Der emeritierte Kurienkardinal Walter Kasper hat bekräftigt, dass Papst Franziskus eine Lösung des Problems der Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion wolle. Die Debatte lasse sich nicht aufhalten, so der Kardinal, das Problem betreffe zu viele Menschen. „Die Doktrin will kein Joch, keine Belastung sein, sondern eine Einladung und Hilfe, um das Glück zu finden“, so Kasper.
Der Kardinal stellte aber gleichzeitig klar: die katholische Lehre lasse sich nicht aufweichen, denn sie fuße auf den bindenden Worten Jesu. Allgemeine Lösungen für Katholiken, die nach einer kirchlichen Eheschließung und Scheidung erneut standesamtlich heiraten, könne es nicht geben.
Er stellte die Frage nach dem Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen, die sich um ein christliches Leben bemühen, in der Gemeinde engagiert sind und ihre Kinder christlich erziehen. „Kann man ihnen die Vergebung verweigern?“, so Kasper. Jede Sünde könne vergeben werden, wenn der Sünder ernsthaft darum bitte. Die Vergebung setze aber eine Nähe zur Kirche und ihren Lehren voraus. Darüber wolle Papst Franziskus eine „freie, offene, auch öffentliche“ Debatte führen, so Kasper.
Kritik an der Diskussion um die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener kam von Kaspers Amtsbruder Kardinal Carlo Caffarra. Der Erzbischof von Bologna warnte energisch davor, die Unauflöslichkeit der katholischen Ehe anzutasten, indem man Geschiedene zur Eucharistie zulasse. Entscheidungen von Fall zu Fall dürfe es nicht geben, da sie einer Segnung der Scheidung gleichkämen. Barmherzigkeit darf nach Caffarras Worten nicht mit „Heuchelei“ verwechselt werden.
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