Nach dem von der gesamten EU als inakzeptabel verurteilten Krim-Referendum packen die Katholiken der Halbinsel die Koffer und verkaufen ihre Häuser, um in anderen Landesteilen der Ukraine zu leben. „Niemand weiß, was geschehen wird. Viele versuchen, ihre Wohnungen zu verkaufen und wegzuziehen“, berichtete der katholische Pfarrer von Kertsch, P. Mykahailo Milchakovskyi, dem Washingtoner „Catholic News Service". Ängste existieren im Besonderen innerhalb der mit Rom unierten griechisch-katholischen Kirche. Sie hat in Russland keinen legalen Status, und am letzten Wochenende kam es bereits zu Priesterentführungen. Drei als vermisst gemeldete Priester tauchten jedoch dann wieder auf.
Wie die griechisch-katholische Kirche in Kiew mitteilte, befindet sich einer der drei, der Militärseelsorger Mykola Kwitsch aus Sewastopol, jetzt im Landesinneren der Ukraine. Mitglieder seiner Gemeinde hätten ihm geholfen, die Krim zu verlassen. Auch zwei weitere zunächst vermisste Geistliche hielten sich an einem sicheren Ort auf, hieß es ohne nähere Angaben. Kwitsch war am 15. März von mutmaßlich prorussischen Kräften für mehrere Stunden aus seiner Kirche verschleppt worden. Am darauffolgenden Tag sei er erneut verschwunden. Die Kirche hatte auf ihrer Internetseite die Befürchtung geäußert, der Priester könne ein zweites Mal entführt worden sein.
Das Oberhaupt der griechisch-katholischen Kirche der Ukraine, der Kiewer Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk, hat in einem Interview eine Abtrennung der Krim von der Ukraine als unannehmbar nicht nur für sein Land, sondern für die ganze Staatengemeinschaft bezeichnet. „Ich denke, dass man die Krim nicht opfern darf, denn das würde heißen, den Frieden auf der ganzen Welt zu opfern“, sagte er der in Würzburg erscheinenden „Tagespost“. Die Halbinsel solle entmilitarisiert werden, damit die wachsende Spannung auf friedliche und diplomatische Weise gelöst werden könne. Papst Franziskus hat am Montag mit dem Großerzbischof die Lage in seiner Heimat erörtert. Franziskus habe Schewtschuk dabei versichert, dass es seiner Kirche in der Ukraine „nie am Schutz des Heiligen Stuhls fehlen" werde.
kap/red