreuz, Gerhard Hradil OCist, zur Entsendung von 4 Heiligenkreuzer Mönchen ins Ruhrgebiet. P. Beda Zilch, P. Christian Feurstein (heute Abt vom Stift Rein), P. Maximilian Heim (heute Abt von Heiligenkreuz) und P. Severin Fochler zogen ins Ruhrgebiet und begannen am 29. August 1988 in Bochum/Stiepel monastisches Leben nach der Regel des heiligen Benedikt. Die Gemeinschaft ist seither beständig gewachsen und wirkt heute in vielfältiger Weise in der Diözese Essen.
Welche „Aufgabe(n)“ hat Stiepel? Was ist das Charisma der Zisterzienser im Ruhrpott?
Holzschuh: Kardinal Hengsbach übertrug dem jungen Kloster bei der Gründung vor allem vier Hauptaufgaben: das klösterliche Leben gemäß der Regel des hl. Benedikt und den Konstitutionen der Österreichischen Zisterzienserkongregation, die Übernahme der Seelsorge in der katholischen Pfarrgemeinde Sankt Marien in Stiepel (heute ca. 3.600 Katholiken), die Betreuung der „Wallfahrt zur Schmerzhaften Mutter von Stiepel“ (heute ca. 40.000 bis 50.000 Pilger jährlich) und das Angebot der geistlichen Einkehr im Kloster (Exerzitien, Einkehrtage, Klosterführungen, Gästebetrieb). Schon bald nach der Gründung wuchs die Kommunität und zog viele Gläubige zu den Gottesdiensten.
Inzwischen gilt das Kloster als ein geistiges Zentrum im Ruhrgebiet, als ein Haus der Stille und des Gebetes, das nicht nur in der Region, sondern weit darüber hinaus bekannt ist. Das Kloster hat einen eigenen Förderverein mit ca. 800 Mitgliedern und veranstaltet jährlich das Stiepeler Klosterfest, zu dem 2000 Besucher kommen. Die größere Kommunität ermöglichte bald zusätzliche Aufgaben: Seit 1989 finden regelmäßig Monatswallfahrten nach österreichischem Vorbild statt, seit 1996 wird das Angebot der Einkehr ergänzt durch das sogenannte „Auditorium Kloster Stiepel“, einer akademischen Vortragsreihe, in der namhafte Professoren zu Zeit- und Glaubensfragen Stellung beziehen, seit 2007 arbeitet ein Mitbruder als Kaplan seelsorglich in der Großstadt Bochum, seit 2011 arbeitet ein weiterer Mitbruder als Kaplan in Bochum, seit 2011 hilft ein Mitbruder bei der Seelsorge an der Ruhr-Universität Bochum, seit Jänner 2012 veranstalten die Mönche eine Jugendvigil nach Heiligenkreuzer Vorbild und seit 1. Mai 2013 findet eine monatliche Familienkatechese mit Kinderbetreuung statt.
Wie viele Mitbrüder gehören zur Zeit dem Konvent in Stiepel an? Welchen kirchenrechtlichen Status hat Stiepel?
Holzschuh: Das vor 25 Jahren gegründete Zisterzienserkloster in Bochum liegt im Stadtteil Stiepel beim Wallfahrtsort der Schmerzhaften Mutter von Stiepel. Das „Kloster für das Ruhrgebiet“ ist ein zum Stift Heiligenkreuz gehörendes, abhängiges Priorat. Zum Konvent gehören derzeit 13 Mönche, davon sind 8 Priester.
Wie ist die Beziehung zum „Mutterkloster" Heiligenkreuz?
Holzschuh: Wir Mönche in Stiepel leben in regem Kontakt mit den Mitbrüdern in Heiligenkreuz. Abt Maximilian Heim lebte hier 15 Jahre, zuletzt sieben Jahre als Prior und kennt das Kloster und die Mitbrüder bestens. Dank der guten Flugverbindung gibt es regelmäßig Besuche aus der Mutterabtei und umgekehrt. Besonders freut es uns natürlich, wenn der Abt kommt.
Interview: Stefan Kronthaler